Zündungseinstellung - mechanisch

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Herbert
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Zündungseinstellung - mechanisch

Beitrag von Herbert »

Ich habe Fragen zur Einstellung der Zündung.
Nachdem ich die pteng.de Seite zu diesem Thema gelesen habe, frage ich mich, wie man das Ganze praktisch angeht ohne viel zu schrauben.
Ich habe mir ein Schließwinkelmessgerät und eine Stroboskoplampe besorgt.
Als erstes habe ich versucht, den Schließwinkel einzustellen. Das ist aber mit dem angegebenen Kontaktabstand von 0,4 – 0,45mm nicht gelungen. Das Messgerät zeigt 48Grad (mal 4 = 196Grad) statt der geforderten 45 Grad (=180Grad).
Dann habe ich den Zündzeitpunkt durch Verdrehen der Kontaktplatte eingestellt, so das die SP Markierung im Standgas und die FP Markierung bei Vollgas mit der Markierung am Gehäuse fluchten. Das war übrigens nicht so einfach, da die Kontaktplatte schon am Anschlag angekommen war (die Langlöcher sind auch schon aufgefeilt, der Unterbrecher ist meines Wissens nach neu).

Meine Fragen:
1) Ist es wichtig, den Schließwinkel genau einzustellen, wenn man den Zündzeitpunkt genau eingestellt hat?
2) Um den Schließwinkel auf 180Grad zu bekommen, hätte ich den Kontaktabstand wesentlich vergrößern müssen. Was ist da faul?
3) Das man möglicht genau einstellen muss, ist klar. Aber wie sind die Toleranzen?

Gruß vom Steinhuder Meer
Herbert
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Hauke
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Beitrag von Hauke »

Hallo Herbert,
zu Frage 1:der Schließwinkel muß vor der Zündeinstellung sauber eingestellt sein. Abstand 0,4mm +/- 0,05 mm bei höchster Stellung des Unterbrechernockens. Den Nocken vorher kontrollieren das der nicht eingelaufen ist, ebenso das Gegenstück am Kontakt. Den Schmierfilz mit Heißlagerfett einstreichen. Die Kontaktflächen müssen im geschlossenen Zustand ganzflächig plan aufliegen.
zu Frage 3: Die Toleranzen für Kontaktabstand so wie Zündeinstellung findest du in der Montageanleitung unter technischen Angaben auf Seite 3, so wie die Einstellung der Zündung auf Seite 26 + 27.
Meine Meinung ist, das der Aufwand zu gering ist um hier mit Schließwinkeltester und Stroboskoplampe zu arbeiten, aber trotzdem viel Erfolg.

Gruß

Hauke
Meine Heinkel sind nun leider alle weg...... :cry:
Technik ist nichts Geheimnisvolles, auch wenn schlechte Techniker ein gelehrtes Gehabe an den Tag legen.
Gast

Zündungseinstellung

Beitrag von Gast »

Danke für die schnelle Antwort, Hauke.
Mit den mm-Angaben kann ich nichts anfangen, da ich den Kolbenhub nicht messen kann.
Kann man sich nach den Markierungen auf dem Lüfterrad richten (auf Seite 27 steht, dass damit nur Grobeinstellungen gemacht werden können)?
Wieviel mm bzw. Grad vor OT sind denn die SP und FP Markierungen genau?
Wie mache ich es denn nun eigentlich?

Gruß Herbert
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Hauke
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Beitrag von Hauke »

Hallo Herbert,
hier ein paar Bilder zur Einstellung der Zündung:
Bild 1 zeigt das Einstellwerkzeug welches ich immer benutze:
(Die Messuhr folgt ein paar Bilder später.)
Bild
Als erstes werden die Kontakte eingestellt, dazu suchst du dir den höchsten Punkt des Unterbrechernockens in dem du den Motor ohne Zündkerze von Hand in Drehrichtung durchdrehst und dabei den beweglichen Teil des Kontakt beobachtest. An der höchsten Stelle anhalten. Bild 2 zeigt die höchste Stelle des U-Nockens im ausgebauten Zustand, dieser ist aber so eingelaufen das der ausgewechselt werden sollte:
Bild
Jetzt prüft man mit einer Blattlehre 0,4mm den Abstand zwischen den Kontakten. Die Blattlehre muß natürlich fett-und ölfrei sein und man sollte diese leicht und gefühlvoll durchziehen können. Falls der Abstand nicht stimmen sollte, löst man die Schraube am unteren Teil des Kontakt, siehe Bild 3,
Bild
und stelle mit der zweiten Schraube (Siba) den Abstand ein, siehe Bild 4:
Bild
Bei der Boschzündung gibt es meines Wissens nur eine Schraube, diese wird leicht gelöst und dann wird der untere Teil des Kontakt mit einem Schraubenzieher nach oben oder unten bewegt.
Die Unterschiedlichen Unterbrecherplatten siehe Bild 5:
Bild
Nach erfolgter Einstellung werden alle Schrauben festgezogen, hierbei muß man aufpassen, das man den Konakt nicht ausversehen wieder verstellt.
So, danach wird die Zündung eingestellt. Ich benutze dazu eine Messuhr und einen Messuhrhalter, welchen ich mir selbst gebastelt habe. Dieser wird in das Zündkerzengewinde eingeschraubt und der Motor wird vorsichtig von Hand in Drehrichtung auf OT gedreht. Kurz vor OT kann man beobachten wie sich der Zeiger der Uhr in Bewegung setzt. An der Stelle, wo der Zeiger aufhört sich zu bewegen anhalten und die Messuhr durch verdrehen der Skala auf 0 stellen, siehe Bild 6:
Bild
Danach Prüflampe an Klemme 1 der Zündspule und Masse anklemmen, siehe Bild 7:
Bild
Zündung einschalten (Ladekontrolleuchte leuchtet), und den Motor entgegen der Drehrichtung drehen (ca 1/8 Umdrehung), danach wieder in Drehrichtung des Motors drehen. Bei einer korrekten Einstellung sollte die Prüflampe bei ca 0,4mm vor OT aufleuchten.
Falls die Einstellung nicht stimmt, den Kolben auf 0,4mm vor OT einstellen, siehe Bild 8,
Bild
die beiden Schrauben der Unterbrecherkontaktplatte lösen und die Platte verdrehen bis die Lampe aufleuchtet, siehe Bild 9 + 10:
Bild

Bild

Drehen der Platte gegen Motordrehrichtung ergibt früheren und verdrehen in Motordrehrichtung ergibt späteren Zündzeitpunkt.
Nach erfolgter Einstellung die zwei Schrauben gefühlvoll festziehen ohne etwas zu verstellen.
Mit so einer Messuhr kann man sehr gut die Markierungen auf dem Lüfterrad kontrollieren, in dem der Kolben auf OT gestellt wird (höchster Zeigerausschlag) und dann die Markierung mit Pfeil auf dem Gehäuse fluchten.
Kerze reindrehen und Deckel aufschrauben usw. ist natürlich klar.
Vergessen habe ich noch, das natürlich der Schmierfilz gefettet werden sollte, aber das hab ich gestern schon geschrieben.
Ich hoffe, hier nichts vergessen zu haben, ansonsten bitte ergänzen.

Gruß

Hauke
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Gast

Beitrag von Gast »

Was sind denn 0,4mm vor OT ?

Da der Kolben wohl senkrecht nach oben geht misst man das?

Da die Uhr aber nach den Bild wohl so um die 45° zum Kolben angebracht ist, denn von oben kann man ja nicht messen, sind das denn 0,4mm???

45° sind über die Winkelfunktionen 0,707
Dies würde bedeuten, dass 0,4mm keine 0,4mm sind. Ist vieleicht der Grund warum viele Heinkel zu heiß werden.
Denn 0,4mm x 0.707 ergibt Frühzündung. Frühzündung = Heis

Na mit Meter wäre das nicht passiert :lol:
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Hauke
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Beitrag von Hauke »

Halllo Anonymus,
0,4mm vor OT ist das Maß, was der alte Heinkel vor ca 50 Jahre als Einstellmaß mit der oben gezeigten Messmethode angegeben hat. Ob es nun letztendlich 0,4 mm oder 0,4mm x 0,707 sind, ist doch völlig egal, oder?
Gruß
Hauke
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Ralf
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Beitrag von Ralf »

Hallo Hauke,

das nenn' ich mal eine Gebrauchsanweisung - Respekt fuer die Mühe :P :P
Heinkelholgi

Beitrag von Heinkelholgi »

Hallo,

ich wollte mich ja eigentlich aus dem Forum raushalten, muss aber hier, um andere Fahrer vor Schaden zu bewahren, hier leider doch noch mal "klugscheißen und besserwissen" und mich einmischen.

Der Wert für den Zündzeitpunkt bei Spätzündung beträgt zumindest beim 103 A-1 und A-2 NICHT 0,4 mm, sondern 0,6-0,8mm vor OT! Diese 0,4 sind ein Druckfehler, der sich seinerzeit in die Montageanleitung eingeschlichen hat und den Heinkel kurze Zeit später "unauffällig" durch eine entsprechende Kundendienstmitteilung korrigiert hat.
In den gedruckten Exemplaren ist er natürlich unverändert geblieben, so lange, bis der Nachtrag für den A-2 erschienen ist. Dieser enthält den korrekten Wert, der wegen Baugleichheit auch für den A-1 gilt. Über den korrekten Wert für ältere Motoren kann ich nix sagen.

Über diese Geschichte wurde auch schon (mehrmals) in der Heinkel-Info berichtet, ich habe jetzt aber keine Lust, sämtliche Hefte zu durchsuchen... :? Auch Eckhard von Rönn-Hass hat dazu mal eine Sonderpublikation verfasst.

Bei Einstellung auf 0,4 mm mit der Messuhr liegt der Zündzeitpunkt um einige Grad zu spät. Damit erreicht der Motor nie seine optimale Leistung. Gleihes gilt, wenn vor der Messung nicht die Ölkohle vom Kolbenboden abgekratzt wird, die ja bis zu einem mm dick sein kann.
Die Einstellung des Zündzeitpunktes mittels Gradscheibe oder (überprüfter) Markierung am Lüfterrad ist daher eindeutig vorzuziehen.
So, mal wieder ordentlich kluggeschissen! *erleichtert sei*

Nun macht mal wieder alleine weiter. Wenn es allzu schlimm wird, schalte ich mich vielleicht nochmals ein... :wink:

Schönen Heinkelsommer!

Holgi
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Bernd Hoose
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Beitrag von Bernd Hoose »

Ein fundiertes Klugscheißen!

Welcome Back
Habt ihr Bilder von Treffen? Dann bitte her damit. Uploadzugang per Mail. Zu sehen gibts die dann unter http://home.hoose.de/dalbum
Um Kommentare zu den Bildern abzugeben Login=heinkel pass=freunde
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Hauke
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Beitrag von Hauke »

Hallo,
hab ich nicht gewußt, vielleicht doch mal wieder alte Info´s lesen und die Montageanleitung "updaten".
Gruß
Hauke
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