Hallo miteinander,
das wird hier zu einer Heinkel-Spezial-Konstruktionslehre, was meiner Meinung nach nur eine kleine Gruppe Interessierter liest, betrifft oder versteht. Aber egal, ich gebe mal meinen Senf dazu:
Lieber Scoot-Bike,
ja, du hast Recht, die wie auch immer große Durchbiegung der KW wird durch die Verwendung von C3-Lagern auch in größerem Umfang ermöglicht. Ich wollte meine Artikel verständlich halten und nicht auch noch das Thema KW-Durchbiegung bringen, damit es einigermaßen verständlich bleibt und noch andere anspricht, außer den absoluten Spezialisten.
Was jetzt wichtiger ist, Längenausgleich oder Durchbiegung, sei dahingestellt, beides ist wichtig. Ich denke, dass das Heinkel-Gehäuse durch die Auslegung der rechten KW-Lagerung ziemlich tolerant in Bezug auf die Längenausdehnung ist. Zur KW-Durchbiegung kann ich nichts sagen, ich habe keine Erfahrungen oder Messwerte. Aber ich habe noch nie von einem Anlaufen der Lima, verursacht durch die KW-Durchbiegung, gehört. Das hat der Ernst schon gut ausgelegt.
Was ist die Quintessenz für den „gemeinen“ Heinkel-Fahrer: C3-Lager müssen sein, egal warum!
KW-Lagerung 103 A0, Frage von Scoot-Bike, mein Senf dazu:
Diese KW-Lagerung am 103-A0 ist für mich eine konstruktive Krücke, so was macht man nicht, vor allem in Bezug auf die Durchbiegung die KW. Aber warum ist das so? Ich kann mir nur denken, dass es am 102-A1 irgendein Problem gab (das ich nicht kenne, aber eine Vermutung habe ich), und man sich mit solch einer Lagerung „beholfen“ hat. Der Unterschied zwischen der KW-Lagerung 102-A1 und 103-A0 bzw. 103-A1 ist die Größe des Lagers: 102-A1 hat ein 6304C3-Lager, die späteren Motoren haben 6305C3-Lager. Ich vermute, dass denen die 6304C3-Lager um die Ohren geflogen sind. Aber warum die dann noch dieses „Stützlager“ in Form eines 3. Lagers (6004C3) eingebaut haben, weiss ich nicht. Ich vermute aus „Angst“, dass das 6305C3 alleine nicht hält.
Warum man dieses Stützlager beim 103-A1 usw. weggelassen hat, das hat sicherlich mit „Kosten“ zu tun, aber kann auch technische Gründe haben, z.B. ist der Bosch-Rotor leichter als der Siba-Rotor oder ist der Bosch besser gewuchtet? Ich bin sicher, dass es mit der Unwucht zusammenhängt.
Apropos Wucht: Durch die immer bestehende dynamische Unwucht der Lima, egal wie klein die ist, wird das rechte KW-Lager immer radial höher belastet als das linke Festlager, das nur den Verbrennungsdruck und die Kräfte des Abtriebs halten muss. Die „Unwuchtskraft“: berechnet sich als:
Fu = m * e * (n * pi/ 30)2, d.h. die Unwucht steigt mit der Drehzahl quadratisch.
https://www.schweizer-fn.de/antrieb/unwucht/unwucht.php
Fazit: Es wird nach 60 Jahren ohne Hintergrundwissen schwer werden, die Gründe für die Lageränderung herauszufinden. Wenn jemand ein „historisch“ besseres Wissen oder Erfahrung hat, würde mich/uns das interessieren.
Restaurationsregel: Ich habe etwas Hintergrundwissen im Kopf, aber ich restauriere die Motoren so wie sie konstruiert waren mit den besten heute zur Verfügung stehenden Komponenten (= keine Billiglager), dann wird das schon eine ausreichende Lebensdauer erzielen. Denn es gilt die Regel: Je weiter im Motor drin, desto besser die Komponenten, weil ein Austausch immer mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Da steht die Einsparung nicht im Verhältnis zum Aufwand einer Reparatur.
Zur „B-Note“: Lieber Scoot-Bike, war das wieder „hemmungslos“ und Hans, war das wieder „oberlehrerhaft“, wenn ja, bitte ich um Vorschläge, damit ich es besser machen kann! Ich schreibe nicht nur für die Spezialisten, sondern auch für den „den wenig technisch gebildeten“ Heinkel-Schrauber.
Gruß Henning