Radlager vorne + hinten

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phenomeno
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Radlager vorne + hinten

Beitrag von phenomeno »

Hallo,

ich habe heute meine Vorderradnabe auseinander genommen. Dabei ist mir aufgefallen dass sich ein Radlager auf der Welle festgesetzt hat.
Ist das soweit schädlich für das Radlager oder die Welle`? Soll ich es so lassen und wieder draufstecken, oder soll ich versuchen es zu lösen und dann in die Bremstrommel eintreiben?
Siehe Bild.
Radlager.jpg


Frage: Gibt es gute Tipps wie ich die Radlager inkl. Dichtringen vorne und hinten wechsele?

Danke
Denny
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heinkel-bernd
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Denny,

jetzt habe ich mit meiner Antwort extra einen Tag gewartet, um mich nicht immer vorzudrängen :?
Du willst aber sicher Deine Radnabe wieder fertig machen, deshalb gleich meine Tipps:
phenomeno hat geschrieben: 26.03.2018, 21:58 Soll ich es so lassen und wieder draufstecken,
Auf keinen Fall würde ich es so lassen, da sich durch mehrmaliges Ausziehen des Lagers aus der Naben-Presspassung
(geht jetzt schon zu leicht)
diese ausreibt und sich irgendwann der Lager-Außenring im Alu-Sitz mitdreht !
Was dann passiert, kannst Du Dir sicher vorstellen :mrgreen:

Beschaffe Dir ein Stück Metallrohr in das die Vorderachse locker hinein passt
(es muss der innere Lagerring auf der Stirnseite des Rohrs noch gut aufliegen)
und das mindestens so lang ist wie die Achse.
Dann stellst Du das Rohr aufrecht auf eine feste Platte und steckst die Achse (natürlich ohne Abstandhülse)
von oben in das Rohr.
Nach dem Anwärmen des Lager-Innenrings mit einer Heißluftpistole auf mind. 100°C
(gefühlsmäßig, wenn Wasser oder Spucke am nassen Finger bei Berührung mit dem Lager zischt und verdampft)
treibst Du mit einem Kunststoffhammer oder Hydr. Presse die Vorderachse durch das Lager in das Rohr :wink:
I.d.R. passiert dem Lager dabei nichts und Du kannst es nach dem Einfetten wieder verwenden, wenn es vorher
noch gut war.
Die Bohrung des Lager-Innenrings sollte aber mit ganz feinem Schleifpapier ( ich verwende 400er) geglättet
werden.
Jetzt musst Du noch, auch mit 400er Schleifpapier, die Vorderachse so weit bearbeiten, dass sich das (kalte) Lager
mit etwas Fett oder Öl gerade noch aufschieben lässt. Das Lager verkantet sich ohne Führung leicht auf der Achse,
deshalb bei jedem Versuch schmieren !
Danach musst Du kontrollieren, ob sich der Lager-Außenring zum Einschrumpfen noch mit etwas Widerstand
in die Nabe treiben lässt (Lageraufnahme der Nabe auf mind. 100°C anwärmen, Lager für ca. 10 min in das Gefrierfach) :wink:
Erscheint Dir diese Presspassung zu unsicher, treibst Du das Lager nochmals aus, etntfettest die Berührungsflächen,
benetzt diese mit "Loctite 603 FUGEN WELLE-NABE" und und wiederholst den Einschrumpfvorgang.
Vor dem Einsetzen des Lagers die Abstandhülse nicht vergessen ! Dies muss sich nach dem Einschrumpfen mit einem
Schraubenzieher zwischen den Lagern noch seitlich verschieben lassen, ohne dass sie Luft hat !

Da aber diese Abstandhülsen aus einem relativ weichen Stahl bestehen, musst Du aber rechtzeitig kontrollieren, dass
die Stirnflächen dieser Hülse noch eben sind und keine Verformung aufweisen.
Ansonsten eine Neue verwenden.

Für die Hinterachslager gilt das gleiche Prinzip.
Das Teil, was sich ausdehnen muss, gut erhitzen und das Teil ,das schrumpfen muss, ab in das Gefrierfach :wink:

Auch ein Blick in die Montageanleitung ist nie verkehrt !
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
phenomeno
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von phenomeno »

Hallo Bernd,

vielen Dank für deine super geniale ausführliche Antwort.
Ich lerne immer mehr und bin dafür sehr dankbar!!!

Ich habe soweit alles verstanden und habe es geschafft das Lager von der Achse zu treiben.
Das ging jedoch ohne Erwärmen. Im Bauhaus habe ich nach dem passenden Rohr und einem Gummihammer gesucht. Zur Probe habe ich
es einmal probiert und es hat funktioniert.....

Frage:
1.Muss ich zuerst das neu gefettete Lager auf die Achse treiben und dann in die Nabe einschrumpfen? Oder kann ich erst das Lager(gekühlt) in die Nabe(erhitzt) eintreiben und dann die Achse durchtreiben?

2. Die Achse ist doch links und rechts absolut gleich, richtig? Woher weiß ich wie lange die Achse aus der Nabe schauen muss?

3. Gibt es eigentlich einen Trick, den Sicherungsring auf der Nabe, der auch den Mitnehmer von dem Tachoantrieb hält, zu lösen und wieder zu verwenden? Dann kann ich auch dieses Lager mal schön säubern und neu fetten.

Vielen lieben Dank für die Tipps. ich drucke sowas immer aus und lege es zu meiner Montageanleitung!

Gruß
Denny
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heinkel-bernd
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Denny,
heinkel-bernd hat geschrieben: 27.03.2018, 17:26 Jetzt musst Du noch, auch mit 400er Schleifpapier, die Vorderachse so weit bearbeiten, dass sich das (kalte) Lager
mit etwas Fett oder Öl gerade noch aufschieben lässt. Das Lager verkantet sich ohne Führung leicht auf der Achse,
deshalb bei jedem Versuch schmieren !
Die Vorderachse bleibt in den zwei Lagern verschiebbar, und lässt sich dann auch aus der Nabe herausziehen :wink:

Der Mitnemerring für den Tachoantrieb ist nur auf die Nabe geklemmt und lässt sich mit etwas Geduld mit einem
langen Flachschraubenzieher und Hammer schräg, weg von der Nabe herunterklopfen.
Darunter sitzt ein Radialdichtring, den man mit einem Schlagauszieher oder einem kräftigen Flachschraubenzieher
vorsichtih heraushebeln muss.Dieser Wedi-Ring wird dabei beschädigt und kann nicht mehr verwendet werden !
Erst jetzt lässt sich der äußere Seegerring herausnehmen, damit auch das linke Lager ausgetrieben werden kann.
Wenn zum Reinigen der Nabe der innere Seegerring stört, lässt sich dieser auch noch entnehmen.
Wenn es aber nur um die Schmierung dieses Lagers geht, kann man auch von der anderen Seite Fett in das Lager
drücken und muss nichts weiter zerlegen.

Da sich die Vorderachse in der Nabe verschieben lässt, kann man diese beim Einsetzen der Nabe in die Gabelaufnahme
auch leicht vermitteln, sodass deren Gewinde-Enden etwa in gleicher Länge herausragen.

Ich empfehle Dir unbedingt auch in der Montageanleitung zu lesen, da es beim Einsetzen der Vorderradnabe in die Gabel
einen sehr lebenswichtigen Punkt zu beachten gibt !! (Arretierung der Ankerplatte am rechten Außenrohr der Gabel)
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
phenomeno
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von phenomeno »

Hallo Bend,

vielen Dank für die guten Tipps und ich wünsche Dir und dem ganzen Forum ein frohes Osterfest!

Es hat alle super geklappt. Den Mitnehmerring habe ich leider durch einen ganz dummen Fehler zerstört. Das ist aber kein Problem diesen zu ersetzen.

Natürlich werde ich in die Montageanleitung schauen! Man kann soviel von dir lernen, ich hoffe ich kann dich und das Forum auch nochmal zum Lichtmaschinenausbau befragen. Zur Zeit bin ich aber an der Vorderachse(Gabel schon überholt und fertig). Der Motor ist ausgebaut und ich werde aufjedenfall die Kohlen kontrollieren!

2 letzte Fragen bleiben zur Vorderradnabe:

1. Was passiert wenn die Presspassung der Nabe schon so sehr abgenutzt ist, dass die Kugellager zu locker sitzen. Brauche ich dann eine neue Nabe oder kann man immer dieses Loctite 603 für solche Fälle verwenden?

2. Gehen wir mal davon aus dass beide Kugellager in Ihren Presspassungen geblieben wären und nicht wie bei mir eins auf der Vorderachse. Dann kann man diese ja nur jeweils mit einem langen Werkstück, welches durch den Lagerinnenring passt, von der anderen Seite austrieben, richtig?

Danke
Denny
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heinkel-bernd
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Denny,

Vielen Dank für die Guten Wünsche :P
Eines muss ich jetzt aber mal los werden :?
Ich helfe wirklich gerne, wenn es sich um Probleme handelt, die sich nicht mithilfe der Montageanleitung
lösen lassen :P
Bei meinen Lösungsvorschlägen weiß ich natürlich nicht, inwieweit Du dich in der Montageanleitung informiert hast
deshalb muss ich auch immer so lange Beiträge schreiben und sehr viel überlegen, um bei Dir auch alle möglichen
Erfahrungslücken zu schließen :?
Ist wirklich nicht böse gemeint und ich hoffe Du verstehst meine Situation :wink:
Mir geht es wirklich nur um unnötige Schreib- und Kopfarbeit
phenomeno hat geschrieben: 30.03.2018, 13:45 1. Was passiert wenn die Presspassung der Nabe schon so sehr abgenutzt ist, dass die Kugellager zu locker sitzen. Brauche ich dann eine neue Nabe oder kann man immer dieses Loctite 603 für solche Fälle verwenden?
Diese Frage ist natürlich berechtigt und sehr wichtig:
Die Lagersitze in der Nabe müssen natürlich glatt und nicht "vermackt" sein
Wenn sich die Lager-Aussenringe im kalten Zustand im Lagersitz noch etwas verklemmen, ohne das sie (auch nicht leicht) kippeln,
würde ich sie nach dem Entfetten beider Sitzflächen mit diesem Loctite eindrücken. Zum Aushärten dieses Mittels (1 Tag) solltest
Du diese Lager mithilfe der Vorderachse, Buchsen oder größeren Muttern auf der Abstandhülse gegenseitig leicht verspannen :wink:
Das tachoseitige Lager muss dabei mit den Seegerringen fixiert sein !
Hat jedoch ein Lager schon spürbare "Luft" (Wenn es sich mit der durchgesteckten Achse auch nur leicht kippeln lässt),
würde ich dieses Nabenteil nicht mehr verwenden !
phenomeno hat geschrieben: 30.03.2018, 13:45 2. Gehen wir mal davon aus dass beide Kugellager in Ihren Presspassungen geblieben wären und nicht wie bei mir eins auf der Vorderachse. Dann kann man diese ja nur jeweils mit einem langen Werkstück, welches durch den Lagerinnenring passt, von der anderen Seite austrieben, richtig?
Ja ! (Siehe Anleitung S. 45 Ziffer 8 bis 12) Zumindest eines davon muss durch die Abstanhülse am Innenring des Lagers nach aussen getrieben werden.
Muss dabei nach dem Anwärmen der Alu-Nabe auf den Lager-Innenring recht viel Kraft angewandt werden, sollte dieses Lager nicht mehr
verwendet werden !
I.d.R. werden ja auch nur defekte Lager ausgetauscht :wink:
Das andere kann dann mithilfe eines passenden Rohrstücks am Außenring ausgetrieben werden, wenn die beiden Seegerringe
entfernt wurden. Dabei wird das Lager nicht beschädigt.
Steht zwar in der Anleitung etwas anders, ich ersetze aber lieber den Wedi-Ring anstatt das Lager.

Zur Überholung der LIMA würde ich Dir als allererstes die Anleitung empfehlen, die Du Dir als download für
angemeldete Clubmitglieder herunterladen kannst: "Kohlenwechsel bei der SIBA-/BOSCH-Lchtmaschine"
Ich hoffe ich muss mich mit den Antworten nicht wieder vordrängen, in Sachen "LIMA" gibt es hier ja auch noch viel mehr
Nutzer, die sich bestens damit auskennen :D


Dann mal weiterhin viel Erfolg beim Heinkelschrauben und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
phenomeno
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von phenomeno »

Hallo Bernd,

ja ich verstehe deine Situation und eigentlich versuche ich auch vorher Antworten zu suchen( Siehe das Thema Zündzeitpunkt).
Zum Thema Radlager habe ich in die Montageanleitung geschaut und muss bedauerlicherweise zugeben, die Seite 45 übersehen zu haben.
Jedoch nervt es mich, die Anleitung digital zu lesen. Aber damit mir sowas nicht nochmal passiert, drucke ich die Anleitung am Dienstag mal aus.

Ich bin jedenfalls dankbar über deine Tipps. Das Radlager war jetzt nicht so wichtig....aber zu dem Thema Zündzeitpunkt habe ich etwas fürs Schrauberleben von dir gelernt. Das kann man nicht ganz so einfach nachlesen und dann ist es super das es Schrauber wie dich gibt....

Ich verspreche jedoch, noch genauer die Anleitung zu lesen und nur zu fragen wenn etwas nicht passt.......

Danke Bernd
Gruß
Denny
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heinkel-bernd
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Re: Radlager vorne + hinten

Beitrag von heinkel-bernd »

Das freut mich Denny, dass Du mich verstehst :D
phenomeno hat geschrieben: 30.03.2018, 21:24 Jedoch nervt es mich, die Anleitung digital zu lesen. Aber damit mir sowas nicht nochmal passiert, drucke ich die Anleitung am Dienstag mal aus.
Dann alle Seiten in transparente Prospekthüllen schieben und ab, in einen auffälligen Ordner :wink:
So kann man notfalls auch mal mit öligen Fingern darin blättern !
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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