Hallo Gundolf,
Vorab: Achtung, es folgt ein langer Text ohne Bilder. Muss wirklich niemand lesen, der dazu keinen Bock hat!
meine erste Antwort auf Deine Nachricht habe ich wieder gelöscht, weil ich darin Dinge geschrieben haben, die mich sehr als "auf dem Holzweg befindlich" hätten aussehen lassen.
Mittlerweile habe ich noch ein bisserl recherchiert, mich belesen und an meinem Heinkel ein paar Abmessungen ermittelt. Und jetzt komme ich einer Erklärung zu den Übersetzungsverhältnissen und den Wegzahlen zumindest etwas näher.
Doch der Reihe nach. Zuerst einmal vielen Dank für Deine Hilfe und besonders dafür, dass Du den A0-Tachoantrieb geprüft hast. Als zweites meine Entschuldigung dafür, dass ich bzgl. des A2-Schwingenmodells Unfug schrieb - ich hatte mir zwar die Fotos aus dem oben verlinkten Beitrag vorher angesehen, dann aber doch Blödsinn getippt. War wohl doch schon etwas spät gestern Nacht...
Und nun zu den Wegezahlen und zu dem was ich herausgefunden habe.
Die Wegezahlen bezeichnen die Anzahl der Umdrehungen der Tachowelle (!), die erfolgen, wenn das Rad 1 Meter zurücklegt.
Also sollte sich die Welle für einen A1-Tacho 1,28mal drehen, wenn der Roller einen Meter zurücklegt. Bei einem A0 1,35 mal und bei einem Roller mit 8-Zoll-Rädern 0,95mal.
Wenn nun der Tachoantrieb bei A1 und A0 tatsächlich 1,9 Tachowellenumdrehungen bei einer Radumdrehung erzeugt, dann sollten eigentlich die Wegezahlen der Tachos gleich sein.
Aber sie sind es nicht - was kann dafür wohl die Ursache sein? Ich kann hier nur Vermutungen anstellen, warum das - bei gleicher Radgröße - geändert wurde. Evtl. haben sich die tatsächlichen Rollumfänge der damals verfügbaren Räder soweit geändert, dass eine "Nachkorrektur" angeraten erschien? Neue Gummimischungen, leicht andere Dimensionierung? Oder die gesetzlichen Grundlagen zur max. zulässigen Abweichung des Tachos wurden geändert? Oder die Marketingabteilung wollte gerne andere/genauere/höhere Geschwindigkeitsanzeigen für das neue Modell haben? Ich weiß es nicht - es ist etwas mysteriös...
Wenn ich das "Pferd mal von hinten aufzäume" komme ich zu diesen Ergebnissen:
An meinem A1 ist aktuell ein Reifen montiert, der einen unbelasteten Radius von 22,5cm hat. Der belastete Radius (Roller abgebockt, gemessen von Radmitte zur Fahrbahn) ist nur 21,5cm.
Der Abrollumfang des Rades beträgt unbelastet somit ca. 141cm. Der "dynamische Abrollumfang" (und damit die Wegstrecke, die das Rad unter Belastung zurücklegt) wird über eine Näherungsformel berechnet: "dynamischer Rollradius" = 2/3 "Radius unbelastet" + 1/3 "Radius belastet" - für mein Rad also 22,2cm (Hinweis: diese Näherungsformel gilt für moderne Radialreifen - bei Diagonalreifen könnte sie leicht abweichen, aber mir soll das erst einmal so genügen).
Setzt man den ermittelten "dynamischen Rollradius" für die Ermittlung des dynamischen Abrollumfangs an, so errechnet sich eine Wegstrecke von 139,49cm pro Radumdrehung.
Um 1m zurückzulegen, muss das Rad also 0,717 Umdrehungen machen. Das bedeutet für die Tachowelle, dass sie für 1m 1,36 Umdrehungen macht.
Et voilá! 1,36 kommt an die Wegezahl des A0-Tachos sehr nahe ran - die fehlenden 0,01 sind wohl Rechen- und Rundungsfehler.
Eine Wegezahl von 1,28 würde nach dieser Berechnungsformel bedeuten, dass (bei gleicher Tachoantriebsübersetzung) das Rad eines A1 etwas größer sein müsste als beim A0.
Genauer berechnet: 1,28 Wellenumdrehungen bei einem Übersetzungsverhältnis von 1:1,9 ergibt 0,674 Radumdrehungen, um 1m zurückzulegen. Der (dynamische) Rollumfang eines solchen Rades müsste 148,4cm betragen. Und das entspräche einem dynamischen Rollradius von 23,6cm. Das ist im Vergleich zu meinen Reifen ein Unterschied von 1,4cm und damit nicht wirklich viel, wenn man sich verschiedene Reifen ansieht.
Wäre interessant, falls noch jemand ein originales (!) A0 Rad und ein originales A1-Rad (Werksauslieferung) hätte und den unbelasteten Radius mal messen würde.
Und was hilft das jetzt bei der Tachokalibrierung? Eine Menge! Für das Vorderrad an meinem Heinkel könnte ich auf Basis dieser Werte den Tacho jetzt halbwegs genau einstellen (der geht im Moment so "genau" wie die "Giesinger Heuwage", wie man hier bei uns sagt

). Nämlich so:
50km entsprechen bei einem dynamischen Abrollumfang von 139,49cm ca. 35844 Radumdrehungen. Das wären dann 68103 Tachowellenumdrehungen. Wenn die in einer Stunde anfallen, bin ich genau 50km/h gefahren. Also teile ich das durch 60 und weiß jetzt, dass an der Bohrmaschine bei 1135 Umdrehungen pro Minute der Tacho auf die 50 zeigen muss, um genau zu meinem Heinkel und meinen Reifen zu passen.
Was man übrigens leider nicht einstellen kann, ist die Anzeige/Abweichung des Kilometerzählers. Die ist nicht ohne Weiteres veränderbar, weil sie über Zahnräder und Schneckenwellen läuft (und dadurch starr an die Umdrehungen der Tachowelle gekoppelt ist). Und andere Zahnräder anzufertigen (geschweige denn, sie vorher zu berechnen) geht eindeutig über meine Fähigkeiten hinaus.
Langer Text, aber immerhin ein Ergebnis zu meiner ursprünglichen Frage - und darum wollte ich es auch ins Forum stellen. Wenn wir jetzt noch die Übersetzungsverhältnisse für die anderen Modelle herausfinden, kann jeder für seinen Tacho und seine Räder die korrekten Werte bestimmen. Vielleicht kann das ja mal jemand brauchen.
Viele Grüße,
Bernd
P.S. wenn jemand einen Rechnen- oder Denkfehler findet, dann möge er mich das bitte, bitte wissen lassen!