Mein jüngster Fall von "behelfsmäßiger" Schrauberei :
Ein Heinkel-Neuling kauft ohne fachmännische Hilfe recht teuer einen Heinkel Tourist 103 A-0
Optisch aus gewisser Entfernung recht ansprechend, mit relativ neuem Lack (dunkelgrau) und großer Ideal-Scheibe
Technisch im wahrsten Sinne des Wortes aber ein Schrotthaufen
Um gefahrlos überhaupt eine ausgibige Probefahrt machen konnte mussten erst einmal die Bremsen komplett überholt werden.
Bei der ersten Fahrt wäre ich beim Bremsen beinahe gestürzt, da beide Bremsen extrem "rupften" und sofort zum Blockieren
neigten !
Anscheinend wurde damit schon längere Zeit herumgefahren, da die Arretierungsnase für die Ankerplatte am Aussenrohr
schon so stark eingschlagen war, dass ich das Außenrohr wechseln musste. (Öl war natürlich auch keines in den Rohren)
Und da es ja noch Spezialisten gibt, die am Heinkel ohne Montageanleitung herum schrauben, war natürlich auch die
Hinterradbremstrommel nicht fest mit der Antriebswelle verschraubt

Mit der Zeit häuften sich so viele Fehler an, dass ich erst nach ca. 25-stündigen Ausbesserungsarbeiten die erste richtige
Probefahrt durchführen konnte.
Hier ein paar extreme Hunde:
- Im Lüfterrad wurde mal (warum auch immer) eine 2. Bohrung zur Aufnahme des Positionsstiftes an der LIMA gebohrt,
90° versetzt zur ursprünglichen ! Anblitzen der Markierung und das Prüfen des Zündverstellers mit der Stroboskop-Lampe
war natürlich nicht möglich

Durch Lösen der Trittplatte am Rahmen konnte ich wenigstens den LIMA-Deckel so weit
anheben, dass ich das Lüfterrad mit der falschen Bohrung über den Stift heben konnte und es mit der richtigen Bohrung dort
positionieren konnte
Jetzt musste ich mit der Blitzlampe aber feststellen, dass der Zündversteller die Zündung schon bei ca. 2.000 UPM bis zum
Anschlag auf F.P. regelt ! Es blieb mir dann doch nicht erspart, den LIMA-Deckel komplett abzunehmen um den Fliehkraftregler
zu reparieren

- Zum Ölwechsel wollte ich auch die Getrieberastung (A-0 Motor) ausbauen und reinigen, aber Fehlanzeige !!
Raststift und Feder suchte ich vergeblich, fehlten ganz einfach !
- Anstelle einer glatten Ständerwelle wurde eine M12 Gewindestange mit zwei Muttern verwendet und der Ständer war durch
einseitiges Aufbocken und schwungvolles Zurückfallenlassen auf den Anschlag total verbogen !
- Unter die Radmuttern wurden "Fächerscheiben" gelegt und die Stützbleche am Hinterrad fehlten !
- Der vordere Bremsschlüssel war verbogen !
Als ich dann die abschließende Probefahrt unternahm, erlebte ich die nächste böse Überraschung:
Der Motor drehte unter Belastung trotz exakt eingestellter Zündung, wiederholter Prüfung des Vergasers mit verschiedenen
Einstellungen und einem durchschnittlichen Kompressionsdruck nicht richtig hoch

Mir blieb jetzt nur noch die letzte Möglichkeit, die Ursache zu finden;
Die Ventilsteuerung !
Fakt ist ja, dass sich der Öffnungshub der beiden Ventile ca. 5° vor O.T. des Kolbens (zwischen Ausstoss- und Ansaugtakt)
überschneiden. Als Bestätigung führte ich diese Prüfung mit einer Messuhr erst einmal an meinem Schnittmodell durch.
Die Überprüfung an dem betroffenen Motor ergab dann aber, dass diese Überschneidung bereits ca. 20° vor O.T. stattfindet
Nach dem Ausbau und der Öffnung des Motors hatte ich die Bescherung vor mir liegen:
Die Markierung am Steuerrad war zur Markierung am Steuerritzel um drei Zähne (ca. 18°) nach vorne versetzt !
Nach dem Zusammenbau und Einbau zeigte dann die gestrige Probefahrt die erwartete Leistung des Motors
