Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Motor-Vergaser-Antrieb
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,

mir erscheint das Spiel mehr als 0,06 mm :?
Jetzt ist die Frage: Liegt es am Ventilschaft oder an der Führung ? Oder an beiden ?

Ich würde den Ventilschaft nochmals genau messen und ggfs. das Ventil oder die Führung erneuern.
Nach dem Austausch der Führung muss aber der Ventilsitz neu gefräst werden und das Ventil neu eingeschliffen werden :(

Wenn der Motor vorher noch nicht "gequalmt" hat, muss man es aber auch nicht "so eng" sehen :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hallo!

Hier mal die Messdaten:

Einlassventilführung:
Im oberen Bereich: D=7,025mm
Im mittleren Bereich: D=7,009mm
Im unteren Bereich: D=7,033mm

Auslassventilführung:
Im oberen Bereich: D=7,026mm
Im mittleren Bereich: D=7,017mm
Im unteren Bereich: D=7,031mm

Ovalität: ca. 0,005mm

Ventilschaft Einlass:
Im oberen Bereich: D=6,97mm
Im mittleren Bereich: D=6,975mm
Im unteren Bereich: D=6,95mm

Ventilschaft Auslass:
Im oberen Bereich: D=6,965mm
Im mittleren Bereich: D=6,965mm
Im unteren Bereich: D=6,97mm

Ps.: Gemessen wurde mit einem Intramess Zweipunkt-Innentaster und parallel mit einem Dreipunkt-Innenmikrometer

Gruß Jan
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Guten Abend!

Heute hatte ich den Heinkel zusammengebaut und eine Probefahrt gemacht. Alles beim alten. Rauchender Heinkel und schimpfende Passanten!

Beim ersten Start lief er ca. 1-2Minuten im Stand rauchfrei und wir hatten uns schon gefreut. Auch bei kurzen Gasstößen kein Rauch. Dann plötzlich wurde es langsam immer mehr. Auspuff steht wieder voller Öl. Dann bin ich rund 10km gefahren. Zwischendurch wird der Rauch weniger oder verschwindet ganz. Dann ganz plötzlich wieder eine riesige Rauchwolke. Dann hab ich ihn eine viertel Stunde abgestellt und nochmal gestartet. Kein bzw. nur ganz wenig Qualm. Nach rund zehn Sekunden wieder am qualmen. Daraus könnte man schließen, dass solange der Kopf noch trocken ist, also die Schleuderschmierung das Öl noch nicht hochgeschleudert hat, der Motor kein Öl verbrennt, sondern erst wenn der Kopf mit Öl geflutet ist und dann irgendwie in den Brennraum gelangt. Demnach müsste Kolben und Zylinder in Ordnung sein, der Abstreifring das Öl ordnungsgemäß abstreifen und die Ringe dicht sein. (ich hatte den Zylinder vor dem aufstecken satt eingeölt, das hätte er ja als erstes verbrennen müssen, hat er aber nicht, sondern ordnungsgemäß abgestreift) Bleibt nur noch der Kopf übrig. Den Kopf werde ich dann wohl komplett gegen einen überarbeiteten austauschen und hoffen, dass es dann funktioniert.

Gruß Jan
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Guten Morgen!

Kurzer Zwischenstand:
Der frisch überholte Zylinderkopf ist montiert. Leider alles wie gehabt. Beim demontieren des alten Kopfes konnte ich sehen, dass er im Bereich Stößelkanal dicht ist. Von da kommt das Öl also definitiv nicht.

Das Problem tauchte nach dem letzten Ölwechsel auf. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es irgendwie mit dem Öl zu tun haben könnte. Gestern hab ich mal 20W50 Oldtimeröl eingefüllt. Zuvor hatte ich SAE30 eingefüllt. Das schien mir sehr wässrig im Kanister. Ich hatte nach dem Ölwechsel den Eindruck, dass der Qualm weniger wurde. Bergauf nebelte er aber wieder deutlich.

Ich werde mal fahren und den Ölstand im Auge behalten.

Noch eine Frage. Ist es normal, dass je nach Kurbelwellenstellung der Ölstand variiert? Bei OT hatte ich max. und bei UT. dreiviertel am Messstab.

Gruß Jan
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,

das ist ja interessant !
Habe ich noch nie d`rauf geachtet :?

Man könnte meinen, dass die Massen-Reduzierung der Kurbelwangen in Höhe des Hubzapfens
in der "Ölwanne" (unteres Bild gelb gestrichelt) weniger Öl verdrängt, andererseits braucht der
halbe Hubzapfen mit halber Pleuellagerung auch einen gewissen Platz :?
.
Motorschnitt Ölstand .jpg
.
Ich bin auch der Meinung, dass der Ölstand in dieser "Ölwanne" nach den ersten Umdrehungen der K.W.
sehr stark sinkt, da das Öl aus dem Kurbelgehäuse nur durch die Trennfuge und durch herabfließendes
Öl in diese "Ölwanne" nachgefüllt wird.
Es wäre auch ganz schlecht, wenn das Pleuellager mit hoher Geschwindigkeit permanent in das Öl der
vollständig gefüllten "Ölwanne" eintauchen würde :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hallo Bernd!

Ja, in der Tat. Steht der Motor auf OT, so steigt der Ölstand. Drehe ich ihn auf UT. so sinkt der Ölstand.

Eben bin ich rund 30km mit dem frischen Motoröl gefahren und was soll ich sagen. Er hat sich nichts genommen. Ölstand immernoch gleich. Wenn alles so bleibt bin ich zufrieden. Nebeln tut er zwar noch, aber das können noch die Reste sein, die im Auspuff und im Auslass rumschwimmen. Diese elendig beißenden Rauchwolken sind verschwunden und auch die Lichthupen im Rückspiegel sind verschwunden, ebenso seh ich keine schimpfenden Passanten mehr im Rückspiegel. Was will man mehr.
Der Motor ging auch nicht mehr aus während der Fahrt. Das Öl hat vermutlich den Zündfunken erstickt, weshalb die Fuhre stehen blieb.

Das Öl werde ich auf jeden Fall zur Entsorgung bringen, dass ich das ja nicht mehr irgendwo einfülle. Das Zeug stand im kalten Keller und war dünn wie Wasser. Das 20W50 stand in der heißen Werkstatt und war trotzdem deutlich dickflüssiger.

Aber wer denkt schon, dass es am Motoröl liegt. Da kann ich noch so viel messen und untersuchen. Alles ist in Ordnung, nur das Öl ist Schrott. :shock: :cry:
Eigentlich hätte ich mal ein Video drehen müssen. Solche Rauchwolken hab ich noch nie vorher gesehen. Zumindestens nicht aus einem Verbrennungsmotor. Irgendwie bin ich stinksauer. Das ganze Geld für die Teile hätte ich mir sparen können. :cry: :cry:

Gruß Jan
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Hans
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Hans »

Hallo Jan,
berichte doch bitte mal wie sich die Kupplung bei dem 20W50 Öl verhält - auch wenn alles richtig warm/heiß gefahren ist und es bergauf geht. Welches Fabrikat 20W50 verwendest du? Hast du berücksichtigt, dass unser Heinkel keinen Ölfilter hat?
Gruß Hans
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hallo Hans!

Es ist das Liqui Moly Classic 20W50. Speziell für Oldtimer. Das der Heinkel keinen Ölfilter hat, hab ich berücksichtigt. Werde das Öl einfach häufiger wechseln, wenn das Öl funktioniert. Belasten kann ich den Motor noch nicht, da sich noch alles in der Einlaufphase befindet.

Könnt ihr mal hier bitte schreiben, welches Öl ihr in euren Heinkeln so fahrt? Dann werde ich mir das noch in naher Zukunft kaufen und mal testen.
Dann bin ich mit der Kupplung auf der sicheren Seite.

Kann man das irgendwie erklären, warum der Heinkel das zuvor verwendete SAE 30 einfach so rausgespült hat? Fertigungsfehler des Öles vielleicht?

Gruß Jan
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,

bist Du Dir sicher, dass in dem Behälter auch wirklich Motorenöl SAE 30 drin ist/war und nicht
etwa Heizöl o.ä. ?

Motorenöle der Viskosität 30 und 40 unterscheiden sich im Fließverhalten nicht so sehr.
Für den Heinkelmotor wurde/wird in der kalten Jahreszeit ja auch das Öl SAE 30 empfohlen !
Als dann das Mehrbereichsöl (und der 103 A-2) auf den Markt kam, wurde dafür sogar das 10W30 freigegeben,
was mich aus technischer Sicht aber sehr wundert :?

Ich persönlich fahre (auch ein paar kalte Tage im Jahr) ein günstiges Einbereichsöl SEA 40, das nicht nur für
alte Verbrennungsmotoren, sondern auch für Luftverdichter empfohlen ist.
Sehr wichtig bei der Verwendung von Einbereichsölen ist, dass der kalte Motor sehr schonend warmgefahren wird !
Siehe mein Bericht:
viewtopic.php?f=1&t=2833
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
A2Koeln
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von A2Koeln »

Liebe Heinkler,
wenn man auf die HOMEPAGE von LiquiMoly geht, ist in der Produktbeschreibung für das Öl zu lesen, dass es für Motoren mit Ölfilter konzipiert ist. https://produkte.liqui-moly.biz/classic ... -hd-5.html
Ich rate daher von der Verwendung im Heinkel dringend ab. Noch dazu, wenn der Motor in der Einlaufphase ist.
Der nächste Motorschaden ist damit vorprogrammiert.
Übrigens hatten Mercedes noch in den Siebziger Jahren Einfahröle im Einbereichsbereich mild legiert, um den Abrieb direkt in der Ölwanne zu halten. Und das trotz Vorhandenseins eines Ölfilters.
Gruß A2Köln
Heinkelgrüße von
A2Köln
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