temporärer Anfall von Bloggwut

Antworten
Nansen
Beiträge: 90
Registriert: 23.08.2007, 08:17
Wohnort: Schweden

temporärer Anfall von Bloggwut

Beitrag von Nansen »

Einfach nur schön.

Man denkt so, hier im Norden, wenn es erst Sommer wäre, dann nichts wie raus, in den Garten, in die Wälder, auf die Seen.

Kommt dann das erste, richtig heisse Hochdruckgebiet, beschränkt der Schrauber seine Gartenaktivität schnell auf den frühen Morgen, etwas wässern hie und da und am späten Abend, mit dem frisch gerupften Girsch noch eine Weile nach den Mücken schlagend.

Doch in der Mittagshitze?
Klar: Der gut isolierten Werkstatt kühler Schatten Freude lockt und ehe man sich versieht ist man zu Zeiten ander Leute Sommerfrische im alten Trott; Stiefel, Kordhose, Lederschürze, Handschuhe und Schweisserhelm, Flex und Berge von Schleifscheiben und Drahtbürsten, verbringt man seine Junitage mit der Restauration von Kabinenblech. Fehlt nur noch die Stempeluhr.
Aber Hauptsache warm...

Doch Wehe! Seiner Unumgänglichkeit stets gegenwärtig rückt der Tag näher... ein anderes, grosses Prokekt, wetterbedingt unaufschiebbar, unumgänglich. Sorgfältig verwahrt der Schrauber Schrauben und Allerlei in Speiseeis- wie Heringsfiletdosen in Schubladen. Haushaltspapier soll schützen. Beschriften oder Thematisch sortieren?
Die Kabine, eingewickelt in Lagen von alten Bettüchern - am besten garnicht bewegen, dass kein Schleifstaub zwischen Lappen und Lack gerät, schläft Monate vor sich hin.

Doch dann, eines Tages im Oktober ist es so weit; es wird gefegt und Ritzen ausgeblasen - hach - nochmal über die Fensterbank hinterm Schleifstein. Die Tücher kommen runter und frisches Beige/Mint leuchtet mir entgegen. Ein frischer Schwamm, grosse, saubere Eimer und Spülmittel, wird auch der letzte Dreck entfernt, der Boden gewischt alle Fenster und Türen über Nacht geöffnet und am nächsten Tage, man kann die Pfeife wieder auf die Werkbank legen. Zuletzt noch die Reinigungs-CD in die Lalla.

Nun zuerst der Motor. Zwar dass er lief, zuvor, doch scheint ein wenig Öl er sich entledigen zu wollen. Zumindest an der Feuerkammer Dichtung. So fängt das dann an und führt zu guten und üblen Überraschungen.
Da sind zum Beispiel die Kolbenringe, welche nach Lüpfung des Zylinders locker umd den (offensichtlich kaum gebrauchten) Kolben schlackern, wie silberne Armreife um ein grazieles Handgelenk.
Nunja, nicht dass da nicht schon gewisse Vorbehalte bez. der technischen Grundausbildung des Vorbesitzers vorhanden gewesen wären...doch der Griff zum Zollstock, aha: Zylinderbohrung 64,5.
Da kaufen wir mal schnell einen neuen 64,0er GPM-Kolben; Null auf Null passt ja nicht - das weiss doch jeder.
Und damit der Kolben nicht so lästig schlackert im Fahrbetriebe, ein paar 64,5er Ringe dazu - schön dass es drei sind, da kann dann ja der in der Mitte abdichten (verhindern dass teures Motoröl in die Feuerkammer spritzt) alldieweil die anderen Beiden den Kolben himmelwärts halten.

Zumindest stelle ich meine Versuche ein, Probleme mit der Motoreinstellung durch die Suche nach einer Undichte im Ansaugbereich zu erklären - hat alles sein Gutes.

So fällt also der Entschluss nicht erst den einen, dann den Reservemotor herzurichten, sondern es wird ein fröhlicher Teilemix, vorgestern ergänzt durch die schnelle Lieferung vom Club, nur Kleinteile und gestern Abend dann das erste Knattern, die Batterie vom Trecker reingeholt, offenen Regler und Zündspule ans Gehäuse gepappt, alles auf der Werkbank arrangiert und Heurekajucheee
Nicht schlecht für den Anfang.

Schon am nächsten Tage hängt der Motor an seinem Platze; in neuen Gummis und wer zu doof zum bestellen ist, der muss sich halt die obere Distanzbüchse selber drehen - so es eilt.

Und es eilt.
Schnee um diese Jahreszeit ist nicht selten und einige Probeherumschlitterungen im Frühjahr lassen Übles erwarten, auch wenn da noch ein Spikereifen im Lager liegt - so richtig gut geht das wohl nicht - und es sind 50km zum TÜV.
Und noch so viele Kleinigkeiten zu tun. Ein halber Tag, gestern, nur um einen rostigen Klumpen wieder in die Form eines Hinterradschutzbleches zu dengeln. Aber immerhin - der Regler und die DynaStart scheinen keinen Stress machen zu wollen.
Gleich schnell wieder in die Werkstatt, Licht, Pfeife und Radio an, und das Chaos von gestern aufräumen - so beginnen alle Tage jetzt; Dunkel und verheissungsvoll.
Die Kohlenmonoxidvergiftung von gestern scheint sich auch gelegt zu haben - dem erste Lauf mit Gebläse darf man doch ein paar Hirnzellen opfern, oder?

Zuerst den Übergang vom Gebläse zum Schalldämpfer schweissen - sowas schiebt man gerne vor sich her. Und danach? Zuerst die Motorhaube reinholen, montieren und sich was für den Aufsteller überlegen? Oder doch, vernünftigerweise, sich Kupplung, Gas und Schaltzug zuwenden. Und die Handbremse muss ja auch noch. Und: War da nicht auch noch die Überlegung, eventuell ein Schaltgestänge zu bauen? Klappern hin und Klappern her - das kriegen wir schon in den Griff.

"Ruhig, Ralf.... konzentriere Dich auf das Wesentliche."
Aber im Drucker liegt der "Bevis om påställning", der provisorische Anmeldebeweiss, sie ist versichert, Nummernschild ist auch dran - ich darf jetzt Probefahrten machen.

Bin spät dran - schon Sieben Uhr. Gestern habe ich die 12 Stunden geschafft (abzüglich der Kohlenmonoxid-Pause).

Es macht einfach Spass und ich bitte meinen Anfall temporärer Bloggwut zu entschuldigen.

Mfg Ralf
cocopelli

Re: temporärer Anfall von Bloggwut

Beitrag von cocopelli »

Hat Spaß gebracht, Deine Story zu lesen :wink:

Freundliche Grüße ins schöne Sweden v.
~chris~
Antworten