Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

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Matthias
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Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Matthias »

Moin zusammen,
mein Roller ist mit einem Vergaser Bing 1/20/55, Hauptdüse 85, Leerlauf 30 bestückt. Jetzt habe ich mir auf Anraten von Wolfgang einen neuen Schieber mitbringen lassen und eingebaut. Schlagartig waren meine Leerlauf-Drehzahlprobleme behoben, der Roller tuckert jetzt schön ruhig an der Ampel vor sich hin. Allerdings ist er in der Warmfahr-Phase etwas launisch geworden, er nimmt schlecht Gas an und ab und zu patscht er aus dem Vergaser. Aber nach ca. 2 km Fahrt ist das Problem dann auch erledigt, der Roller fährt ruhig und gleichmäßig und ich muß nicht mehr an der Ampel permanent mit dem Gasgriff spielen. Ob sich das jetzt auch auf den Verbrauch auswirkt, weiß ich noch nicht, zuletzt hat sich mein Roller ca. 4,5 ltr auf 100 km weggetan.

Was mir allerdings beim Einbau aufgefallen ist: der neue Schieber ist ca. 3 mm länger als der alter Schieber. Die genauen Maße habe ich leider nicht zur Hand, der alte Schieber war ca. 5 cm hoch, der neue Schieber ist ca. 3mm länger.
Frage: Wie kommt das? Fehllieferung durch Herta oder Wolfgang? Welcher Schieber ist original? Der kürzere oder der längere? Hat es mal bauliche Änderungen am Vergaser gegeben?

Ich werde mal abwarten, ob sich der Verbrauch und vor allem das Kerzenbild ändert und berichten. Bin trotzdem auf eure Antworten neugierig und warte gespannt.
Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund

Matthias




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Nansen
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Nansen »

Hallo Matthias,
solange der Abstand der Schieber-Unterkante zur Aufhängung der Nadeldüse gleich geblieben ist, sollte das doch keine Rolle spielen.
Vorrausgesetzt natürlich, dass der Schieber den Vergaserquerschnitt auch vollständig frei gibt.

Was mich im Moment mehr beschäftigt, ist der Umgekehrte Fall:
Was ist eigentlich wenn der Schieber "am oberen Ende" kürzer ist?

Ich habe für den 22er Bing drei Schieber. Alle gleich lang, einer davon hat den rechteckigen Ausschnitt. Nun meinte ich kürzlich, bei einem kurzen Blick in den Ansaugtrichter (Die Vergaserschieberrunterdrückfeder klemmte mal wieder, bzw. kam nicht gegen die Benzinpumpenfeder an), festgestellt zu haben, dass der Schieber bei Vollgas noch über den Querschnitt hinaus öffnete. Ich habe vertagt und wollte mir das gelegentlich nochmal genauer anschauen, denn mal davon abgesehen, dass es der Strömung wohl nicht zuträglich ist, wenn der Schieber so weit im Dom verschwindet (..oder?) folgende Überlegung:

Wenn der Schieber oben so kurz ist, dass er höher geht, als eigentlich notwendig, dann geht ja auch die Düsennnadel höher. Und die ist ja bis zur Spitze konisch. Ergo würde sich im letzten Stückchen vor Vollgas nur noch das Gemisch anreichern.

Das kann doch nicht so gedacht sein...?

Wie gesagt, ich hatte diese Beobachtung ersteinmal zu den Akten gelegt, weil es mir irgendwie absurd erschien.

Aber wenn ich nun lese, dass Du, Matthias, offensichtlich verschiende Schieberlängen (für 20er) da liegen hast - frage ich mich nun, ob ich vielleicht drei falsche für meinen 22er habe?

Könnte das eventuell mit unterschiedlichen Kappen (also die Verschlusskappen für die Dome mit der Gaszugdurchführung) zusammenhängen?

Grüsse Ralf
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Matthias
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Matthias »

Moin zusammen,

nachdem ich gestern an der Tanke war, meinen Roller mal wieder bis obenhin aufgetankt und mir anschließend den Durchschnitts-Verbrauch ausgerechnet habe, war ich dann doch etwas erstaunt.
Mit dem neuen Gasschieber (wobei nur der Schieber ausgetauscht wurde und sonst nix geändert wurde) brauch ich jetzt nur noch ca. 2,5 ltr. auf 100 km!! So einen niedrigen Verbrauch hatte ich noch nie! Ich habe mir dann mal das Zündkerzenbild angesehen - es war nahezu rehbraun! Auch das erste Mal, das soetwas passiert. Bisher war die Kerze immer völlig verrußt. (Düsennadel ist in der 2ten Kerbe, Vergaser wurde nur auf Grundeinstellungen eingestellt)

Allerdings: der Roller geht mit dem neuen Schieber etwas zäh. Wenn er kalt ist, neigt er zum patschen und stottern, das gibt sich aber, sobald der Motor etwas wärmer ist. Auch die vorherige Endgeschwindigkeit erreiche ich jetzt nur mühsam, im gesamten oberen Dreahzahlbereich müht sich der Roller ziemlich. Das hat er vorher mit dem alten Schieber und gleicher Düsennadel nicht gemacht, da zog er bis zur Endgeschwindigkeit sauber durch, hatte allerdings auch die Neigung zu sehr starken Drehzahl-Schwankungen und ein sauberer Leerlauf ließ sich auch nicht einstellen.

Ich hatte erst die Vermutung, das der Einlaßkanal durch den neuen, längeren Schieber nicht ganz geöffnet wird und ich deshalb die Endgeschwindigkeit nur mühsam bis garnicht erreiche. Aber auch das habe ich geprüft, der Schieber öffnet den Einlasskanal völlig, das ist nichts im Weg was stören kann.

Um es nochmal zusammen zu fassen:
alter Schieber + alte Düsennadel = kein sauberer Leerlauf, Drehzahlschwankungen, hoher Verbrauch, gleichmäßig Kraftentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich
neuer Schieber + alte Düsennadel = sauberer Leerlauf wenn warum, wenn kalt stottern und gelegentliches Patschen, keine Drehzahlschwankungen wenn warm, niedriger Verbrauch, zähe Gasannahme, Roller erreicht nur mühsam Touren und damit Endgeschwindigkeit.

Ich versteh jetzt mal wieder den Zusammenhang nicht. Eigentlich sollte der Schieber doch keinen Einfluß haben auf die Endgeschwindigkeit, wenn er komplett öffnet - oder liege ich hier falsch?

Warte gespannt auf eure Antworten!
Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund

Matthias




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Bernd Hünten
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo Matthias,
ich habe gerade Deinen letzten Beitrag gelesen. Beim Bing müsste laut Anleitung die Nadel auf Stellung eins oder drei sein, hierbei wird von oben gezählt. Probiere doch mal eine andere Stellung aus (4), die Düsennadel kommt dabei höher und gibt mehr Sprit frei. 2,5 Liter, eigentlich zu wenig.
Gruß
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
Nansen
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Nansen »

Matthias hat geschrieben:Ich versteh jetzt mal wieder den Zusammenhang nicht. Eigentlich sollte der Schieber doch keinen Einfluß haben auf die Endgeschwindigkeit, wenn er komplett öffnet - oder liege ich hier falsch?
Doch - wenn er nicht komplett, sondern überkomplett geöffnet ist.
Wenn ein Schieber oben(!) kürzer ist als der andere, der Abstand zwischen der Aufhängung der Düsennadel und der Anströmfläche auf der Unterseite des Schiebers jedoch gleich, dann würde der kurze Schieber den Vergaserquerschnitt u.U. freigeben, bevor "Vollgas" erreicht ist.
Der Schieber verschwindet also auf dem letzten Stückchen (3mm?) nach oben im Dom des Vergasers, wohl jeh nachdem, wie die Abschlusskappe aufgebaut ist.
Während dieser 3mm, bewegt sich aber die konische Düsennadel noch aus der Düse herraus nach oben.
Dabei wird das Gemisch weiter angereichert, fetter also, ohne dass mehr Luft zur Verfügung stünde.
Ganz im Gegenteil; wenn es so ist, dass die Unterkante vom Schieber mehr, als den eigentlichen Vergaserquerschnitt frei gibt, könnte ich mir gut vorstellen, dass die dabei entstehenden Verwirbelungen die Gemischqualität noch mehr verschlechtern.

Jetzt wäre es mal interessant genau nachzumessen:

a)
Den Abstand Nadelspitze zu Unterkante Schieber
(Alter Schieber mit Nadel und neuer Schieber mit Nadel)

b)
Genaue Stellung der Schieber-Unterseite bei Vollgas
(Alter und neuer Schieber im Vergleich)

Man könnte wohl am bequemsten bei ausgebautem Düsenstock und ohne Nadel mit dem Tiefenmass von der Dichtfläche des Schwimmerkammerflansches aus messen - Vollgasstellung muss natürlich gewährleistet sein.

Grüsse Ralf
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Matthias
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Matthias »

Hallo Nansen,
danke für die Erklärung, klingt für mich logisch.
Scheinbar habe ich im Moment aber eine recht gute Abstimmung gefunden, die Kerze ist zum ersten Mal seit langer Zeit rehbraun und nicht wie im letzten Jahr permanent schwarz und verrußt. Ich habe das Gemisch jetzt noch einmal ein bißchen fetter eingestellt und werde noch mal eine Tankfüllung damit verfahren um zu sehen, wie die Kerze dann aussieht.
OK - der Anzug ist damit immer noch etwas lahm und die Endgeschwindigkeit erreiche ich auch nur mühsam. Aber damit kann ich erstmal leben.
Ich werde den alten Schieber mit zum Treffen bringen, wir können dann ja mal weiterdiskutieren.
Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund

Matthias




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Bernd Hoose
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Bernd Hoose »

Momentan stehe ich auf dem Schlauch.
Bei Schieber ganz offen, sollte die Düsennadel komplett aus dem Düsenstock heraus gezogen sein.
Wen jetzt der Schieber weiter nach oben geht kann durch die Öffnung des Düsenstocks doch nicht mehr Treibstoff gezogen werden.
Und der Schieber verschwindet nach oben und verändert nur den obersten Teil des runden Ansaugrohres.
Ich weiß nicht ob die dadurch entstehenden Kanten soviel Nachteile bringen.

Muss heute gleich mal nachsehen wie hoch mein Schieber geht.
Habt ihr Bilder von Treffen? Dann bitte her damit. Uploadzugang per Mail. Zu sehen gibts die dann unter http://home.hoose.de/dalbum
Um Kommentare zu den Bildern abzugeben Login=heinkel pass=freunde
Nansen
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Re: Vergaser-Schieber beim 20iger Bing Vergaser

Beitrag von Nansen »

Bernd Hoose hat geschrieben:Bei Schieber ganz offen, sollte die Düsennadel komplett aus dem Düsenstock heraus gezogen sein.
Das nicht, denn dann schlackerte die Nadel ja im Kanal herum. Die Nadel soll bei Vollgas lediglich den Querschnitt soweit freigegeben haben, dass die maximale Durchflussmenge, welche die jeweilige Hauptdüse zu liefern imstande, erreicht ist.

Und so gesehen: Ja - vielleicht ist meine Erklärung falsch.
Da die maximale Querschnittsfreigabe (Düse) ja in jedem Falle (auch, z.B. bei Nadelstellung "4") bei erreichen des Vollgasbereiches (Luft) gegeben sein muss, sollten die drei Millimeter (oder mehr) eigentlich keine Rolle spielen.

Na toll - jetzt bin ich auch verwirrt ;)
Grüsse Ralf
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