Spiel an der Hinterradachse

Motor-Vergaser-Antrieb
Antworten
Benutzeravatar
HAL2000
Beiträge: 300
Registriert: 15.12.2005, 10:12
Wohnort: Unterhaching

Spiel an der Hinterradachse

Beitrag von HAL2000 »

ich hab mal wieder wegen Schaltzugtausch mein Hinterrad aufgebockt und wollte gleich das Spiel des Hinterrades kontrollieren. Wenn ich am Reifen ruckel spüre ich ein Spiel von ca. 1mm an der Bremstrommel zum Gegenstück an der Schwinge.
Frage:
1. Ist das zuviel?
2. Kann das am Hinterradachslager liegen?
3. Kann das auch an der Verzahnung der Bremstrommel liegen?
Gruß
Christian
"Der ist aber schnuckelig!" (Fahrer einer englischen Rickman Rennmaschine zu meinem Roller an der roten Ampel)
Edelschrauber
Beiträge: 38
Registriert: 26.11.2013, 12:24
Wohnort: NRW

Re: Spiel an der Hinterradachse

Beitrag von Edelschrauber »

Hallo Christian,

m.E. darf da kein Spiel vorliegen.
Meistens ist es so, dass die Hinterradachse mit der Zeit nach rechts (in Fahrtrichtung) wandert.

Behebung:
Schwingendeckel abbauen und die Achse nach links treiben (Mutter vorher lösen). Die Achse darf nicht zu weit rausgetrieben werden, da man sonst Kontakt zum Deckel bekommt (mit Lineal o.ä. kontrollieren). Muttern wieder festziehen (zuerst die Seite wo sich das Ritzel befindet, dann die andere Seite).
Oder U-Scheibe/Distanzscheibe unter die bereits vorhandene Scheibe legen.

Ersteres ist die "bessere" Lösung.

Wenn jemand die Bremstrommel an der Verzahnung (warum auch immer) abgedreht hat und die Achse richtig justiert ist, dann würde ich auf der rechten Seite mit Distanzscheiben arbeiten.

VG
Edelschrauber
Benutzeravatar
heinkel-bernd
Beiträge: 3428
Registriert: 13.01.2011, 21:07
Wohnort: Nähe Bayreuth

Re: Spiel an der Hinterradachse

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Christian,

Edelschrauber hat Recht; An der Hinterachse darf kein spürbares Spiel vorhanden sein !
HAL2000 hat geschrieben: Kann das am Hinterradachslager liegen?
Bremstrommel und Schwingendeckel abnehmen und mit beiden Händen an den Enden der Achse versuchen
diese zu verkanten.
Wenn dabei ein gewisses Spiel zu erkennen ist, sind warscheinlich die Lager verschlissen !
HAL2000 hat geschrieben: Kann das auch an der Verzahnung der Bremstrommel liegen?
In vielen Fällen bekommt die Bremstrommel in der Verzahnung Luft und leider auch Verschleiß,
weil sich die Leute nicht trauen die Hinterachsmutter richtig festzuknallen (160 Nm ) !

Wenn bei ordentlich angezogener Hinterachsmutter immer noch ein gewisses Kipp- bzw. Radialspiel bemerkbar ist,
hat sich die eingegossene Stahverzahnung in der Alu-Bremstrommel gelockert !
Wenn man die Hinterachse heraustreibt (in Richtung Bremse)und senkrecht in den Schraubstock spannt,
kann man die Bremstrommel mit der Kronemutter auf die Verzahnung schrauben und durch Drehbewegungen
(links- und rechtsherum) ein vorhandenes Spiel zwischen Alu-Trommel und Stahlverzahnung erfühlen und erkennen.
(Wenn der Bereich gut gereinigt wurde, erkennt man auf der Innenseite der Trommel die Stahlverzahnung !)
Ist hier Spiel vorhanden, solltest Du Dich nach einer ordentlichen Bremstrommel umsehen !

Reparaturen wie Verstemmen oder Verkörnen bringen auf Dauer nichts !
Ich habe allerdings eine 5-Loch-Versuchstrommel auf einem anderen Touristen laufen, bei der ich vor jedem äußeren
Absatz der Stahlverzahnung einen 4 mm Spannstift und hier hinein nochmals einen mit 2 mm gesetzt habe.
5-Loch-Bremstrommel   hinten versplintet.JPG
Über diesen Langzeit-Test habe ich aber leider noch kein Ergebnis, da dieser Roller etwas weiter weg von mir
und recht selten gefahren wird ! Auf meinen 103 A-0 passt diese Trommel leider nicht ! :?

Wird ein Lagertausch nötig, solltest Du Dir unbedingt auch die lange Distanzhülse zwischen den beiden Lagern
genauer ansehen ! Diese ist m.M. nach etwas zu weich und gibt an den Stirnflächen oft etwas nach !
Wenn sich die bremsseitige Kronenmutter zu weit aufdrehen lässt, sodass der Splint seine Funktion nicht mehr erfüllt,
ziehst Du die Achse mit der Mutter am Kettenrad einfach so weit in Richtung Schwingendeckel, bis es passt.
Nach der Kontrolle, dass die Hinterachse nicht am Schwingendeckel anliegt, wird die kettenseitige Kronenmutter
versplintet. Das Drehmoment von 160 Nm wird dann mit der bremsseitigen Kronenmutter eingestellt, wenn die
Bremmstrommel aufgesetzt ist !

Und zu guter Letzt noch ein Tip:
Wenn die Hinterachse schon mal ausgetrieben ist, schiebst Du über das kettenseitige Ende einen
ölfesten O-Ring 18 x 1,5 bis zur kurzen Abstandhülse. Dieser verhindert "profilaktisch"durch die Verpressung
mit dem inneren Lagerring, das Öl zwischen Hinterachse und Abstandhülse durchsickern kann ! :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
Benutzeravatar
Bernd Hünten
Beiträge: 501
Registriert: 19.01.2006, 20:02
Wohnort: 28844 Weyhe

Re: Spiel an der Hinterradachse

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo Christian,
dieses leidige Spiel an der Hinterachsbremstrommel kenne ich auch bei meinem 103 A2 nur zur Genüge! Es handelt sich bei meinem Roller um die 5-Lochfelge (Baujahr 64). Die erste Trommel hielt gut 100 000 km, die nächste gebrauchte gerade mal 14 000 km, eine verstiftete ( nicht von Heinkel-Bernd!) hielt auch nur 1 Jahr! Von den Clubkameraden mit 4-Lochfelge höre ich nichts von diesem Problem. Ich warte nun auf ein Ergebnis von Heinkel-Bernd, damit ich wieder eine Trommel in Reserve habe. Im übrigen solltest du die Tipps von Heinkel-Bernd beachten.
Frohes Basteln!
Bernd

P.S. Bernd: Ich würde meinen Roller auch zum Versuch anbieten, ich fahre zwischen 3000 und 5000 km im Jahr.
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
Benutzeravatar
HAL2000
Beiträge: 300
Registriert: 15.12.2005, 10:12
Wohnort: Unterhaching

Re: Spiel an der Hinterradachse

Beitrag von HAL2000 »

Danke an Edelschrauber und die Bernds für die ausführlichen Antworten - und ja, ich hab die 5-Loch-Felge...
Gruß
Christian
"Der ist aber schnuckelig!" (Fahrer einer englischen Rickman Rennmaschine zu meinem Roller an der roten Ampel)
Antworten