Heinkel 102 A1 springt nicht an

Motor-Vergaser-Antrieb
HeikoCasjens
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Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von HeikoCasjens »

Hallo Leute! Ich bin hier neu und habe seit einem halben Jahr eine 102 A1 Bj 1955. Er hat 15 Jahre komplett zerlegt bei meinem Vater im Schuppen gestanden und ich habe ihn soweit wieder zusammen. Gelaufen ist er auch schon nachdem ich die Kohlen gewechselt habe. Als ich eine Probefahrt gemacht habe wurde der Roller immer langsamer und ging zu Hause aus und nicht mehr an. Nach einer weile stellte ich fest das der Keil in der Lima gebrochen ist und der OT nicht mehr passte. Neuer Keil eingebaut aber er läuft nicht, denn es knallt aus dem Vergaser und aus dem Auslassstutzen. Zündkerze funkt der Regler ist neu auf E Umgerüstet , die Zündspule ist neu, der Anlasser dreht, Kompression 9 Bar aber er will nicht. So langsam bin ich am Ende. Vielleicht hat noch jemand von euch eine Idee aber ich bin kein Fachmann.
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BerndSt
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heiko,

nur als erste spontane Idee: bist Du sicher, dass Du die Zündung auf den richtigen OT eingestellt hast?

Im Eifer des Gefechts kann es passieren, dass man den OT um 360° versetzt bestimmt...

Dürfte zwar nicht viel ausmachen, aber einen kontrollierenden Blick wäre es evtl. wert.

Viele Grüße und viel Erfolg,
Bernd
SNAFU!
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BerndSt
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von BerndSt »

... und noch eine Idee: bestimme mal den tatsächlichen OT (als erste Maßnahme durch das Kerzenloch im Zylinderkopf, dann muss der Kopf nicht runter) und prüfe, ob die OT-Markierung am Lüfterrad korrekt anzeigt.

Dein Problem klingt für mich nach falschem Zündzeitpunkt oder falschen Steuerzeiten.

Darum auch noch ganz kurz als Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag: der "richtige" OT ist vor allem für die Einstellung des Ventilspiels extrem wichtig.

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
HeikoCasjens
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von HeikoCasjens »

Hallo Bernd. Erst einmal vielen Dank für deine Antworten. Ich habe schon den Kolben an den höchsten Punkt gedreht bis beide Kipphebel entlastet sind und dann steht er auf OT. Anschließend habe ich das Lüfterrad nach rechts gedreht bis die Kontakt auseinander gehen und dann 0,4 mm einstellen. Mehr weiss ich auch nicht.
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BerndSt
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heiko,

ich kenne den 102er Motor nicht "persönlich", deshalb kann ich dazu auch nur eher allgemeine Hinweise geben.

Was mir aber einfällt: erst vor kurzem hatte ein 102er-Kollege von Dir auch Zündungsprobleme. Ich nehme an, Du kannst Englisch? Falls ja, lies mal diesen Beitrag: viewtopic.php?f=3&t=3072#p18166 und auch die darüber stehenden Hinweise zu den Montageanleitungen. (Falls Du nicht Englisch kannst, übersetze ich Dir das gerne - oder Du bemühst einen Internet-Übersetzungsdienst wie z.B. translate.google.com oder deepl.com).

Vielleicht hilft's ja. Und wenn nicht meldet sich bestimmt bald jemand, der sich damit besser auskennt als ich.

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Heiko,

mein Namensvetter BerndSt hat Dir ja schon mal sehr gute Hinweise auf den Fehler gegeben :)
Dazu aber ganz nebenbei:
Beim Einzylinder-Heinkel-Viertaktmotor sitzt der Unterbrechernocken direkt auf der (verlängerten) Kurbelwelle.
(Im Gegensatz zum Zündverteiler beim Mehrzylindermotor)
Deshalb ist es am Heinkelmotor egal,bei welchem S.P. der Zündzeitpunkt eingestellt wird :wink:
Zum Einstellen des Ventilspiels jedoch nicht und das hast Du schon richtig gemacht !

Jerzt noch ein paar Tipps von mir:
Das Lüfterrad mit den Markierungen besitzt ausser den vier Bohrungen für die Befestigungsschrauben noch eine
Bohrung zur Aufnahme des kurzen Stiftes auf dem Glockenanker um die Markierungen synchron zum Stand des
Kolbens zu bringen. Ich hatte mal an einem Kundenroller ein Lüfterrad mit einer zweiten Bohrung
(Nachträglich geboht um 90° versetzt),
und wie es der Teufel will, war es natürlich auch falsch montiert :(
Es kann aber passiert sein, dass Du beim Aufschieben des Glockenankers die Scheibenfeder (Halbmond) aus seiner
Nut geschoben hast und dann den Anker leicht verdreht montiert hast :?
Bernd schrieb das zwar auch schon, aber:
Das solltest Du nochmals genau mit einer Messuhr durch die Zündkerzenöffnung kontrollieren !!!!!
(Zündeinstellgerät)

Desweiteren kann der Fliehkraftregler in seiner Endposition auf F.P. "hängen" und dreht sich nicht mehr in seine
Ausgangsstellung zurück:
viewtopic.php?f=3&t=2259&p=13449&hilit= ... ler#p13449

Ein defekter Kondensator bewirkt auch diesen schlechten Motorlauf !
Erkennbar u.A. an starkem "Funkenfeuer" an den Unterbrecherkontakten, wenn der Motor dreht.

Dann die üblichen Sachen wie:
Zündkabel mit Anschluss an Kerzenstecker und Zündspule.
Vor Kurzem an einem Kundenroller von einer neuen Zündspule abgebaut, nachdem ich kleine Lichtbögen
zwischen Zündkabel und den Klemmen 1 und 15 der Zünspule feststellte:
Zündkabel an -Spule.JPG
und Zündkerzenstecker.

Oft entdeckt man visuell auch "fehlgeleitete Zündströme" bei laufendem Motor, wenn das Umfeld des Motors abgedunkelt ist
und man den Bereich genau abhört :wink:
Eine wirksame aber nicht empfehlenswerte Methode ist aber auch das Abtasten der Zündleitungen mit einer Hand bei
laufendem Motor, wobei die andere Hand an Masse liegt :mrgreen:
Wenn Du schon mal einen Weidezaun berührt hast, kennst Du den Efffffffffekt :shock:

Viel Glück bei der Suche und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Heinkelcruiser
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von Heinkelcruiser »

Moin moin,

"Anschließend habe ich das Lüfterrad nach rechts gedreht bis die Kontakt auseinander gehen und dann 0,4 mm einstellen."

wenn ich das richtig verstanden habe, bist Du da schon falsch vorgegangen. Ob Du rechts oder links drehst spielt erst einmal keine Rolle aber Du musst die Kontakte auf dem höchsten Punkt des Nockens auf 0,4 mm einstellen und nicht wenn gerade der Kontakt aufgeht. Vieleicht hast Du das aber auch so gemeint.
Gruß
Christian
HeikoCasjens
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von HeikoCasjens »

Moin zusammen. Schön das ihr euch alle so damit auseinander setzt! Zu Bernd : Das mZündzeitpunkt etwas nicht stimmt vermute ich auch. Aber wie verdreht man den um 360 Grad? Zu Bernd 2: Ich habe die Glocke und den Keil schon untersucht und das sitzt richtig ( Zündkerzenloch Kolben oben ). Wenn denn anspringen würde könnte ich das andere was du beschreibst auch nachschauen,aber er läuft nicht! Zu Christian: Ich habe das so gemacht wie du es beschreibst aber wenn es egal ist ob ich das Lüfterrad links oder rechts herum dreht dann funktioniert es nicht. Ich gehe gleich in die Garage und versuchs nochmal. Wenn sich was tut lasse ich mich hören. Schönen Tag noch allen!
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heinkel-bernd
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Heiko,
HeikoCasjens hat geschrieben: 09.05.2019, 16:18 Wenn denn anspringen würde könnte ich das andere was du beschreibst auch nachschauen,aber er läuft nicht!
da ist noch mehr, was Du bei Stillstand, bzw. mit Anlasserdrehzahl des Motors prüfen kannst:
heinkel-bernd hat geschrieben: 08.05.2019, 23:51 Desweiteren kann der Fliehkraftregler in seiner Endposition auf F.P. "hängen" und dreht sich nicht mehr in seine
Ausgangsstellung zurück:
viewtopic.php?f=3&t=2259&p=13449&hilit= ... ler#p13449
heinkel-bernd hat geschrieben: 08.05.2019, 23:51 Ein defekter Kondensator bewirkt auch diesen schlechten Motorlauf !
Erkennbar u.A. an starkem "Funkenfeuer" an den Unterbrecherkontakten, wenn der Motor dreht.
Geht auch mit Anlasser
heinkel-bernd hat geschrieben: 08.05.2019, 23:51 Zündkabel mit Anschluss an Kerzenstecker und Zündspule.
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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BerndSt
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Re: Heinkel 102 A1 springt nicht an

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heiko,
HeikoCasjens hat geschrieben: 09.05.2019, 16:18 Zu Bernd : Das mZündzeitpunkt etwas nicht stimmt vermute ich auch. Aber wie verdreht man den um 360 Grad?
Ähhhh - war schlicht Unfug, und heinkel-bernd hat es ja auch schon korrigiert. Also: vergiss das einfach wieder - da war ich einfach auf dem Holzweg. :lol:

Falls die Vermutung aber stimmt, dass der Zündzeitpunkt bei Deinem Heinkel "meilenweit" daneben liegt, könntest Du Dich der Lösung auch experimentell annähern. Verdrehe die Unterbrecherträgerplatte einmal ganz grob Richtung S.P.. Tut sich dann was? Läuft bestimmt überhaupt nicht rund, wäre aber schon mal schön, wenn der Motor überhaupt wieder zünden würde. Danach auch noch einmal in die andere Richtung zu F.P.. Tut sich dann was?

Und: ja, das ist die Herangehensweise eines Grobmotorikers :wink: - aber es könnte Dir erste Hinweise darauf geben, ob der Motor noch zündet oder nicht. Falls Du nirgends innerhalb des Verstellbereichs eine Zündung hin bekommst, ist etwas anderes im Argen (irgendwo innerhalb des Verstellbereichs muss der Zündzeitpunkt liegen, soviel steht fest).

Kommt auch mit diesem "brutalen Testansatz" keine Zündung zustande, musst Du wohl oder übel alle am Zündvorgang beteilgten Komponenten systematisch testen. Kurz gesagt: der Verbrennungsmotor braucht Strom (Zündung), Benzin, Kompression und Luft. Also:
  • erst einmal die Zündung wieder grob einstellen
  • Zündkerze raus und alles gut abtrocknen lassen (bei den vielen Versuchen ist der Motor mittlerweile evtl. "abgesoffen")
  • Fliehkraftversteller prüfen (muss sich mit einer Zange am Unterbrechernocken bewegen lassen und sich von selbst wieder zurückstellen)
  • Unterbrecher durchmessen - leicht baut man versehentlich eine "Kurzen" beim Einbau und herumbasteln (gerade wenn man schon etwas genervt ist und ums Verrecken nichts vorwärts geht)
  • alle (!) Kabel die mit der Zündung in Verbindung stehen prüfen und wenigstens auf Durchgang und ungewollten Masseschluss messen; wenn da eines zur Masse hin überschlagt oder schlechte Verbindung hat, kannst Du lange an anderen Orten suchen. Also: Zündkabel (sh. unten), Kabel vom Kondensator zum Unterbrecher, Kabel vom Kondensator zur Zündspule, Kabel von der Zündspule (Klemme 15) zum Zündschloss, prüfen, ob irgendein Vorbesitzer irgendwo eine Sicherung eingeschleift hat, die es nicht mehr tut und natürlich - wie immer - die Masseverbindungen (am Regler, an der Batterie, am Kondensator, usw.) checken
  • Zündkerze tauschen (nur weil die funkt muss sie nicht gut sein)
  • Zündkerzenstecker tauschen (der kann z.B. zum Kopf hin "überschlagen" wenn er defekt ist - dann bekommst Du beim Test mit ausgebauter Kerze einen schönen Funken, bei eingebauter Kerze aber nicht)
  • Kondensator tauschen (hat noch nie geschadet und ist bei Zündungsproblemen definitiv einer der "üblichen Verdächtigen")
  • Zündkabel an der Zündspule prüfen, am besten: neues Zündkabel verwenden
  • Noch einmal die Kompression prüfen - vielleicht hat sich ja zwischenzeitlich ein Problem an den Ventilen ergeben
  • Vergaser prüfen - der kann sowohl zu viel als auch zu wenig Sprit liefern
  • Starterspray verwenden (das zündet auf jeden Fall, wenn ein Funke da ist, die Kompression stimmt und der Zündzeitpunkt auch nur halbwegs richtig eingestellt ist)
  • Luftfilter abbauen (vielleicht hast Du Sprit, funktionierende Zündung und schließende Ventile aber es fehlt an der Luft, ohne die es keine Verbrennung gibt)
  • Verbindung vom Vergaser zum Ansaugstutzen prüfen - evtl. zieht der Motor Unmengen an Nebenluft
Hilft das alles nichts, geht es an die teuren Teile. Bevor Du da aber noch einmal einen Haufen Geld ausgibst, solltest Du Dir einen guten Heinkelfreund suchen, der Dir mit ein paar "Leih-Teilen" aushilft. Die teuren Teile wären dann:
  • Zündspule (ja ich weiß, die ist neu - kann aber trotzdem wieder kaputt sein)
  • Regler (dito)
  • Lichtmaschine (Gott bewahre!)
Mehr fällt mir spontan nicht ein, aber ich bin sicher, dass noch jemand eine andere Idee hat, an die ich jetzt nicht gedacht habe.

Viel Erfolg und viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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