Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Motor-Vergaser-Antrieb
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,
Wolfram hat geschrieben: 17.04.2018, 21:13 Wenn Du dann noch eine Alu-Fußdichtung herstellst (die Metall-Fußdichtung vom Club ist aus VA...und Mist), brauchst Du auch die Stehbolzen des ZK nicht mehr nachziehen, da sich nichts setzen kann.
Wenn es ein "zahmes" Verdichtungsverhältnis unter 7,4 : 1 erlaubt und die Zylinder-Garnitur noch nicht eingelaufen ist,
kann man sogar die Fußdichtung ganz weglassen und nur mit Silikon-Dichtmittel abdichten :wink:

Wenn man keine Möglichkeit/Erfahrung hat den Verdichtungsraum genau auszulitern, habe ich folgenden Erfahrungswert:
Der Zylinderkopf darf noch nicht zu stark abgeschliffen sein und sollte eine Kalottenhöhe (Höhe des Brennraums) von
mind. 18,9 mm besitzen.
Wenn dann ohne Fußdichtung die obere Außenkante des KS-Kolbens an dessen O.T. mind. 1 mm unterhalb der Zylinderdichtfläche steht,
kann man davon ausgehen, dass sich das Verdichtungsverhältnis noch in einem vernünftigen Bereich befindet.
Bei der Verwendung anderer Kolben habe ich leider keinen zverlässigen Erfahrungswert.

Da sich die einzelnen Zylinder in der Höhe minimal unterscheiden, ist mir auch schon vorgekommen, dass ich einen Zylinder
um 0,5 mm abschleifen lassen musste, um ohne Fußdichtung ein ordentliches Verdichtungsverhältnis zu erreichen :?

Nach prüfen der Zuganker auf festen Sitz (weiter oben schon beschrieben) erhöhe ich das Anzugsdrehmoment der Kopfmuttern
nach und nach auf 35 Nm. Bei meinen leistungsgesteigerten Motoren hat sich das am Zylinderkpf und an den Zugankern
noch nie nachteilig bemerkbar gemacht.
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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Wolfram
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Wolfram »

Geht natürlich auch Bernd.

Aber wenn, dann bitte nicht mit normalem oder RTV-Silikon.
Diese sind zwar meist Ölfest, aber praktisch nie Kraftstofffest und Kraftstoff kann da immer mal hinkommen.

Ich kenne nur Reinzosil, welches da uneingeschränkt benutzt werden kann und welches ich seit vielen Jahren immer wieder mit 100% Erfolg einsetze.
http://www.victorreinz.com/DE/Produkte/ ... PLAST.aspx

Bei einer Eindichtung des Zylinderfußes würde ich aber keinen aushärtenden/abbindenden Dichtstoff verwenden, sondern plastische Dichtstoffe, wie z. B. Curil T, Würth DP300 oder Hylomar.
Beim Fuß mit oder ohne Melalldichtung nehme ich gerne das DP300, weil es sich besser als Curil T auftragen und nach Ablüften eine steifere Pampe hinterläßt, die auch größere Spalte (leichter Versatz der Motorgehäusehälften) sicher dichtet.
Richtig angewendet (unbedingt ablüften lassen!) halten die absolut sicher über Jahrzehnte dicht und widerstehen sämtlichen, dort denkbaren Chemikalien Öl, Benzin, Kaltreiniger, Reinigen, Lösungsmitteln).

Gruß

Wolfram
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hallo!

Sollte ich die Kopfdichtung vorsichtshalber mit Dichtmasse montieren? Hylomar Blau hab ich da. Irgendwo hab ich gelesen, dass die Heinkel Motoren im Bereich des Zylinderkopfes um 150°C warm werden. Hylomar hält über 200°C aus. Müsste funktionieren oder?

Gruß Jan
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Wolfram
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Wolfram »

Nein.

Hylomar hält zwar 200°C, aber nicht annähernd den Druck.
Hylomar ist auch zu zäh um vollständig zwischen den Dichtflächen verdrängt zu werden....es können sich Dichtstoffnester bilden.

Die besten Erfahrungen habe ich mit Reinzoplast gemacht, welches bis 300°C geht aber zusätzlich auch bis zu 100bar abkann.
Es dichtet aber keine Spalte, sondern nur die Mikrokratzer usw.
Die Konsistenz von Reinzoplast ist (und bleibt) wie flüssiges Pattex, es ist aber thixotrop, läuft also nicht runter.

Das muß aber EXTREM dünn -eigentlich nur ein Schleier- aufgebracht werden.
Das geht am besten mit einem harten Pinsel mit kurzen Borsten.

Loctite 510 kann KLEINE Spalte bis zu wenigen hundertstel mm dichten, denn es ist anaerob und härtet aus.
Aushärten aber nicht wie Klebstoff....den ZK bemommste trotzdem wieder runter :wink:

Wenn Kopf und Fuß plan ist, geht das auch so mit Alu oder Kupfer.

Gruß

Wolfram
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,

der luftgekühlte Heinkel-Zylinderkopf kann im Extremfall im Auslassbereich schon mal über 200° heiß werden :mrgreen:
Mein Zylinderkopf-Thermometer, dessen Fühler im Alu, dicht neben dem Auslasskanal steckt, zeigt das bei extremer
Belastung hin und wieder an.
Deshalb darf der Flammpunkt des Motorenöls auch nicht unter 240 °C liegen (Nebenbei erwähnt)

Ich rate deshalb bei der Verwendung metallischer Kopfdichtungen die Dichtfläche am Kopf und am Zylinder plan
schleifen zu lassen und diese Metalldichtung trocken einzubauen.
Lediglich um den Stösselkanal trage ich unterhalb und oberhalb der Dichtung hauchdünn etwas Dichtmittel auf.
Das gibt mir die Sicherheit, dass an dieser Stelle wirklich kein Öl aus dem Stösselkanal angesaugt wird, der überwiegende
Teil der Metalldichtung kann aber die Wärme des Zylinderkopfes ohne "Isolierschicht" and den Zylinder ableiten.
Zur Unterstützung der Kühlung sind meine Kupferdichtungen außen so gross wie die oberste Kühlrippe des
Zylinders und dient somit als zusätzliche Kühlrippe :wink:

Da es sehr schwierig ist die Dichtflächen am Zylinder-Fuß planzuschleifen, rate ich auf jeden Fall zu Dichtmittel auf
beiden Seiten der metallischen Dichtung. Die Wärme- und Druckbelastung ist in diesem Bereich deutlich geringer.

Ich möchte jetz wirklich keine Werbung für ein Produkt machen aber mein Favorit in Sachen Silikon-Dichtmittel
ist "LOCTITE SI 5929"
Temperaturbeständig bis 275°C, kurzzeitig bis 350°C, überschüssiges Material wird restlos verdrängt,
ausgehärtete elastische Reste lassen sich sehr leicht entfernen.
Wenn auch nicht als Zylinderkopf-Abdichtung empfohlen, im Bereich des Stösselkanals (siehe oben) verwende ich es
schon sehr lange und habe gute Erfahrnge damit gemacht :wink:
Auch als Fußabdichtung, Abdichtung der Kurbelgehäuse-Hälften, Dichtmittel für den Kupplungsdeckel (ohne Papierdichtung),
Gewindedichtmittel u.v.m. verwende ich nur noch dieses Dichtmittel von LOCTITE :D
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hallo!

Loctite 510 könnte ich mir ausleihen, ist allerdings schon ein paar Jahre alt das Zeugs. So oft braucht man das ja nicht. Geht das trotzdem noch?

Den Zylinderkopf hatte ich damals auf der Anreißplatte und feinem Nassschleifpapier plangeschliffen. Der Haarwinkel-Test zeigt einen winzigen kleinen Lichtspalt an manchen Stellen. Ich würde aber sagen, dass es nichtmal ein Hundertstelmillimeter ist.

Bei dem neuen Zylinder hab ich gerade aussen am Stößelkanal eine Aufkantung entdeckt, wodurch der Zylinderkopf zum Brennraum hin frei wird, da dieser auf dieser Aufkantung aufliegt. Erkennt man kaum. Zudem hat der Zylinderkopf an dem Steg zum Brennraum auch einen kleinen Spalt. In Summe könnten das schon ein paar wenige Hundertstel ergeben. Ich bin mir zwar fast sicher, dass der Kupferbrennsteg das ausgeglichen hat, aber man weiß ja nie... Ich werde die Aufkantung mal mit der Schlüsselfeile begradigen und dann nochmal schauen.

Ich bleibe hartnäckig :lol:
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heinkel-bernd
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Jan,

"Loctite 510" ist geeignet für allg. Abdichtungen (Zylinderfuß, Kurbelgehäuse, Gewinde usw.) bis zu
einer Temperatur von 200°C.
http://tds.henkel.com/tds5/Studio/ShowP ... lant=WERCS
Wenn die Flasche/Tupe jedoch vor ein paar Jahren schon mal geöffnet wurde, befürchte ich, dass der gesamte Inhalt
bereits ausgehärtet ist. Das solltest Du VOR dem nächsten Einsatz noch überprüfen :wink:

Wenn Du wieder eine "weiche" (neue) Kopfdichtung verwendest, kannst Du beide Dichtflächen auch händisch mit
Schleifpapier ca. K120 auf der Anreißplatte planschleifen. Für eine weiche Kopfdichtung sollte die Ebenheit ausreichen,
für eine metallische Kopfdichtung lasse ich nur maschinell planen !

Hast Dich jetzt so richtig festgebissen :mrgreen: das gefällt mir !
Viel Erfolg und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Hi Bernd!

Neue Kopf und Fussdichtungen sind unterwegs. Darunter hab ich ich auch drei Standard-Dichtungen. Sollte ich die auch mit Loctite 510 montieren oder trocken? Ein alter Mechaniker sagte, dass sie früher diese Dichtungen mit Fett bestrichen haben, welches sich dann im Betrieb eingebrannt hat. Das war dann auch dicht.

Gruß Jan
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Wolfram
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Wolfram »

Moin Jan,

ich habe ca. 25 Jahre altes 510er und das geht wie am ersten Tag.
An die 50 Motoren, davon exakt 7 Heinkel-Motoren habe ich da schon mit eingedichtet und auch nach 15 Jahren nie ein Leck gehabt.
Vorher mit 200er bis 280er Schleifpapier "anplanen", mit Aceton oder ähnlichem entfetten/reinigen, sehr dünn! aufbringen und zügig montieren.

Es ist ein anaerobes Dichtmittel= Aushärtung unter ABSCHLUSS von Luft (und metallischem Kontakt).
Eine geöffnete Flasche Loctite o. ä. wird und kann nicht aushärten, weil gerade die Luft das Dichtmittel flüssig hält.

Früher (und auch teils heute noch) wurden Dichtflächen mit Haßlagerfett/Heißdampffett bestrichen, die dann eine ähnliche Wirkung wie Hylomar/Reinzoplast hatten.....Austreiben von Hochviskosem aus einem engen Dichtspalt.
Hierzu mußten aber die Dichtflächen schon sehr gut passen.
Eine Kopfdichtung ist aber mMn mit einem zu hohen Druck beaufschlagt, deshalb bezweifel ich dort die sichere Dichtwirkung von Fetten.

Gruß

Wolfram
Jan1111
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Re: Zylinder vermessen, noch brauchbar?

Beitrag von Jan1111 »

Guten Tag und einen schönen ersten Mai!

Die Dichtflächen sind geplant, alles ist zum Einbau bereit. Die Dichtungen sind allerdings noch unterwegs und ich schaue mir in der Zwischenzeit alles nochmal genau an. Da ich mir trotz genauer Vermessung nicht ganz sicher bin mit den Ventilschäften, hab ich mal ein kurzes Video vom Radialspiel der Führungen gedreht. Mir scheint das alles ziemlich viel. Das Einbauspiel ist laut Werkstattbuch im schlimmsten Fall (obere Toleranz) gut 0,06mm.
Wie gesagt, messtechnisch ist alles im Rahmen... :roll:

https://videobin.org/+s82/wzt.html

Gruß Jan
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