Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

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heinkel-bernd
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Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Heinkelfreunde,

"Edelstahl rostfrei" (I.d.R. VA oder Nirosta genannt) ist wiklich ein optimaler Werkstoff für den Einsatz,
bei dem Korossionsbeständigkeit gefragt ist ! :D
Wenn es auf Festigkeit ankommt, sind ihm aber Befestigungsteile wie Schrauben, Muttern, Bolzen, usw. aus
entsprechenden Stählen weit überlegen !
Ein Beispiel an der Zugfestigkeit und dem Anziehdrehmoment für Schrauben:
Zugfestigkeit des Werkstoffes einer Stahlschraube mit der gängigen Festigkeitsklasse 8.8 = ca. 800 N/mm²
Zugfestigkeit des Werkstoffes einer VA-Schraube mit der üblichen Festigkeitsklasse 70 = ca. 650 N/mm²

Max. Anziehdrehmoment einer Stahlschraube M8 mit der gängigen Festigkeitsklasse 8.8 = 27,3 Nm
Max. Anziehdrehmoment einer VA-Schraube M8 mit der üblichen Festigkeitsklasse 70 = 16.0 Nm

Bedenklich wird es, wenn an sicherheitsrelevanten Bauteilen aus Unwissenheit Stahlschrauben durch VA-Schrauben
ersetzt werden, nur weil es schöner aussieht !
Ich denke hier hauptsächlich an die Befestigungsschrauben für das hintere Federbein, den Motorlagern, der Lenker-Klemmschelle, usw.,bei denen z.T. die Festigkeitsklasse von 10.9 vorgeschrieben ist !

Vor Kurzem staunte ich nicht schlecht, als ich bei einem Kundenfahrzeug an der hinteren Bremstrommel
als Ersatz für die abgerissenen M 8er Radbolzen zwei V4A-Schrauben mit der Festigkeit 70 entdeckte :shock:
Bremstrommel für 5-Loch-Felge
Bremstrommel für 5-Loch-Felge
Bei dem vorgegebenen Anziehdrehmoment von 30 Nm kommt auch die Stahl-Mutter schon an ihre
Belastungsgrenze !
Deshalb ACHTUNG beim Festziehen der Radmuttern, insbesondere an der 5-Loch-Fege !
Mir fällt auch immer wieder auf, dass an den hinteren 5-Loch-Felgen äußerst selten die
Stützbleche montiert sind ! :(

Ich verstehe auch nicht, warum man die Außenrohre, die im Original aus Präzisionsstahlrohr gefertigt sind
und so gut wie nie verschleißen oder rosten, durch Edelstahlrohr ersetzen muss (Siehe Markt).
Im Grunde ist der Einbau dieser Außenrohre eine Veränderung am Fahrwerk und muss durch ein Gutachten
seitens des TÜV abgenommen werden ! :?

Ich verwende auch selbst gerne Edelstahlschrauben und Hutmuttern, fertige auch gerne Teile wie
Gepäckträger, Batteriehalter, usw. aus Edelstahl.
Wenn es aber auf Festigkeit ankommt, kenne ich kein Pardon !!
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
A2Koeln
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von A2Koeln »

Hallo Bernd,
sehr gute und wichtige Hinweise, die ich nur unterstützen kann!
Wo sind die Stützbleche zu montieren? Vielleicht hast Du in Deiner riesigen Fotosammlung ein passendes Bild - vielen Dank:-)
Gruß A2koeln
Heinkelgrüße von
A2Köln
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heinkel-bernd
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus A2Koeln,

das Foto ist vom Hinterrad des 103 A-0.
Die Stützbleche für die Fünflochfelge sehen aber genauso aus, nur dass sie eine 8 mm Bohrung haben !
(Preisliste 103 A-2, Tafel 9, Bild 21a, 21b, 21c)
Hinterrad 103 A-0.JPG
Hinterrad 103 A-0.JPG (28.04 KiB) 10748 mal betrachtet
Die nachgefertigten Stützbleche musste ich am Rand immer etwas aufweiten, da sie sonst zum
Felgenbett etwas Luft gehabt hätten !
Beim Aufschrauben der Muttern sollen die Stützbleche der Felge etwas Spannung nach außen geben !

Erforderlich sind diese Stützbleche, da die Radmuttern keinen Kegelansatz haben. :wink:

Hier noch die Kundendienstmitteilung für den 101 A-0 und 102 A-1.
Diese wurde dann wohl automatisch für den 103 A-0 und 103 A-2 (Schwingenmodell) übernommen.
Stützbleche S.1.jpg
Stützbleche S.2.jpg
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
dynamo
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von dynamo »

Hallo Bernd,
so lange ich die heinkel-Zeitung lese, habe auch ich noch nie etwas von den Stützblechen gehört. Her damit!
Welche Außenrohre meinst du?
Gruß aus dem sonnigen GR, Heinz
manfred030

Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von manfred030 »

Moin Bernd,
2013 haben die Heinkel Freunde Rendsburg ein Schraubenseminar mit Fachleuten einer Schraubenfabrik abgehalten.
Wir hatten dafür extra ein Lokal angemietet und hatten auch die Oldtimerfreunde Rendsburg (Autos)eingeladen.
Leider erschienen nur wenig Teilnehmer. blamabel.
Verschiedene Oldtimerfreunde später darauf angesprochen: "Ich nehm die Schrauben, die ich gerade habe " , "Die Niroste sehen doch viel besser aus",
"Was soll denn da schon passieren, ich fahr doch nicht schnell" , " Ich habe extra neue Schrauben im Bauhaus gekauft, da steht sogar 4. und etwas drauf" usw. waren die Kommentare.
Es fehlt leider das Sicherheitsbedürfnis gepaart mit Sturheit bei vielen Oldtimerfreunden.
Wäre schön, wenn Du dieses Thema noch vertiefen würdest.
Gruß
Manfred
A2Koeln
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von A2Koeln »

Hallo Bernd und die übrigen Foristen,
ich habe das Schwingenmodell von 1965, das keine Stützbleche hat. In der ergänzenden Bedienungsanleitung zu diesem Modell, die Martin kürzlich in den Downloadbereich eingestellt hat, sieht man auf Seite 5 am Hinterrad keine Stützbleche. Im Gegensatz zu Deinem, Bernd, Foto vom Vorgängerroller, sieht man, dass in die Bremstrommeln meines Rollers Stützen eingegossen wurden. In der Anleitung steht nichts von den Stützen auch nicht bei der Demontageanleitung zum Hinterrad.
Wenn man die Sechskantmuttern beim 103 A2 ansieht, die serienmäßig verbaut sind, so bleibt mit Unterlage einer Stütze kein Gewinde mehr übrig, wenn man daneben den Federring mit einbaut.
Ich denke, im Jahr der Ergänzung - 10 Jahre später - war die KD-Anweisung, die Du mit eingestellt hast, bekannt. Offenbar kann auf die Stützen beim 103 A2 auch mit Rücksicht auf den kurzen verbleibenden Gewindegang der Radschrauben verzichtet werden. Allenfalls würde mich das überzeugen, wenn ich bei meinem Roller zu kurze Radschrauben (nachträglich) eingebaut wurden. Wenn jemand verlässliche Originalmaße hat, kann er sie mir gerne mitteilen.
Gruß A2koeln
Heinkelgrüße von
A2Köln
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heinkel-bernd
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Manfred,

werkstoffmäßig ist zu diesem Thema das wichtigste gesagt.

Ich will nur noch zum Thema Haftung und Verantwortung ein paar Zeilen hinzufügen:

Ich selbst nehme es bei manchen Bauteilen an meinem Heinkel mit der Betriebserlaubnis auch nicht so genau.
(Ohne ABE: Integriertes Tagfahrlicht, LED-Leuchten im Rücklicht und dergl.)
Wenn es aber um meine Sicherheit, der meiner Kunden und der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer geht,
werde ich bei sicherheitsrelevanten Bauteilen keinerlei Kompromiss eingehen !

Noch ein Beispiel dazu:
Ein Kunde brachte nach dem eigenhändigen Zusammenbau seines Rollers diesen zur Durchsicht zu mir.
Vor der Probefahrt stellte ich unter anderem fest, dass der Lenker so locker war, dass man ihn mit etwas
Kippeln aus dem Steuerrohr ziehen konnte !
Nach dem Abbau der Vorderradhaube musste ich feststellen, dass der Kunde für die Klemmschelle des
Lenkers eine V2A-Schraube verwendet hat ! :shock:
Nach dem Tausch gegen eine 10.9er Stahlschraube musste ich, bis der Lenker fest saß, diese so stark festziehen,
dass die Edelstahlschraube garantiert an ihre Zerreissgrenze gelangt wäre !

Und noch etwas zur Verantwortung beim Schrauben an fremden Fahrzeugen:
Beim Nachstellen der Vorderradbremse ist mir unten abgebildete Unregelmäßigkeit auf der Außenfläche
der Ankerplatte (103 A-2) aufgefallen:
Ankerplatte 103 A-2 außen.JPG
Sieht aus wie ein Riss mit versetzten Bruchkanten, der Sache musste ich natürlich auf den Grund gehen !
Nach dem Ausbau, Zerlegen und Reinigen der Nabe konnte ich an der Innenseite der Ankerplatte
aber keinen Riss feststellen :)
Muss wohl an der Gießform gelegen haben.
Ankerplatte 103 A-2 innen.JPG

Der Ausbau der Bremsnabe war zum Zweck der Bremsenüberholung sowieso nötig gewesen,
wie ich im Nachhinein feststellen musste.
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
manfred030

Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von manfred030 »

Moin Bernd,
ich kenne die "Dreiecke" für die geteilten Felgen und habe sie auch schon beim Club bestellt.
Was mich nur stutzig macht, ist dass in der Original Erstzteilliste 103/A0 von 1961 aufgeführt ist: -Felgenschraube - Scheibe blank - Sechskantmutter
In der Liste für das Schwingmodell: Schraube - Federring - Sechskantmutter.
Hast Du eine Erklärung, woher die "Dreiecke" kommen?
Gruß
Manfred
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heinkel-bernd
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Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus A2Koeln,

an die Bremstrommeln des 102 A-1 und 103 A-0 sind auch Stützringe für die Felgen angegossen,
trotzdem sind hier diese Stützbleche vorgeschrieben !

In der Bedienungsanleitung des 103 A-2 (Schwinge) werden diese aber nicht erwähnt.
Zu meiner Schande mss ich zugeben, dass ich diese Anleitung noch nie gelesen habe ! :(
Danke für den Hinweis !

Dann frage ich mich aber, wozu diese Stützbleche in der Heinkel-Preisliste angeboten werden :?

Und an Manfred:
manfred030 hat geschrieben:Was mich nur stutzig macht, ist dass in der Original Erstzteilliste 103/A0 von 1961 aufgeführt ist: -Felgenschraube - Scheibe blank - Sechskantmutter
In der Liste für das Schwingmodell: Schraube - Federring - Sechskantmutter.
Die Stützbleche haben mit den Felgenschrauben nichts zu tun !
Beim 102 A-1 und 103 A-0 kommen diese "Dreiecke" unter die Radmuttern ! :idea:
(Siehe Bildtafel "Schwingarm)
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
manfred030

Re: Sicherheitsrelevante Befestigungs- und Nachbauteile ?

Beitrag von manfred030 »

Danke Bernd, da habe ich nicht zu Ende gedacht. Asche auf mein Haupt.
Gruß
Manfred
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