Batterie-Rätsel

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BerndSt
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Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heinkelfreunde,

anbei ein Bild der Batterie in meinem 103-A1. Ich habe den Roller mit dieser Batterie bekommen und ich kann deshalb leider nicht mehr zu ihr sagen. Sie dürfte aber noch halbwegs neu sein.
Batterie mit Blasen - 103-A1
Batterie mit Blasen - 103-A1
Die Batterie wird geladen und scheint den Strom auch gut zu halten. Der Anlasser dreht halbwegs gut durch (die "Gedenksekunde" nach dem Eindrücken des Schlüssels scheint ja einigermaßen normal zu sein), die Ladekontrolle leuchtet bei niedrigem Standgas, geht aber sofort beim Gasgeben aus. Ich habe die Batterie noch nicht durchgemessen, nehme aber an, dass sie trotz des äußeren Zustands OK ist. Und im Kofferkasten wird es an dieser Stelle auch nicht sehr heiß - jedenfalls nicht heiß genug, dass Plastik schmelzen könnte.

Frage: was kann hier passiert sein? Wie kann es dazu kommen, dass eine Batterie solche Blasen wirft? Und: sollte ich mir darüber Gedanken machen oder gilt auch hier der Merksatz "wenn es funktioniert, dann repariere es auch nicht" ("if it's not broken, don't fix it") :?:

Danke für Eure Rückmeldungen und viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus BerndSt,

die Batterie (sieht aus wie ein Gel-Akku) wurde auf einer längeren Fahrt überladen und ist dadurch
so heiß geworden, daß sie sich verformt hat ! :mrgreen:
Schuld daran ist vermutlich der Regler, der zu viel Spannung von der Lichtmaschine durch lässt ! :shock:
Leider zeigt die Ladekontrolle nur eine zu niedrige Ladespannung an, gena so unangenehm ist aber auch
zu hohe Spannung !

Also unbedingt an den Batteriekabeln bei hoher Motor-Drehzahl die geregelte Spannung prüfen ! :idea:
Darf für Blei-Säure-Batterien nicht über 14,5 V und für Gel-Akkus nicht über 13,8 liegen :!:

Wenn die ungeregelte Spannung in Ordnung ist, hat der Vorbesitzer warscheinlich mit einem vorsündflutlichem
Ladegerät die Batterie überladen ! :cry:

Ich verwende nur noch elektronisch geregelte Ladegeräte (Erhaltungsladegerät), die schalten automatisch ab,
aber auch wieder ein, wenn die Spannung durch Selbstentladung wieder abgefallen ist ! :)
(c.tech: recht teuer ca 60,-€ aber einstellbar für Motorrad- und Autobatterie)
Ich lasse auch über den Winter die Gel-Akkus in eingebautem Zustand an diesem Ladegerät hängen,
auch bei Frost, nur unter Dach in einem geschlossenem Unterstand !
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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BerndSt
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Bernd,

das klingt plausibel. Die Batterie ist lt. Vorbesitzer ein Gel-Akku (darauf hat er beim Verkauf noch ganz stolz hingewiesen - fiel mir jetzt ein, als ich Deinen Beitrag las). Der Regler sieht noch ziemlich Original (alt) aus:
Regler am 103-A1
Regler am 103-A1
Ich nehme also auch ohne Messung an, dass der Regler bei Vollgas 14,5V liefert und damit den Gel-Akku "grillt" :cry:

Aber was mache ich jetzt? Ich habe in anderen Forenbeiträgen gelesen, dass man durch Verbiegen von Kontakten am Regler die Spannung beeinflussen kann. Habe ich das richtig verstanden und wäre das die korrekte Lösung des Problems? Und: kann man den Regler so auf eine maximale Ladespannung von 13,8V einpegeln, oder bringt man ihn nicht soweit runter?

Nebenbei: was passiert eigentlich, wenn ein Gel-Akku auf einer sehr langen Fahrt die permanente Überladung nicht aushält und "durchschmilzt"? Ich nehme an, das ist in jedem Fall erst einmal ein kompletter "Liegenbleiber". Kann noch mehr passieren? Z.B. üble Sauerei, Verätzungen am Rahmen und der Alu-Trittplatte? Entwicklung giftiger Dämpfe? Beschädigung des Reglers (der ist schwer aufzutreiben und schneidig teuer, soweit ich weiß)? Explosion (so wie die Batterie positioniert ist hätte ich nur ungern, dass sie an dieser Stelle in die Luft fliegt... :twisted: )?

Viele Grüße und Danke für die schnelle Antwort,
Bernd
SNAFU!
dynamo
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von dynamo »

Hallo,
ich verwende Pb-gel Akkus seit 10 Jahren im Heinkel bei unverändertem Regler. Ohne Probleme. Im Zyklen-Betrieb vertragen diese Akkus lt. Hersteller sogar noch höhere Spannung. Abhängig von Fabrikat, Alter und Temperatur....ein weites Feld! Die Messung der Ladeschlußspannung ist ein Muß. Wie man sie verringern kann weiß ich leider nicht, aber damit hat sich bestimmt schon jemand beschäftigt. Ein Akku der derart verformt ist, ist mit Sicherheit schwer beschädigt. Explodieren wird er nicht. Es gibt Sicherheitsventile. In der Regel trocknet er aus, und das wars.
Gruß, Heinz
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BerndSt
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heinz,

danke für die Beruhigung - falls der schlimmste Fall "nur" der ist, dass die Batterie einfach schlapp macht, dann verringern sich meine Sorgen diesbezüglich schon etwas (nach Murphy's Gesetz würde das natürlich am weitesten von daheim entfernten Punkt während einer längeren Ausfahrt passieren; die Ursache des Problems muss ich also unbedingt suchen und beheben).

Ich messe als nächstes die Ladeschlussspannung und melde mich danach vermutlich wieder.

Welche Gel-Batterien hast Du denn verbaut? Eine 12V oder zwei 6V? Hast Du vielleicht noch einen Tipp bzgl. Hersteller/Marke für mich? Weil: die vorhandene Batterie werde ich wohl besser gegen etwas neues austauschen (sofern der Regler OK ist), um hier kein weiteres Risiko einzugehen.

Viele Grüße,
Bernd
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BerndSt
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Heinkelfreunde,

auf die Anregung von Heinz hin habe ich heute mal die Ladespannungen gemessen. Dabei ergibt sich:

- ungeregelte Spannung je nach Drehzahl bis über 60V (ich habe bei 60V aufgehört zu messen, weil die Nachbarn schon ziemlich bös geschaut haben :roll: ) Laut Montageanleitung sollten das aber eigentlich "nur" 50V sein...
- geregelte Spannung beginnt bei ca. 2,5V im Leerlauf und geht dann hoch bis etwas über 16V bei Vollgas.

Ich nehme an, 16V sind für die Batterie deutlich zu viel und das ist der Grund für das geschmolzene Gehäuse.

Aber wie geht es denn jetzt am besten weiter? Muss ich mich jetzt nach einem neuen Regler umsehen? Leider werden weder die Reparatur noch der elektronische Regler derzeit beim Club in der Ersatzteilliste geführt (vom Preis des elektronischen Reglers mal ganz abgesehen wäre mir eine Reparatur des vorhandenen Reglers auch aus Gründen der Originalität lieber). Oder sollte ich mir eine (bzw. 2) andere Batterie(n) zulegen (und falls ja: kennt jemand eine Ausführung, die mit einem geregelten Ladestrom von über 16V zurecht kommt, wie Heinz in seiner Antwort angedeutet hat)?

Ich bin für jeden Hinweis dankbar - vielen Dank bereits im voraus!
Bernd
SNAFU!
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Werner
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von Werner »

Ballo Bernd,
die 16V verträgt der Gel Akku überhaupt nicht. Ein normaler Akku würde da einfach anfangen zu sprudeln und seine Flüssigkeit verkochen aber ein Gel Akku hat halt Gel drin und ist gekapselt. Da wird er sehr heiß und verformt sich im günstigen Fall oder er platzt. Eigentlich sollte man wenn man auf Nummer sicher gehen will einen Gel Akku nur kombiniert mit auf elektronische Regelung umgebautem Regler fahren oder zumindest, was ich mache vor Gelakkueinbau die Ladespannung kontrollieren und ggf. einstellen. Ausserdem dann regelmäßig prüfen ob noch alles O.K. ist. Die sogenannte Gasungsspannung von Bleiakkus liegt bei etwa max. 14,5 Volt . Irgendwo hier im Forum habe ich schon einmal erklärt wie man den Regler einstellt. Du als Computerfuchs wirst das schon finden. Solange der Akku noch fuktioniert brauchst du ihn nicht zu tauschen.
Gruß Werner
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BerndSt
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Werner,

vielen Dank für Deine Tipps! Ich habe den alten Thread zur Einstellung des Reglers gefunden (etwas weiter unten im Text [ http://www.heinkel-club.de/forum/viewto ... gler#p8338 ] finden sich sogar ein Bild und noch etwas genauere Hinweise zur Einstellung). Das werde ich morgen mal versuchen und dann berichten, ob es mir gelungen ist, die Reglerspannung genügend weit abzusenken.

Beste Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus BerndSt

die ungeregelte Ladespannung kann bei hoher Motordrehzahl auch bis 80V ansteigen !
Diese Messung solte man allerdings nicht zu lange durchführen, da sie die LIMA stark
beansprucht ! :mrgreen:

Ich habe meine Gel-Akkus auch jahrelang mit dem mechanischen Regler benutzt,
das haben sie auch recht lange ausgehalten ! Der Regler hat aber die LIMA bei ca.14,5 V eingeregelt. :)

Habe aber in der Zwischenzeit einen Heinkel-Elektro-Fuchs kennengelernt, der mir aus
handelsüblichen KFZ-Reglern die Elektronik zusammenlötet und in die alten Reglergehäuse
einbaut ! :idea:
Wenn Du also beim Verbiegen der Reglerkontakte kein Land mehr siehst, kann ich Dir damit
weiterhelfen ! :wink:

Ich schreibe Dir mal `ne Mail
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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BerndSt
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Re: Batterie-Rätsel

Beitrag von BerndSt »

Hallo Bernd,

ich dachte mir schon, dass ein "Dauertest" der ungeregelten Ladespannung nicht wirklich gesund für die Fahrzeugelektrik ist. Tatsächlich hat es mir nach ein paar Sekunden das Lämpchen der Ladekontrollleuchte zerlegt (das begann schnell zu blinken und war dabei deutlich heller als sonst, dann war es plötzlich aus). Mir ging der Gedanke durch den Kopf, was wohl mit anderen 12V-Komponenten passieren könnte, die gerade mit 60V und mehr belastet werden und habe dann schnell wieder ausgeschaltet (und die böse blickenden Nachbarn taten ein Übriges... :lol: ).

Anscheinend war ich schnell genug - bei der späteren Messung der geregelten Spannung (ich habe etwas Zeit zwischen den Messungen gelassen, um evtl. warm gewordenen Teilen etwas Abkühlung zu gönnen) funktionierte alles noch wie gewohnt.

Auf Dein Angebot für den Umbau auf einen modernen Regler komme ich vielleicht gerne zurück. Morgen biege ich erst einmal gaaaanz vorsichtig an den Kontakten im Reglergehäuse. Und dann melde ich mich wieder.

Merci und viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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