Zylindergeometrie

Motor-Vergaser-Antrieb
Antworten
Benutzeravatar
verbert
Beiträge: 257
Registriert: 14.04.2006, 14:13
Wohnort: Wiesbaden

Zylindergeometrie

Beitrag von verbert »

Moin, moin,
habe mich gestern an die Reparatur meiner durchgepfiffenen Zylinderkopfdichtung gemacht. Dabei habe ich den Zylinderkopf und den Zylinder demontiert, um zu prüfen, ob die Flächen noch plan zueinander sind. Außerdem wollte ich auch gleich eine neue Fußdichtung einsetzen. Dabei zeigte sich, dass ich zwei Fußdichtungen habe, die übereinander liegen. Was hat das zu bedeuten? Kann es sein, dass die Zylindergeometrie so angepasst werden sollte? Möglicherweise wurde der Kopf schon mehrmals geplant und mit den zwei Fußdichtungen soll ein Ausgleich geschaffen werden. Habt ihr mit so etwas Erfahrung? Wie kann ich die Zylindergeometrie vermessen? Und habt ihr die Werte?

Grüße aus dem sonnigen Mainz, volker
Benutzeravatar
Bernd Hünten
Beiträge: 501
Registriert: 19.01.2006, 20:02
Wohnort: 28844 Weyhe

Zylinderkopf

Beitrag von Bernd Hünten »

Das Tiefenmaß für den Kopf gemessen in die Kalotte beträgt 19,5 mm. An Hand der Abweichungen kann man ermitteln, wie viel vom Kopf schon abgenommen worden ist. Normalerweise gleicht man das an der Fußdichtung aus.
Etwas mehr Verdichtung kann dem Heinkel nicht schaden, siehe hierzu unter http://www.pteng.de nach. Als Kopfdichtung verwende ich die Aludichtung vom Club und habe gute Erfahrungen damit gemacht.
Von Kopfdichtungen mit Brennsteg rate ich ab, weil der Brennsteg sich bei meinem Zylinderkopf mehrfach in das weichere Alu eingearbeitet hatte.
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
Benutzeravatar
Hans
Beiträge: 602
Registriert: 14.12.2005, 22:05
Wohnort: Rheine Mesum

Zylindergeometrie, Fußdichtung

Beitrag von Hans »

Hallo zusammen,
ich meine, man sollte keine zwei normale Fußdichtungen verwenden, um das Brennraumvolumen nach dem Beschleifen des Kopfes wieder anzupassen. Die Dichtungen sind im "Doppelpack" dann womöglich zu weich und das vorgeschriebene Anzugsmoment der Kopfschrauben wird wohl nicht lange bestehen bleiben (Ist deswegen vielleicht sogar die Kopfdichtung durchgepfiffen?). Beim Uli Winter - glaube ich - bekommt man Edelstahlunterlagen in auswählbarer Stärke, die mit zwei dünnen Papierdichtungen auf jeder Seite eine bessere Lösung darstellen (http://www.heinkel-werkstatt.de).

Als Kopfdichtung verwende ich Kupferdichtungen - auch von http://www.heinkel-werkstatt.de. Die haben den Vorteil, dass sie wiederverwendbar sind. Vor jedem erneuten Einbau müssen sie allerdings weichgeglüht werden, d.h. mit Brenner bis zur Rotglut erhitzen und dann in Wasser abschrecken (Achtung nach Rotglut kommt bald flüssig und dann ist nix mehr mit wiederverwendbar).
Gruß an alle Heinkelisti
Hans
Gundolf 5530
Beiträge: 631
Registriert: 15.12.2005, 17:00
Wohnort: Rodenbek bei Kiel

Beitrag von Gundolf 5530 »

Moin Moin

0,7..........1,0............1,5.......

Diese Fußdichtungen gibt es beim Club.


Gruß Gundolf
Benutzeravatar
verbert
Beiträge: 257
Registriert: 14.04.2006, 14:13
Wohnort: Wiesbaden

Beitrag von verbert »

Liebe Leut,
danke für Eure Antworten. Ich habe nun meinen Zylinderkopf vermessen und habe eine Kalottentiefe von 18,5mm. Also laut Bernds Beitrag einen Millimeter zu wenig. Welche Vorgehensweise ratet ihr mir nun? Wenn die Standardfußdichtung 0,7mm hat, so könnte ich mich mit der 1,5mm Dichtung vom Club auf 0,2mm an den Wert 19,5mm ranrobben. Meint ihr das reicht?

Gruß aus Mainz, volker
Benutzeravatar
Hauke
Beiträge: 357
Registriert: 15.12.2005, 11:33
Wohnort: Verden

Beitrag von Hauke »

Hallo,

ich frage mich bei dieser Diskussion: Wie ist es "früher" also in den fünfziger und sechziger Jahren gehandhabt worden? Damals sind doch bestimmt auch die Kopfdichtungen durchgepfiffen und auch die Köpfe plangedreht / gefräst worden. Hat man dann auch die Tiefe im Kopf nachgemessen und eine dickere Fußdichtung verbaut?

In der Montageanleitung ist dieses Thema meines Wissens jedenfalls nicht beschrieben und ich habe heute in einer alten originalen Ersatzteilliste einer 103A-0 Ausgabe 1961 nachgelesen und habe dort nur eine Fußdichtung gefunden, also keine verschiedene Stärken.

Vielleicht gab es auch noch andere Listen, eventuell für Reparatur- und / oder Austauschteile?

Wenn nicht und wenn es nur eine Stärke von der Fußdichtung gab, dann müsste der Motor einiges an höherer Verdichtung vertragen. Oder sind die heutigen Dichtungen nicht mehr das was sie mal waren? Vielleicht vertrugen die damaligen Dichtungen einiges mehr an Druck und Hitze?

Ich weiß es nicht und bin mal gespannt auf Meinungen und Beiträgen von sogenannten "Zeitzeugen" die auch schon in den Sechzigern den Heinkel repariert haben.

Gruß

Hauke
Meine Heinkel sind nun leider alle weg...... :cry:
Technik ist nichts Geheimnisvolles, auch wenn schlechte Techniker ein gelehrtes Gehabe an den Tag legen.
Benutzeravatar
Bernd Hünten
Beiträge: 501
Registriert: 19.01.2006, 20:02
Wohnort: 28844 Weyhe

Zitat von www.pteng.de

Beitrag von Bernd Hünten »

Hier habe ich den Text von Ekkehard einmal kopiert:

"Verdichtung

Mit die einfachste Methode mehr Leistung im gesamten Drehzahlbereich herauszuholen. Die Original-Verdichtung liegt bei 1:7,4. Sieht man sich das, für diese Leistung extrem groß dimensionierte obere Pleuellager und das groß dimensionierte untere Wälzlager an, sind da noch reichlich Reserven vorhanden. Eine Verdichtungserhöhung auf 1:8,5 verträgt der Motor absolut problemlos. Die thermische Mehrbelastung ist hierbei relativ gering. Der maximale Verbrennungsdruck berechnet sich mit Verdichtungsverhältnis x 7 - 2= 7,4 x 7 - 2= 49,8 kp/cm². In der Formel sieht man, daß der Verbrennungsdruck mit dem Verdichtungsverhältnis nahezu linear ansteigt. Jede Leistungssteigerung bei gleichem Hubraum bedingt unmittelbar einen höheren Verbrennungsdruck! Die Heinkel-Motoren, die ich bis dato gesichtet hatte, hatten allesamt ca. 2 mm Luft zwischen Kolbenrand-Oberkante und Oberkante Zylinderfuß. Es liegt dementsprechend nahe, durch Materialabnahme an der Zylinderdichtfläche die Verdichtung zu erhöhen.
Berechnung:
Um von 1:7,4 auf 1:8,5 zu kommen, müssen wir wieder rechnen. Unter Downloads findet ihr ein Excel-Programm zur Berechnung obiger Parameter. Ein Verdichtungsverhältnis von 1:7,4 bei einem Hubraum von 180 cm³ mm (Bohrungs Ø= 61 mm, Hub= 61,5 mm) bedingt ein Brennraumvolumen von 28,0 cm³. Wir benötigen ein Brennraumvolumen von 23,9 cm³, somit müssen 4,1 cm³ vom Zylinder abgetragen werden. Die Fläche der Bohrung beträgt d² x pi/4= 6,1² x 0,7854= 29,22 cm². Der erforderliche Materialabtrag wird berechnet: Volumendifferenz / Bohrungsfläche= 4,1/29,22= 0,14 cm. Es muß in diesem Beispiel also 1,4 mm runter. Bei 1:8,5 kann weiterhin Normalbenzin gefahren werden. Eine sehr einfache Möglichkeit zur Erhöhung der Verdichtung ist die Verwendung einer dünneren Fußdichtung. Die Original-Fußdichtung hat eine Stärke von 0,7 mm, im Handel sind gute Dichtungspapiere mit 0,3 mm erhältlich (siehe Dichtungen / Dichtungs-Selbstbau). Das bringt zwar nicht so viel, ist jedoch eine einfache Einstiegsmöglichkeit."

Soweit noch einmal zu den Fragen und Antworten
Gruß
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
Rolf Rentmeister

Beitrag von Rolf Rentmeister »

Hallo liebe Leute, das Problem war auch in den 60igern bekannt. Es gab damals, nicht von Heinkel, schon Fußdichtungen mit 1,5 mm. Wenn damals der Kopf auf 18.8 oder mehr runter geplant war wurde die dickere Dichtung verwendet. Das kenne ich noch von damals. Ich habe selbst eine 1,5er drin und keine Kopfdichtungsprobleme. Muß allerdings dazu sagen, das ich meinen Kopf mit 3,5 kp angezogen habe ohne ihn später nachzuziehen. Ist bisher dicht geblieben. Wer allerdings mehr "drin" haben will, der arbeitet weiterhin mit der 07er oder mit der 1er. Köpfe von weniger als 18,5 wurden damals jedoch weggeschmissen denn es gab ja ausreichend neue.
Gruß Rolf
Antworten