Steuerzeiten Chaos

Motor-Vergaser-Antrieb
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Werner
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von Werner »

Hallo Curdin.
Ich würds auch wie Wolfgang machen. Ordentlich heiß machen und dann mit Abzieher ran. Den Abzieher oben auf dem Bild gibts auch Kombiniert mit herkömmlichem Abzieher wo du dich mit der Spindel auf dem Wellenstumpf abstützt. Wenn das Zahnrad leicht glüht geht es bestimmt ab. Das Zahnrad kannste eh vergessen aber die gibts wie Sand am Meer. Hinterher den kleinen Bolzen in der Welle erneuern, vorher den Stumpf nacharbeiten und das neue Zahnrad zur Not mit Loctite sichern.
Kontrolliere auf jeden Fall auch das große Nockenwellenrad. Ich vermute auch dort beschädigte Zähne.
karoclub
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von karoclub »

hallo aus Wien
ich habe bei zwei Kurbelwellen gerade das ähnliche Problem:
der Stift an der Kurbelwelle ist abgeschert;
bei einer KW (die mit den kleineren Zapfen ist der Stift weg und man sieht nur ein Gewinde ?!. ist das normal oder war das ein früherer reperaturversuch ?)
bei der anderen (die volle mit den starken Zapfen ) ist nur der Kopf des Bolzens links und rechts angeschert, wie wenn das Steuerard axial zuviel spiel gehabt hätte, etwas abgehoben wäre und damit begonnen hat, den STift aufzuarbeiten (dafür spräche auch, das die Primärkette KW seitig begonnen hat, sich schon leicht ins KW-Gehäuse einzuschleifen) .
Frage1: wie sind die Zapfen in der Kurbelwelle montiert?
geschraubt oder nur geklemmt?
Frage 2: beide Steuerräder haben sich relativ leicht von der Kurbelwelle ziehen lassen (Abzieher war keiner notwendig); ist das normal oder müssten die eher aufgeschrumpft sein?
Frage 3 : mögliche reperaturarten?

mfg
H.Radl
KARO-Club Österreich
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heinkel-bernd
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus H. Radl,

ich mache mal den Anfang mit meiner Einschätzung zum geschilderten Problem und hoffe,
dass sich an der Lösung noch mehr Heinkel-Kenner beteiligen und mich ggfs. auch korrigieren :wink:
"Nobody is perfekt", auch ich lerne gerne dazu :D

Soweit ich festgestellt habe, ist der Mitnehmerstift in eine Durchgangs-Bohrung in die Kurbelwange eingepresst.
(Zumindest an einer "Bosch"-KW mit stärkeren Zapfen habe ich das mal festgestellt)
Ein abgescherter Stift liesse sich demnach in Richtung der gegenüberliegenden Wange durchschlagen !
Ein Gewinde in dieser Bohrung ist warscheinlich nachträglich als Reparaturversuch eingeschnitten worden :?
Dieses Gewinde würde ich sauber ausbohren bis eine glatte Bohrung entsteht. Danach würde ich den Schaft eines
HSS-Bohrers, der vielleicht ein zehntel größer ist als die Bohrung, etwas konisch schleifen, die Kurbelwange auf ca.
200° erhitzen und den tiefgekühlten Bohrerschaft mit einem Hammer in die Bohrung treiben bis er fest sitzt.
HSS-Bohrerschaft deshalb, weil der Stahl in diesem Bereich nicht so stark gehärtet und relaiv zäh-elastisch ist.

Nach dem Abkülen der Kurbelwelle kann dieser Stift entsprechend gekürzt und die beiden Flächen dem Steuerritzel
angepasst werden.
Obwohl dieser dickere Stift am überstehenden Ende etwas mehr Masse aufweist, er sich aber relativ nahe an der Dreh-
achse der KW befindet, sollte das so gut wie keinen Einfluss auf das Wuchtverhältnis der KW haben.

Sollte jedoch das nötige Gerät und Know-How vorhanden sein, wäre es bestimmt kein Fehler das Wuchtverhältnis der
KW zu einem (evtl. schwereren) Kolben zu prüfen und ggfs. zu korrigieren :wink:

Das Steuerritzel, das i.d.R. mit der Hand abziehbar ist, wird mithilfe der selbstsichernden Mutter SW 24 über das
Primärkettenritzel und das linke KW-Lager auf die Kurbelwange gepresst und kann somit kein Axial-Spiel aufweisen !

Wenn die Flucht des Primärkettenritzels zum Kettenrad des Kupplungskorbes durch unterlegen von Distanzscheiben
unter das Ritzel genau eingestellt ist, kann die Primärkette keinen Kontakt zum Kurbelgehäuse besitzen !
Vielleicht wurde hier auch ganz einfach die Anlaufscheibe vergessen :shock:

Viel Erfolg und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
karoclub
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von karoclub »

Bernd,
Super, danke für die schnelle Abschätzung, die sich auch voll mit meiner Einschätzung deckt.
War mir nur mit der Schiebepassung unsicher, da ja in diesem Artikel ursprünglich von eiem festsitzenden Rad die Rede war
Damit kann ich mich jetzt an die richtige Reperatur trauen
Hans
karoclub
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von karoclub »

im Endeffekt hatte der Zwischenring gefehlt, damit wurde das Kettenrad nicht an die Kurbelwelle gepresst und konnte so mit der Zeit den Bolzen "auffressen" ! ...und das Primärkettenrad hatte Luft und so arbeitete sich die Kette berewits etwas ins Gehäuse
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heinkel-bernd
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Hans,
heinkel-bernd hat geschrieben:Vielleicht wurde hier auch ganz einfach die Anlaufscheibe vergessen :shock:
Habe ich mir`s doch gedacht :wink:

Das linke K.W.-Lager ist ein "Festlager" !
Wenn die linke Kurbelwange nicht fest an dieses Lager gezogen wird, kann sie unkontrolliert "wandern" und am
Kurbelgehäuse streifen :?

Und noch Vielen Dank für die Rückmeldung :D
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
karoclub
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von karoclub »

ja,
im Gegensatz zum Sachs vom Messerschmitt. da muss die KW beidseitig genau mit Distanzringen auf Ihr Spiel eingestellt werden
Hans
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Carsten Ko.
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von Carsten Ko. »

Hallo Zusammen,
Ich habe gerade festgestellt, das der Mitnehmerstift des Steuerritzels rechts und links Flächen hat, sodas das Steuerritzen Spiel hat (geschätzt macht das fast 1/2 Zahn aus). Jetzt habe ich zwei Fragen.
- ist das ein Problem wenn das Steuerritzel so viel Spiel hat?
- wie könnte man den Mitnehmerstift ersetzen, kann man den einfach durchschlagen?

Viele Grüße
Carsten
Viele Grüße Carsten
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heinkel-bernd
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Carsten,
wie könnte man den Mitnehmerstift ersetzen, kann man den einfach durchschlagen?
Diese Idee hatte ich auch schon mal, habe aber rechtzeitig bemerkt, dass diesem Stift in voller Länge der Platz
zwischen den Kurbelwangen fehlt , um komplett durchgeschlagen zu werden! Ich konnte ihn mit der flachen Seite eines langen
kräftigen Flachmeißels zum Glück rechtzeitig wieder in die Ausgangsstellung soweit zurück klopfen, sodass sich das Pleuel mit genügend
Luft wieder daran vorbei drehen konnte :?
Motorschnitt Steuerräder..jpg
Die einzige Möglichkeit sehe ich darin, diesen Stift mit geeignetem Gerät (Froschklemme) herauszuziehen
https://www.google.com/search?client=fi ... oschklemme
Andererseits erzeut ein vor vielen Jahren von mir überholter A1-Motor auch dieses "Klackern" bei niedriger Drehzahl, bringt aber
trotzdem sehr gute Leistung :D
Um zumindest dieses Geräusch zu unterbinden, könnte man das Steuerritzel mit flüssiger Sicherung (loctite "Welle/Nabe") auf dem
Kurbelzapfen fixieren :idea:
Mir leuchtet aber seit Beginn dieses Threads noch nicht ein, dass die Klemmung der großen Sesi-Mutter am Primärritzel nicht ausreicht
um dieses "Klackern" des Steuerritzels zu verhindern :?
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Rücklicht
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Re: Steuerzeiten Chaos

Beitrag von Rücklicht »

Ich hatte mal einem Freund einen Rollermotor geöffnet, da der vorher nur rumlag.
Wir tauschen alle Lager und noch einiges mehr. Das kleine Steuerrad an der Kurbelwelle hatten wir nicht ab.

Nach dem Zusammenbau und einem Startversuch ging nichts. Zündung war in Ordnung, Kolben usw. hatten wir ja optisch als in Ordnung gesehen.
Dann fingen wir an, rückzubauen. Erst schauen ob die Ventile sich einigermaßen richtig öffnen und schließen.
Den Fehler hatte ich zuerst bei mir gesucht, ich dachte vielleicht sind die Makierungen für die Nockenwelle nicht richtige zusammen.
Nachdem wir das wieder offen hatten bemerkten wir, dass das Steuerrad lose war.
Nach dem abnehmen sahen wir dass der Stift abgeschert war.

OK, dann die Kurbelwelle komplett raus.
Den Stift mit einem Dorn nach innen geklopft, ging relativ leicht, in der Hoffnung die Länge geht komplett raus.
Ging aber leider nicht. Jetzt nahmen wir einen Lappen und schoben den zwischen Stift und Pleullager da wir den Stift durchsägen wollten.
Den Lappen um die Späne abzufangen. Der Stift war zum Glück nicht gehärtet und wir konnten diesen durchsägen und komplett entfernen.
Da wir den Nachmittag unbedingt fertig werden wollten, entschlossen wir uns zu folgendem.
Mein Freund fuhr heim und holte einen Satz verschiedener Hohlstifte.
Zuerst trieben wir einen 6er Hohlstift ein, so dass dieser ungefähr kurz vor dem innern Austritt der Kurbelwelle endete. Kann man leicht mitmessen.
Darin trieben wir nochmals um 180° versetzt einen, ich denke es war ein 4er, Hohlstift knapp ähnlich weit in den vorherigen.
Danach nahmen wir die Flex und schnitten ausen die noch zu langen Hohlstifte ungefähr auf Maß. Es kommt ja nicht auf ein paar 1/10mm an, es darf nur nicht zu lang sein.

Das ganze ist schon über 20 Jahre her seit ich diese Reparatur vorgenommen habe. Der Roller rennt noch heute.
Wir beide achteten natürlich tunlichst darauf, dass keine Späne in das Pleullager gelangten.

Sicherlich wird das kleine Steuerrad mit der Kurbelwelle verpresst, aber es ist eine rein axiale Anpressung, was keine Garantie ist, dass es sich nicht bewegen kann. Das Gegenteil ist auf der andern Seite. Der Lichtmaschinenanker ist mit einer konischen Verpressung und Führungskeil befestigt. Sollte sich da was bewegen ist was faul.

Ich kann jetzt die Scherfestigkeit von zwei ineinander getriebenen Hohlstiften nicht mit dem originalen Stift vergleichen, jedoch denke ich dass sich beides gegeneinander nicht viel gibt, zudem die Hohlstifte ja vergütet sind. Der Originalstift lies ich gut Sägen.

Vielleicht kann der eine oder andere aus diesem Beitrag eigene Ideen für eine Reparatur ableiten.
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