Trojan läuft nicht mehr

Alle Fragen rund um Heinkel-Kabine und Trojan
Micha L
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Micha L »

Ja, vielen Dank für den Hinweis.
Die Diagnose Kolbenfresser steht ja. Aber deshalb gleich Vollrevision?
Vielen Dank auch nochmal an alle anderen, die geholfen haben mit guten Ratschlägen.

Wird schon😁

Viele Grüße
Michael
Stephan
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Stephan »

Wenn Du es selber machen möchtest, beachte mindestens diese Hinweise:
wenn die Zylinderkopfdichtung defekt ist, ist der Kopf wahrscheinlich nicht mehr plan. Daher vor Montage, den Kopf wenn notwendig planen. Eine Kupferdichtung muss vor Gebrauch ausgeglüht werden (glühend machen mit Gasbrenner und im Wasser abschrecken), dafür kann man diese wiederverwenden.
Der Kolbenbolzen muss sich leicht im Pleuelauge drehen lassen, sonst hast Du bald wieder Klemmer oder Fresser.
Das ist eine der kritischsten Passungen.
Bei der Abdichtung der Zylinderkopfmuttern unbedingt die Hinweise unter Download "Ölverlust" beachten.
Viel Erfolg
Stephan
Micha L
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Micha L »

Hallo Stephan,
besten Dank für die Hinweise. Das Ausglühen hätte ich vergessen. Das war früher mit den Zweitaktmotoren, die wir Reihenweise zerlegt haben alles etwas einfacher, ist aber auch alles lang lang her. Ich werde mir jetzt erst mal in Ruhe überlegen, was ich mache. Mein Nachbar ist Kfz-Meister, der hat sich das Spiel mal angesehen vom Pleuel seitlich zur Kurbelwelle und sein Urteil war recht eindeutig 😕. Außerdem sagte er, dass der Trojan eh immer leicht blau gequalmt hätte beim Gasgeben. Habe ich, da ich immer drin saß nicht mal gesehen. Wird wohl immer schon alles nicht so top gewesen sein. Obwohl er lief und lief.
Ich werde mal noch ein paar Nächte drüber schlafen, aber klar ist mir jetzt eigentlich auch, dass ich es am besten ganz oder gar nicht angehe...
Viele Grüße, Michael.
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heinkel-bernd
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von heinkel-bernd »

Micha L hat geschrieben: 18.08.2024, 17:27 aber klar ist mir jetzt eigentlich auch, dass ich es am besten ganz oder gar nicht angehe...
Viele Grüße, Michael.
Darin sah ich von Anfang an die einzige Chance, dass der Motor wieder ein paar Jahre ordentlich läuft :wink:
Und mit dem 175ccm Motor gibt es auch keine Probleme bei de Ersatzteilbeschaffung :D
Allerdings gibt es bei der Revision eines Heinkel-Viertaktmotors auch Besonderheiten, die vermutlich
auch einem Kfz-Meister nicht bekannt sein dürften :?
das untere Pleuellager auf dem Hubzapfen besitzt auf seinen beiden Rollenlagern i.d.R.etwa 1 bis 2mm seitliches Spiel, was aber nicht zum
Kippen der Pleuelstange führen darf
Auch ein minimales,spürbares Höhenspiel dürfen diese Rollenlager nicht aufweisen, was man am besten spürt, wenn die Kurbelwelle
ausgebaut ist und das vorhandene Motoröl mit Bremsenreiniger und Pressluft ausgespült wurde, um die dämpfende Wirkung des Öls
auszuschalten :idea:
Bei Verwendung einer Kopfdichtung aus massiv Kupfer muss nicht nur der Zylinderkopf plangedreht werden sondern auch
die Dichtfläche des Zylinders, da sich das Kupfer nur wenig an Unebenheiten der Dichtflächen anpasst. Dafür hat die
Kupferdichtung gegenüber einer "weichen" Dichtung mehrere Vorteile: Kupfer hat sehr gute Wärmeleitfähigkeit,
wodurch der Wärmeübergang des Zylinderkopfes zum Zylinder gleichmässiger und wirkungsvoller ist.
Die Kopfdichtungen, die ich aus Kupfer herstelle besitzen die gleiche Aussenkontur wie die oberste Kühlrippe des
Zylinders, wodurch diese Kupferdichtung als zusätzliche Kühlrippe wirkt :)
Ein weiterer Vorteil, nur wenn auch eine metallische Fußdichtung verwendet wird: das Nachziehen des Zylinderkopfes
erübrigt sich, da sich das weichgeglühte Kupfer durch das Anziehdrehmoment der Kopfmuttern anpasst und daduch
auch eine leichte Kaltverfestigung erfährt :)

Ein kleiner Tip für ausgeglühte und oxidierte Kupferdichtungen:
In alten Säuere-Batterien befindet sich ca. 30 %ige Schwefelsäure, die sich nochmal ewas verdünnt mit Wasser zum Blankbeizen von
oxidiertem Kupfer verwenden lässt :D einwirken lassen und leicht abreiben.
Danach gut mit schwacher Seifenlauge neutralisieren und mit Wasser abspülen. Kaltverfestigung durch Biegen und Richten vermeiden !
Sicherheitsregeln im Umgang mit Batteriesäure beachten :!:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Rücklicht
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Rücklicht »

Micha L hat geschrieben: 18.08.2024, 17:27 Mein Nachbar ist Kfz-Meister, der hat sich das Spiel mal angesehen vom Pleuel seitlich zur Kurbelwelle und sein Urteil war recht eindeutig 😕.
Also nichts gegen deinen Nachbar, aber wieviel Heinkelkurbelwellen gingen schon durch seine Hand?
Es ist normal, dass die Kurbelwellen ein kleines Axialspiel haben, denn es sind Rollenlager. Im Prinzip hat jedes Lager Spiel sonst wären die schnell fest.

Prüfe mal das Höhenspiel, denn das ist entscheident. Wenn du da nur ein kleines Höhenspiel hast, so wird die Welle noch einen Kolben durchhalten.
Ich habe schon einige Heinkels offen gehabt, nicht nur am Kolben.
Vor ca. 20 Jahren hatte ein Freund seinen Motor offen und ich probierte mal das Höhenspiel vom Pleul. Das war fühlbar, Axial war auch nach links und rechts Spiel von jeweils 1-2mm, vielleicht auch noch etwas mehr, vorhanden. Ich sagte damals zum Glück falsch: Deine Welle ist nicht mehr so gut. Der Roller rennt heute noch ohne Probleme.

Wenn das Pleulauge oben so ist wie es Stephan beschrieben hat, also in Ordnung, würde ich einen neuen Kolben mit Zylindergarnitur verbauen und weiter geht es. Den Kopf natürlich noch überprüfen und zur Not halt überholen lassen, das musst du dann bei einer kompletten Überholung nicht mehr tun.
Micha L
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Micha L »

Hallo Bernd, hallo Rücklicht.
Ich habe es heute geschafft, den angefressenen Kolbenbolzen und das obere Pleuellager sanft mit selbstgebautem Presswerkzeug zu entfernen. Was gestern noch dramatisch aussah, ist es jetzt scheinbar nicht mehr, zumindest nicht in dem von mir gestern geschilderte Ausmaß. Ich will es aber auch nicht schön reden. Was ich gestern nicht gesehen habe, ist, dass sich der Kolben natürlich mit dem Axialspiel im unteren Pleuellager mit verschoben hat. Jetzt wo das ganze Gedöns raus ist, hab ich ein gemessenes axiales Spiel von ca. 0,6mm. Habe 2 Cutterklingen neben das untere Pleuellager eingeschoben, um das seitliche Spiel abzustellen. Ich kann die Pleuelstange dann noch marginal seitlich kippen, aber das ist deutlich unter 1mm am oberen Pleuellager gemessen (so gut ich es konnte). Ja, was heißt das jetzt?
Das untere Pleuellager ist natürlich nicht neu und hat sicher schon zumindest leichten Verschleiß, wen wundert's?
Nach oben bzw. unten, also senkrecht zur Kurbelwelle, kann ich aber probieren wie ich will, kein Spiel spürbar.
Wenn ich die seitliche Blockierung mit den Cutterklingen wegnehme, sieht das optisch schon ganz anders aus, aber wie gesagt, es täuscht auch stark, wenn man nich die seitliche Bewegung des unteren Pleuel mit dem zweiten Auge mitsieht.
Nichtsdestotrotz, vernünftig ist gründlich😁.
Ich will da aber auch heute oder morgen gar keine Entscheidung fällen...
Übrigens, ja, mein Nachbar hatte bisher exakt 0,0 Heinkelkurbelwellen in der Hand. Allerdings schätze ich immer eine kritische Meinung. Er macht halt "immer alles neu". Vielleicht würde er das wortwörtlich etwas lockerer sehen, wenn die Verfügbarkeit von Teilen nicht so gegeben wäre... ich weiß es nicht😅.
Euch beiden und allen anderen erst mal eine schöne Woche, ihr hört sicher noch von mir.
Viele Grüße, Michael.
Rücklicht
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Rücklicht »

Micha L hat geschrieben: 18.08.2024, 22:13 Übrigens, ja, mein Nachbar hatte bisher exakt 0,0 Heinkelkurbelwellen in der Hand. Allerdings schätze ich immer eine kritische Meinung. Er macht halt "immer alles neu". Vielleicht würde er das wortwörtlich etwas lockerer sehen, wenn die Verfügbarkeit von Teilen nicht so gegeben wäre... ich weiß es nicht😅.
Ja so kenne ich die KFZler.
Immer tauschen, dem Kunden sagen dass das alles nötig ist. Selbst mal ein Teil reparieren, was man zB. bei Bremssätteln kann, leider nein.
Die Bremsbeläge bzw. Backen bei 50% Verschleiß wechseln, obwohl man sieht dass der Kunde die ersten drauf hat und damit, da immer Langstrecke gefahren, 100000km auf dem Tacho hat. Mal darüber nachdenken, dass das noch locker 30000km halten würde, leider nein.

Ich könnte dir auch raten, wenn du schon mal angefangen hast, mach alles neu. Alle Lager im Motor haben sicher etwas Verschleiß.
Selbst Nockenwelle und Schlepphebel haben sich sicher mal aneinander gerieben..... Am besten noch diese und das.....

Im übrigen bekommst du solche Motorteile immer repariert, darauf haben sich sehr viele Firmen spezialisiert, denn die Liebe zu Oldtimern ist groß. Auch der Club lässt da ja auch die Teile überholen.

Mach das was ich dir schon geraten habe, deine Welle ist mit Sicherheit nicht schlecht und hält noch 2 Kolben aus. Eine Heinkelkurbelwelle sollte 3 Kolben aushalten, so hat mir mein Vater immer gesagt und ich denke er hatte Recht. Ich habe viele Motore geöffnet, bisher hatte ich nur eine Welle welche am Pleullager defekt war und das hat sich vorher sehr laut angehört und ich sage das Ding fliegt bald auseinander, da hatten schon Heinkelfreunde welche keine Gehör für Motorschäden hatten komische geschaut.
Der Motor lief noch ca. 500km bis er endlich in den Heinkelhimmel zum Ernst kam.

Lass dich also nicht entmutigen und baue deinen Motor mit einem neuen Kolben und den anden Tipps weiter oben wieder zusammen.
Micha L
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Micha L »

Danke, Rücklicht, du machst mir Mut.

Ich bin da auch nicht Perfektionist. Der Trojan und viele seiner (Motor-) Teile werden immer alt bleiben. Der Motor muss nicht die nächsten 20Jahre halten. Bis die Kinder den Spaß am Trojan verlieren vielleicht...das wäre schön.
Auf jeden Fall Frage ich schon mal neuen Zylinder und Kolben und Planen des Kopfes beim hcd an.

Vielen Dank und viele Grüße,
Michael.
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Hans
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Hans »

Micha,
wenn du die Lagerbuchse des oberen Pleuellagers ersetzt und sie auf Maß aufreibst, ist darauf zu achten, dass alles parallel zur Kurbelwellenachse geschieht Das wird oft "den Kolben winkeln" genannt.
Gruß
Hans
Micha L
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Re: Trojan läuft nicht mehr

Beitrag von Micha L »

Hallo Hans, das ist in det Tat wohl wichtig. Allerdings hab ich ja die Kurbelwelle nicht ausgebaut und kann das nicht kontrollieren.
Ich habe allerdings zwischenzeitlich kompetente Hilfe gefunden bei einer Motorinstandsetzungsfirma in meiner Nähe. Zufällig war gleich bei der ersten Firma ein netter älterer Herr am Telefon, der sich auch mit den alten Heinkelmotoren auskennt. Der macht mir jetzt erst mal den Zylinder und dazu gibt's dann nen Übermaßkolben. Kopf wird auch gleich geplant und selbst den Zylinder überarbeitet er auch noch an der Planfläche. Das ist schon mal in trockenen Tüchern. Ich sprach ihn mal drauf an, was er von einer Kupferkopfdichtung hält. Sind ja beste Voraussetzungen, wenn man sowohl Kopf als auch Zylinder 100%ig Plan hat, aber er empfahl mir die "gute alte Asbestdichtung". Hat mich gewundert, aber da streiten sich wohl auch Experten mal.
Nun ja, wenn die neue Pleuelbuchse nicht anstandslos reingeht und der Kolbenbolzen dann auch nicht perfekt passt, werde ich alles nochmal auf den Prüfstand stellen...
Schön in Ruhe ein Schritt nach dem anderen😊,
Viele Grüße,
Michael.
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