Servus Johannes,
ich wage jetzt mal eine Diagnose. Wobei sie nicht ganz schlüssig ist, wenn man all Deine Schilderungen berücksichtigt. Wenn zwei Fehler auf einmal auftauchen, dann haben sie meist etwas miteinander zu tun. Und irgendwie glaube ich, dass das hier zumindest bedingt auch der Fall ist. Da ist ein Anlasser-Relais, das seinen Geist aufgibt (wir haben die Bilder gesehen) und dann versagt auch die Lichtmaschine. Eigentlich völlig unabhängige Fehler. Aber vielleicht besteht doch ein gewisser Zusammenhang.
Wenn ich mir das zweite Bild aus Deinem ersten Post anschaue, dann sehe ich da das Anlasser-Relais, aber ich sehe, zumindest meine ich zu sehen, dass da ein Kontaktplättchen (roter Kringel) fehlt. Auf der anderen Seite (grüner Kringel) ist es noch da.

- Bild 1. Punktschweißung?
Warum fehlt es?
Es könnte sein, dass Du eine „Punktschweißung“ vorgenommen hast. Du schreibst, dass der Anlasser nur drei Millisekunden gezuckt habe, danach nichts mehr. Irgendwie ist da ein Strom geflossen und wenn Du tatsächlich die Kontaktplättchen verschweißt hast, dann war das ein sehr, sehr großer Strom, größer als der normale Anlassstrom.
Wie kann denn da so ein großer Strom fließen?
Kommen wir gleich zu, hab noch einen kleinen Moment Geduld. In Bild 2 habe ich skizziert, wie die Lichtmaschine so ungefähr aussieht, auch ein bisschen Regler ist noch mit dabei. Kurze Erklärung: Wird +12V an A (Anlasser) gelegt, dann fließt der Strom erst durch die sechs Anlasserspulen auf dem Stator und dann über die (+)-Kohlen in den Rotor, dann letztlich wieder über die (-)-Kohlen gegen Masse. Der Anlasser ist also eine Reihenschlussmaschine. Läuft der Motor sorgen die Erregerspulen für ein Magnetfeld, das notwendig ist, um im Rotor eine Spannung zu induzieren. Rotorspulen und Erregerspulen sind diesmal nicht in Reihe geschaltet, sondern sind parallel geschaltet. D.h. der Generator ist eine Nebenschlussmaschine.

- Bild 2. Skizze LIMA (unvollständig)
So, jetzt aber: Wie kann denn nun so ein großer Strom beim Anlassen fließen? Eigentlich ganz einfach, der Widerstand muss klein werden – oder auch ganz profan formuliert: Da muss ein Kurzschluss sein.
Und wo?
Dazu mal Bild 3 anschauen. Ich habe da einen roten Kurzschluss reingemalt. Eine – also mindestens eine – der sechs Anlasserspulen liegt an Masse. Die Folge ist, beim Starten fließt ein sehr, sehr großer Strom, da alle Leitungsquerschnitte auf diesem Weg groß sind. Wenn der normale Anlassstrom vielleicht 60A-70A sind, dann fließen jetzt vielleicht 120A oder auch mehr. Was der Akku eben hergibt. Aber der Strom fließt eben nicht mehr durch alle Anlasserspulen und schon gar nicht durch den Rotor.

- Bild 3. Skizze LIMA mit Kurzschluss
Ok, der Motor startet also nicht mehr elektrisch. Das haben wir. Aber was passiert, wenn man ihn anschiebt?
Dann läuft er. Aber wird der Akku geladen? Und arbeitet die Lichtmaschine? Nein, tut sie nicht. Denn wie aus dem Schaltbild in Bild 3 zu erkennen, liegt ja nun D+ (Ausgang Lichtmaschine) durch den Kurzschluss auf Masse. Es liegen damit beide Enden der sechs in Reihe geschalteten Erregerspulen auf Masse. Somit entsteht kein Magnetfeld in den Erregerspulen und somit wird auch keine Spannung im Rotor induziert. Außerdem: Im Prinzip liegt auch der Rotor beidseitig auf Masse, da kommt nichts aus der LIMA. Null Volt. Die hast Du auch gemessen. Gemessen hast Du auch Null Ohm von den (+)-Kohlen oder den Kabeln des Stators zu Masse. Das passt also.
Und was heißt das jetzt?
Ich gehe davon aus, dass Du einen Massenschluss bei den Anlasserspulen hast. Schau mal, ob Du sowas wie in Bild 4 findest nur krasser. Vielleicht findest Du sogar durch große Wärmeentwicklung gebläute Stellen.

- Bild 4. Stator beschädigt
Wenn Du solche Stellen findest, dann kannst Du versuchen sie zu isolieren. Aber wie man das macht, das besprechen wir dann, wenn Du was gefunden hast. Denn ich bin mir nicht sicher, ob meine Diagnose wirklich korrekt ist. Eine Sache passt nicht ins Bild: In Deinem ersten Post beschreibst Du, dass die Ladekontrolllampe erst bei höherer Drehzahl erlischt. Nach meiner Diagnose darf sie eigentlich gar nicht erlöschen. In Deinem Post vom 07.05.23 schreibst Du, dass die Ladekontrolllampe jetzt immer brenne. Mh, warum hat sich da was verändert? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es so, dass sich die Isolierung einer Anlasserspule langsam verabschiedet hat und manchmal gab es einen Kurzschluss und manchmal eben nicht. Aber das ist jetzt schon sehr spekulativ.
Wie auch immer. Versuche mal eine Schadstelle am Stator zu finden. Noch ein letzter Tipp: Wenn Du von oben auf den Stator schaust, dann bilden zwölf Spulen einen Kranz, die einen Spulen sind rechteckig in ihrer Geometrie, die anderen sind keilförmig, das geht immer abwechselnd. Die rechteckigen sind die Anlasserspulen, die keilförmigen sind die Erregerspulen.
Na, dann, bonne chance!
Herzliche Grüße aus Wiesbaden
volker