Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Motor-Vergaser-Antrieb
Antworten
sack1234
Beiträge: 50
Registriert: 01.06.2008, 08:33

Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von sack1234 »

Hallo, habe eine Frage zum "neuen" Bing-Vergasers des Clubs. Als ich ihn geliefert bekommen habe, hatte er eine 125er Hauptdüse und "verschluckte" sich jedes Mal beim Gasgeben. Nach einigem "hin und her" habe ich ihn mit einer 105er Düse bestückt. Das Verschlucken passierte jetzt nur noch nach längeren Leerlaufphasen (z.B. an der Ampel anfahren). Nun habe ich (nach einem Tipp eines Heinkelfahrers) eine 100er Düse verbaut (CO-Schraube zwei Umdrehungen auf). Das Verschlucken ist weg, aber der Roller ist fast 10 Km/h langsamer als sonst (bei der Beschleunigung ist kein Unterschied festzustellen). Frage: Kann eine um 5 kleinere Hauptdüse solche Auswirkungen haben? Welche Einstellungen benutzt ihr beim neuen Bing? Welchen Einfluss hat die Einstellung der Vergasernadel auf die Endgeschwindigkeit?

Vielen Dank
Gruß Guenther
(Heinkel Club Hannovewr)
Benutzeravatar
Werner
Beiträge: 1135
Registriert: 14.12.2005, 19:40

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von Werner »

Hallo,
ich fahre die 115er Hauptdüse und mein Roller fährt damit gut. Ich rate von einer kleineren Düse ab weil damit das Gemisch bei Vollgasfahrt zu mager ist und der Motor zu heiß wird und einen Kolbenklemmer bekommen kann. Für Vollgasfahrt ist die Hauptdüse verantwortlich deshalb wahrscheinlich die geringere Endgeschwindigkeit. Für den Leerlauf ist die die Gemischschraube zuständig. Ich habe die Gemischschraube bis zum Anschlag reingedreht und dann ca. 1,5 Umdr. heraus. Ich würde das mal bei warmgefahrenem Motor so machen, danach einige Zeit im Leerlauf laufen lassen und dann Gas geben. Wenn er sich dann verschluckt und qualmt etwa eine halbe Umdrehung weiter heraus drehen und erneut probieren. Die Stellung der Düsennadel am Schieber ist für die Drehzahlen oberhalb vom Leerlauf und unterhalb von Vollgas wichtig. Ich glaube Werkseinstellung ist 2. Kerbe von oben. Eventuell einmal eine Kerbe höher oder niedriger einstellen und probieren. Der Vergaser läuft auf meinem Roller völlig problemlos und ich bin sehr gut damit zufrieden, seit ich den Vergaser montiert habe läuft der Roller sehr sauber im Leerlauf und der Benzinverbrauch liegt bei ca 3 Litern, lediglich morgens nach dem Kaltstart dauert es etwas länger als vorher bis der Motor richtig rund läuft aber damit kann ich leben.
Viel Erfolg Werner
Benutzeravatar
Stephan Tödt
Beiträge: 244
Registriert: 14.12.2005, 20:00
Wohnort: Hamburg / Langenhorn

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von Stephan Tödt »

Hallo Günther,
kuck mal hier!
http://www.iphpbb.com/board/ftopic-7378 ... 2-135.html

Gruß Stephan
Typenreferent für die Modelle 103A0 bis A2. Im Auftrag des Heinkel-Club Deutschland e.V.! ;-)
Benutzeravatar
Bernd Hünten
Beiträge: 500
Registriert: 19.01.2006, 20:02
Wohnort: 28844 Weyhe

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von Bernd Hünten »

Als Ergänzung dazu: Eine 85 er Düse muss nicht eine 85 er Düse sein! :shock: :shock:
Ich habe mir folgende Lehre gekauft:
http://www.praezisionstools.de/mwgpt/sc ... 21101.html
und dann drei 85 er Düsen aus Original Heinkel Bing Vergasern (1/20/ 51 bzw 55) gemessen. Die Ergebnisse 85, 87 und 90. Der Aufdruck war jeweils 85! :roll:
Soviel zu den Werten und der Genauigkeit!!
Ich habe schon einmal geschrieben: Wenn man die 85 er Düse des normalen Vergasers auf den neuen Vergaser (Querschnitt alt: 20 mm, neu 22 mm) umrechnet und man von einem proportionalen Wachstum ausgeht, benötigt man eine ca. 105 er Düse. Kleiner sollte man die Düse nicht nehmen, da durch ein mageres Gemisch eine Überhitzung des Kopfes bei Vollgasfahrten erfolgt.
Grundsätzlich muss der Leerlauf bei warmen Motor eingestellt werden, auch wenn er dann vielleicht in kaltem Zustand anfangs nicht so gut läuft! Für mich ist der Leerlauf dann richtig eingestellt, wenn der Motor bei ruckartigem Aufreißen des Gasschiebers anstandslos hochdreht. Hierbei wähle ich die Stellung, an der der Motor möglichst fett läuft, also die Luftschraube beim 1/20/55 nach rechts drehen. Der Drehbereich beträgt dabei eine achtel Umdrehung bis max. eine viertel Umdrehung. Drehe ich die Luftregulierschraube zu fest hinein, ist die empfindliche Spitze platt und eine neue Schraube fällig!! :oops:
Ist der Vergaser so eingestellt, dreht der Motor nach langen Ampelphasen sofort hoch. :D
Mit Heinkelgruß
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
sack1234
Beiträge: 50
Registriert: 01.06.2008, 08:33

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von sack1234 »

Vielen Dank für eure Tipps. Werde jetzt mal eine kleine Bestellung beim Club aufgeben und dann von den Ergebnissen berichten. Zumindest scheint definitiv festzustehen, dass die 100er Hauptdüse bei Vollgas zu klein ist.

Gruß Guenther
sack1234
Beiträge: 50
Registriert: 01.06.2008, 08:33

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von sack1234 »

So, habe jetzt nach euren Tipps auf 105er Hauptdüse, 35er Leerlaufdüse, dritte Nadelstellung von oben und offenen Louisluftfilter umgerüstet. Nach einigem hin und her habe ich die CO-Schraube ca 1,5 Umdrehungen geöffnet. Ergebnis: Beschleunigung und Endgeschwindigkeit besser als mit 100/40/2 (allerdings nicht wirklich gut), Gasannahme deutlich schlechter als mit der 100er Düse, bei niedrigen Drehzahlen "patscht" der Vergaser. Bin mal eine längere Strecke mit Vollgas gefahren - danach ist das Kerzenbild nach meiner Meinung zu "hell".
Frage: Was bewirkt die Verstellung der Vergasernadel von der zweiten in die dritte Raste? Weniger Sprit während des Beschleunigungsvorganges?

Gruß Guenther
Benutzeravatar
Bernd Hünten
Beiträge: 500
Registriert: 19.01.2006, 20:02
Wohnort: 28844 Weyhe

Re: Neuer Club-Vergaser / Einstellung?

Beitrag von Bernd Hünten »

Über die Wirkungsweise des Vergasers findest Du unter http://www.pteng.de ausführliche Hinweise.
Gruß
Bernd

Habe mal bei Pteng geklaut:
Vergaser


Grundsätzlich ist der Original-Vergaser mit Ø20 mm ausreichend - siehe Kanäle. Wobei aber einiges verbessert werden kann, ist die Einstellung - falls sie nicht schon optimal ist! Hierbei wird der Vergaser auf den Motor und den verwendeten Luftfilter feinstmöglich abgestimmt. Allgemein, aber speziell in Verbindung mit einem K&N- oder anderem Filter (siehe Luftfilter) mit höherem Luftdurchsatz ist diese Prozedur äußerst wichtig. Es gibt noch eine andere Methode den Vergaser einzustellen, ich gehe hier aber nicht weiter darauf ein, weil m. E. die nachfolgende die sicherste ist.
Basiswissen:
Im Teillastbereich (zwischen 0 und ¼ Gasschieberhub) wird die Gemischregulierung hauptsächlich über die Leerlaufdüse, die Luftregulierschraube und den Schieberausschnitt bestimmt, im Teillastbereich (zwischen ¼ und ¾ Gasschieberhub) hauptsächlich über die Düsennadel und bei Vollast (ab ¾ Gasschieberhub) ist hauptsächlich die Hauptdüse zuständig. Düsennadel höher hängen= fetteres Gemisch zwischen ¼- und ¾-Last, größere Hauptdüse= fetteres Gemisch bei ¾ bis Vollast und umgekehrt.
Kerzenbilder:
Grau bis sehr-hellbraun= zu mageres Gemisch - GEFAHR VON MOTORSCHÄDEN, schlechte Leistung. Rehbraun= Optimal. Sehr dunkelbraun bis schwarz= zu fettes Gemisch - Hoher Verbrauch und schlechte Leistung.
Einstellungsvorbereitung:
Um die Verbrennung des Motors zu kontrollieren, muß man sehr vorsichtig vorgehen - gerade bei neu aufgebauten Motoren. Vorher Vergaser penibel reinigen, bei der Montage auf Dichtigkeit des Ansaugkrümmers zum Zylinderkopf achten, ´nen neuen Luftfilter einbauen, neue Zündkerze einschrauben und Zündzeitpunkt kontrollieren.
Leerlauf:
Als erstes wird der Leerlauf bei laufendem, warmem Motor eingestellt, hierzu wird vorab die Luftregulierschraube (die Schlitzschraube mit Feder, die 90° zur Schieberachse montiert ist) bis zum Anschlag gefühlvoll reingedreht, bis ein Widerstand zu fühlen ist. Nun wird sie wieder 1½ Umdrehungen beim Bing- und 2½ beim Pallas-Vergaser herausgedreht - daß ist die Grundstellung. Als nächstes drehen wir die, schräg von unten im Vergaser sitzende Standgasschraube soweit rein, bzw. raus, daß der Motor in der richtigen Drehzahl im Standgas läuft. Durch Heraus- bzw. Hereindrehen der Luftregulierschraube kann nun der Leerlauf sauber eingestellt werden.
Teillastbereich:
Jetzt wird der Teillastbereich eingestellt, hierzu fahren wir mit etwas über ½-Gas MINDESTENS 15 km OHNE Änderung der Gasgriffstellung auf möglichst gerader Strecke, bei normalen Temperaturen - am besten auf der Autobahn. Wenn diese MINDEST-Distanz gefahren wurde, stellen wir den Motor SCHNELL ab, schrauben die Kerze heraus und sichten das Kerzenbild. Zu fett= Düsennadel eine Kerbe runter, zu mager= Düsennadel eine Kerbe hoch. Ob wir eine oder mehrere Kerben auf einmal verstellen, hängt davon ab, wie weit das gesichtete Kerzenbild von dem Optimum - Rehbraun - entfernt ist, die Originalstellung ist die 3te Kerbe von oben. Nach Einstellung der Nadel wird der Vorgang wiederholt, hierzu fahren wir wieder mit ½-Gas MINDESTENS 15 km OHNE Änderung der Gasgriffstellung.....usw.
Vollastbereich:
Nachdem der Teilastbereich eingestellt wurde, machen wir uns an den Vollastbereich. Die Originalhauptdüse ist eine 85er beim Bing- und eine 80er, bzw. teilweise eine 85er beim Pallas-Vergaser. Um überhaupt etwas ändern zu können, benötigen wir entweder andere Hauptdüsen oder sogenannte Düsenreibahlen. Mit diesen Düsenreibahlen, die für ca. 19,- € bei Polo (Nr. 60170400210), bei Hein Gericke (Nr.29000053) oder Louis (Nr. 10003930) zu bekommen sind, kann sehr fein gearbeitet werden. Es ist eine lohnende Anschaffung, für den, der öfter damit zu tun hat. Beim vergrößern von Düsen wird hierbei aus dem Reibahlen-Sortiment eine Reibahle gewählt, die so groß ist, daß man die zu vergrößernde Düse bis zur Mitte der Schneiden aufschieben kann. Die Reibahle wird von hinten - da wo der Sechskant oder der Schlitz ist - in die Hauptdüse geschoben und gefühlvoll mit minimalem Druck gedreht. Immer wieder durch Herausziehen der Reibahle aus der Düse kontrollieren, wie viel Material abgetragen wurde. Sollte die eingebaute Hauptdüse zu groß sein, muß allerdings eine kleinere her. Der Vollgas-Abgleich des Vergasers ist selbstverständlich nur bei eingefahrenen Motoren zulässig. Die Prozedur gleicht der des Teillastbereiches. Mit optimal eingestelltem Vergaser wird die optimale Leistung bei geringstem Verbrauch erreicht. Ich hatte schon Motoren, die durch feine Vergasereinstellung 30% weniger verbrauchten, bei gleichzeitig erheblich besserer Leistung und runderem Motorlauf. Es ist eine lohnende, wenn auch sehr aufwendige Arbeit. Ohne optimal eingestellten Vergaser kann man sich weitere Versuche der Leistungssteigerungen sparen!
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
Antworten