Hinterradbremse verölt ?

Motor-Vergaser-Antrieb
WolfgangderFlexer
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Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von WolfgangderFlexer »

Bin noch immer am Anfang meiner Restauration Tourist A 2, Bj. 1962. Beim Ausbau des Hinterrades stellt sich heraus, dass die Bremsbacken total verölt sind. In der Felge ist alles ölverschmiert. Gibt es da einen Dichtring zum Hinterradantrieb ? Was kann man zerlegen und erneuern ? Bin für jeden Hinweis dankbar. LG Wolfgang
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BerndSt
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von BerndSt »

Hallo Wolfgang,

guckst Du hier: http://www.heinkel-club.de/t3/index.php ... s[cat]=109 (Ersatzteilkatalog, Tafel 9 "Schwingarm" - Hinweis: der Link funktioniert nur wenn Du auf der Clubseite eingeloggt bist), Nr. 17 - also: die Antwort lautet "ja", es gibt einen Radialdichtring und der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Dir auch der Übeltäter.

Hier die gute Nachricht: der Dichtring kann von der Bremsenseite her getauscht werden. Du musst den Schwingarm dafür also nicht demontieren.

Aus meiner eigenen Erfahrung noch ein Tipp: es kann gut sein, dass die Hülse, auf der die Dichtlippe des Radialdichtrings läuft angegriffen ist. Dann hilft auch ein neuer Dichtring nichts. Diese Hülse würde ich an Deiner Stelle bei dieser Gelegenheit gleich mit tauschen (im Katalog Nr. 16). Sie kostet gerade mal 6 Euro und spart Dir vielleicht Ärger in der Zukunft.

Also: 11 Euro zzgl. Versand, ein bis zwei Stunden Arbeit (je nach Geschicklichkeit und Ausrüstung :wink: ) und das Problem ist behoben. Dazu kommen aber leider auch noch neue Bremsbacken - die verölten kannst Du getrost in die Tonne treten (und das ist ausnahmsweise mal wörtlich gemeint). Ebenfalls solltest Du nicht mit Bremsenreiniger sparen, wenn Du die hintere Nabe reinigst - das ganze Öl muss aus der Bremstrommel natürlich vollständig raus.

Der Ablauf der Reparatur ist übrigens in der Montageanleitung ab Seite 29 beschrieben. Dort wird allerdings die komplette Hinterradschwinge ausgebaut - soweit musst Du aber für den Wechsel des Radialdichtrings nicht gehen.

Viel Erfolg und viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Wolfgang,

einen kleinen Zusatz zu BerndSt`s hervorragenden Beitrag hätte ich noch gerne angefügt:

Es kommt auch vor, daß das Öl zwischen Hinterachse und der äußeren,kurzen Abstandshülse (Tfl. 9, Bild 17)
durchsickert, da diese Hülse nur auf die Hinterachse aufgepresst ist und hier keine weitere Abdichtung
seitens der Montageanleitung vorgesehen ist ! :(

Zusätzlich zum neuen Radialdichtring sollte man hier profilaktisch vor dem Aufschieben der Bremstrommel einen
ölfesten O-Ring ( 18 innen x 2,0 ) zwischen Abstandshülse und Verzahnung der Bremstrommel schieben ! :wink:
Dieser Gummiring presst sich durch das hohe Anzugdrehmoment von 160 Nm in die Verzahnung der
Hinterachse und dichtet diese zur Abstandshülse zusätzich ab ! :idea:
Hinterachsabdichtung O-Ring kompr..jpg
Vor Kurzem hate ich den gleichen Fall. Es war sogar noch ein alter blauer Wedi-Ring mit sichtbarem Blechgehäuse
montiert, den ich eigentlich für die Leckage im Verdacht hatte. Trotzdem probierte ich es erst mal mit dem O-Ring
und die Hinterachse wurde damit dicht !
Solltest Du trotzdem den Wedi-Ring wechseln müssen, ist es aber ratsam das Kettenrad auch abzuschrauben, die
Hinterachse herauszuziehen, um die Dichtfläche der äußeren Abstandshülse nicht zu beschädigen
und den Wedi-Ring von der Kettenradseite auszutreiben !
Zum Wechseln der inneren (langen) Abstandhülse müsstest Du sowieso ein Kugellager demontieren und das geht nur
mit offener (aber montierter) Hinterradschwinge, wenn die Achse ausgezogen ist !
Achtung ! Das bremsseitge Achslager ist beidseitig mit Seegerringen gesichert, das kettenseitige ist nicht
gesichert und wird durch das Kettenrad an die innere Abstandshülse und damit an das andere Lager gepresst !

Viel Erfolg und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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Bernd Hünten
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo beide Bernds!
Eure beiden Beiträge sind große Klasse! :!: :!:
Die dürfen eigentlich nicht so einfach verschwinden im Nirwana der Suchfunktion.
:idea: Hier meine Anregung an die Forumsmoderatoren:
Können wir nicht solche Erfahrungsbeiträge in ein extra Forum verschieben? Titel evtl Reparaturanleitungen, Montagekniffe oder Tipps und Tricks oder . . . ? Zusätzlich zu unserem Reparaturhandbuch finde ich diese Tipps sehr wertvoll und sie sollten schnell griffbereit sein! Dieses Wissen hilft auch vielen jüngeren Neulingen in der Heinkelszene.
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
WolfgangderFlexer
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von WolfgangderFlexer »

Liebe Bernd`s und Kollegen,
ganz lieben Dank für Eure großartige Erklärung, das hilft wirklich weiter !!!
Wie gesagt: Ich stehe noch am Anfang und habe bis jetzt nur "VW-Käfer und T2-Bus-Erfahrungen", Zweirad nur 80er-Jahre HONDA.
Der Vorschlag ein eigenes "Unterforum" mit entsprechender Suchfunktion zu installieren finde ich hervorragend.
Das würde "Green-Horns" wie mir auf jeden Fall sehr helfen.
Nochmals vielen Dank und allzeit gute Fahrt wünscht
Euer Wolfgang
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BerndSt
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von BerndSt »

Hallo Wolfgang,

gern geschehen. Und mache Dir da mal keine Sorgen - wer Käfer kann, der kann auch Heinkel. :lol:

Ich habe übrigens bei meiner letzten Überarbeitung jede Menge Bilder gemacht. Eins davon hänge ich Dir hier noch an. Darin siehst Du den Radialdichtring und Du kannst auch besagte Hülse erkennen, auf der die Dichtlippe läuft (beides noch vor dem Tausch gegen Neuteile).
Bremse hinten mit Dichtring
Bremse hinten mit Dichtring
Und Heinkel-Bernd hat natürlich recht: Der Ausbau der Hinterachse hilft beim Wechseln des Radialdichtrings enorm. Es ginge zwar auch ohne, aber mit ausgebauter Achse ist natürlich besser. Und ohne die Achse ist auch das Risiko viel geringer, den neuen Dichtring beim Einbau zu beschädigen. Falls Du trotzdem (wie geschrieben: nicht empfohlen!) die Achse drin lassen willst, dann kannst Du den Radialdichtring an zwei Stellen mit einem kleinen Bohrer anbohren. In die Löcher drehst Du dann zwei Spax- oder Blechschrauben. Und daran kannst Du dann mit einer Zange anpacken und den alten Dichtring herausziehen. Ist zwar nicht die feine englische Art (andere würden sagen "Pfusch" :wink: ) eignet sich aber gut für Stellen, wo man nicht so recht an die alten Dichtringe ran kommt.

Das Risiko, beim bohren und schrauben die Sitzfläche des Dichtrings zu verletzen ist übrigens nicht zu unterschätzen. Und falls das passiert hast Du ein Problem. :?

Viele Grüße,
Bernd

P.S.: Rätselfrage: was ist in diesem Bild noch nicht gut?
Antwort: die Bremsbeläge sind noch nicht angefast und eingeschliffen - Kommentare dazu sind also nicht nötig :wink:
Zuletzt geändert von BerndSt am 07.11.2013, 21:20, insgesamt 1-mal geändert.
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus BerndSt,
BerndSt hat geschrieben:P.S.: Rätselfrage: was ist in diesem Bild noch nicht gut?
...... und das Bild steht auf dem Kopf ! :?

Ich dachte erst, die Rückholfedern wären vertauscht montiert , bis ich den Bremsschlüssel
lokalisiert habe !

Servus Wolfgang,

bei mir hat es auch mit den Käfern begonnen aber erst nach ca. 30 Jahren bin ich
auf den Heinkel gekommen ! :lol:

Ich nehme an, daß Du im Besitz einer Montageanleitung bist, in der ja die Einbaulage der zwei
verschiedenen Rückholfedern für die Bremsbacken beschrieben ist !
Trotzdem ein kleiner Tip zum Merken:
Diese Federn sind zwar gleich lang, besitzen aber eine unterschiedlich lange Wicklung !
In dem Bereich, in dem sich die Bremsbacken am weitesten spreizen, wird die Feder mit der
längeren Wicklung montiert, da sich diese auch weiter dehnen lässt als die kurzgewickelte ! :idea:

Und noch etwas Wichtiges zum Thema "Bremsbackenrückholfeder" :
Schau Dir die Federn genau an, bevor Du sie wieder einbaust !
Es soll schon vorgekommen sein, daß Teile einer gebrochenen Rückholfeder das Rad zum Blockieren
gebracht haben, was bei 80,90 Sachen bestimmt kein Vergnügen bereitet ! :shock:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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BerndSt
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von BerndSt »

Servus Bernd,

Du meintest
heinkel-bernd hat geschrieben:...... und das Bild steht auf dem Kopf ! :?
Stimmt doch gar ncht! Nur die Beschriftung ist verkehrt herum. :twisted:

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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Bernd Hünten
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von Bernd Hünten »

Ich hänge mich mal an diesen Beitrag an.
Wegen Ölaustritt aus der Außenseite der Bremstrommel (der Bremsbereich ist trocken) wechsele ich komplett gegen Neuteile aus: Hinterradachse, Simmering, Abstandhülse kurz und Kronenmuttern. Nicht auswechseln will ich die Lager (keine 20 000 km alt) und die Abstandshülse, da ich sonst den Motor ausbauen und den Abstand zu den Kettenräder neu vermessen muss.
Befolgen will ich die Ratschläge weiter oben.
Nun meine Frage: Ich finde kein Maß, wie weit ich die Achse von der Bremsseite durchstecken muss. Ist das egal, weil die Abstandshülse und die Verzahnung das bestimmen? Ich kann die Hülse ohne Gewalt nur eine bestimmte Länge auf die Achse schieben. Natürlich müssen die Kronenmutter auf der Kettenradseite und die Bohrung in der Achse passen.
Wer hilft mir, Fehler zu vermeiden?
Bernd
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heinkel-bernd
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Re: Hinterradbremse verölt ?

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Bernd H.,

Der Distanzring sitzt i.d.R. recht straff auf der Hinterachse !
Zur Schonung der Fläche auf der H.A. kann man ihn zu 2/3 einflexen und dann mit einem schlanken Meißel
etwas weiten.
Zur Montage des neuen Ringes ist ein möglichst hoher Temperaturunterschied der beiden Teile sehr
hilfreich ! :wink:
Hinterachse 103er      Tourist.jpg
Beim Festziehen der Kronenmutter auf dem Kettenrad darauf achten, daß dadurch die Distanzhülse
nicht wieder verschoben wird !
Ich empfehle Dir auch vor der entgültigen Montage der H.A. auf den Spalt zwischen Hülse und Welle
einen O-Ring 18 X1,5 mm oder eine dünne Silikonschnur aufzulegen !
Die "Notlösung von außen" ,wie ein paar Beiträge vorher geschrieben, erübrigt sich natürlich dadurch ! :)

Mach`s gut und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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