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verrußte Zündkerzen (gelöst - Gewindeeinsatz)
Verfasst: 17.04.2010, 07:45
von Nansen
Guten Morgen Heinkler.
Bevor ich jetzt nochmal den Zylinderkopf abnehme, was bei der Kabine ja nicht unbedingt bequem ist, eine Frage.
Wenn ich als Ursache für trocken, verrussende Zündkerzen ausschliesse:
- Fehler in der Gemischaufbereitung inkl. Ansaugtrakt
- Fehler zwischen Fliehkraftversteller und Zündkerze
- Fehler in der Ventilsteuerung, Schaftführung & Dichtigkeit
- Fehler in der Abgastechnik
... dann bleibt doch nur die Kopfdichtung/Steg übrig oder übersehe ich da was?
Grüsse Ralf
Re: verrußte Zündkerzen (gelöst - Gewindeeinsatz)
Verfasst: 09.05.2010, 06:54
von Nansen
Gute Morgen,
ich habe Euer Schweigen mal als klares "Ja" gedeutet und nach zwei Wochen Garten- und Waldarbeit gestern endlich den Motor geöffnet:
Nö - die Kopfdichtung ist in hervorragendem Zustand. Mist!
Alles in mechanisch besster Ordnung. Sicherheitshalber, nur um alles auszuschliessen, noch eine Dichtigkeitsprüfung, aber wie erwartet: Kein Tröpfchen sickert aus dem Kopf.
Nun war mir aber aufgefallen, dass von der Zündkerze recht wenig aus der Gewindebohrung in den Brennraum ragte. Eigentlich dachte ich, den Kopf mit Terpentin gefüllt über Nacht ruhen zu lassen, doch liess es mir keine Ruhe und so bin ich spät in der Nacht noch mal in die Werkstatt und habe mir das angeschaut; das Gewinde schliesst tatsächlich nicht annähernd mit der Kopfinnenseite ab.
In der Schublade lag noch ein 175er Kopf, habe dort eine Kurzgewindekerze eingesetzt und: Jaha! So sollte das ausschau'n, ein schön bündiger Abschluss.
Dann habe ich mal eine Langgewindekerze in den 200er getan, die guckt aber zu viel raus. Müde, ab Marsch ins Bett - kurz vor'm einnicken dann: Warum?
Warum sollte Herr Heinkel, beim 200er den Kopp an dieser Stelle dicker machen? Klar - da muss ein Gewindeeinsatz drinne sein...
Kurz ein paar Stunden unruhig gedöst und dann vor dem zweiten Kaffee wieder runter... Ja!... Jaha...!
Ich Doof! Hirni - ich... Da habe ich das Ding nun geschliffen und poliert, gefräst und wieder geschliffen. Wir verbrachen viel gemeinsame Zeit in der Küche mit Holzbrett, Glasplatte, 600er Nasspapier zum planschleifen, sorgsam kümmerte ich mich um die toten Stehbolzengewinde am Auslass - aber den Kerzengewindeeinsatz habe ich nicht gesehen! Ich habe mich nichtmal gewundert, dass das Gewinde noch so gut in Schuss war...
Also - der Unterschied beträgt ca. drei Millimeter.
Das wird wohl ausreichen um die Verbrennung soweit zu verschlechtern, dass jede Kerze früher oder später verrusst.
Nun freue ich mich zwar wie ein Schneekönig, die Ursache gefunden zu haben, aber was nun?
- Den Kragen des Einsatzes von aussen runterplanen? Ob das dann noch hält?
- Oder vielleicht versuchen, den Kragen auf 1mm zu verdünnen und dann vom Brennraum aus was mit dem Handschleifer wegnehmen?
- Oder eine gleichwertige Langgewindekerze mit zusätzlichen Dichtringen versehen?
Grüsse Ralf
Re: verrußte Zündkerzen (gelöst - Gewindeeinsatz)
Verfasst: 13.05.2010, 09:22
von Nansen
Schönen Tag auch,
Ich habe mich für die letzte Variante entschieden, also eine Langgewinde Kerze mit zusätzlichen Dichtscheiben eingesetzt. Messing und Alu (zum festklemmen).
Zuächst brachte das keine Verbesserung, aber nach Wahl einer heisseren Kerze ging es (im Gegensatz zu vorher) ganz gut.
Nun bin ich so 300km um den Block geschraddelt, habe allerlei alte Bosch's (hier in Mellerud kriegt mann ja nix mehr) und Denso's probiert. Jetzt muss ich den Kopf wieder nachziehen, mpf....
Aber so richtig glücklich bin ich noch nicht.
Zwar hält sich die 7er Bosch mittig gut sauber ohne allzu heiss zu wirken, jedoch ist der Kragen der Kerze immer noch sehr schnell sehr russig.
Ist meine Überlegung, dass eine 19mm Gewindekerze (unabhängig von der Isolatorausführung) durch ihre grössere Kontaktfläche zur Umgebung die Wärme schneller abführt, als ihr gleichwertiges 12.5mm Gegenstück, korrekt?
Und deswegen ist es nur natürlich, dass ein höherer Wärmewert (Bosch) 7, statt 6 oder 5 erforderlich wird?
Andererseits:
Die verbaute Kerzengewindehülse besteht ja aus einem Stahl, also λ<60, alldieweil sich da herum Aluminium tummelt, mit jedenfalls dem Mehrfachen an Wärmeleitfähigkeit.
Wie sich dieses Materialsandwich auf die Kerzentemperatur auswirkt ist mir nicht ganz klar.
Immerhin bekomme ich nun ein aussagekräftiges Kerzenbild und kann mich demnächst wieder an die Suche nach der richtigen Düsen- und Nadelkombination machen. Eigentlich läuft die Kabine in dieser Beziehung schon ganz gut, das Start- und Leerlaufverhalten ist unter allen Bedingungen excellent, es gibt so etwas wie "Beschleunigung" am Berg... naja... Hügel und doch: Irgendwo ist da noch der Wurm drinne, wenn auch ein kleiner. Der Russ am Kragen der Kerze muss wo herkommen und die Drehfreudigkeit im oberen Leistungsbereich... ich spüre da ist noch Potential.
Grüsse Ralf
Re: verrußte Zündkerzen (gelöst - Gewindeeinsatz)
Verfasst: 06.06.2010, 06:35
von Nansen
Hallo,
der Vollständigkeit halber noch folgender Nachtrag, falls mal einer von Euch das selbe Problem hat:
Auf Anfrage beim Technischen Kundendienst von Bosch hin, hat man mit freundlich mitgeteilt, dass es wegen der unterschiedlichen Ausdehnungskoefizienten von Stahl und Aluminium besser sei für die Distanzhülsen Stahl oder Edelstahl zu verwenden.
In diesem Falle, wenn Hülse und Adapter sauber aus Stahl gefertigt werden und die Dichtflächen wirklich sauber gearbeitet sind, könne unter Umständen "...sogar auf den Faltdichtring oder Aludichtscheiben verzichtet und dadurch die Schraubverbindung verbessert werden."
Grüsse Ralf
Re: verrußte Zündkerzen (gelöst - Gewindeeinsatz)
Verfasst: 06.06.2010, 17:57
von Klaus Drobig
Hallo Ralf,
ich kann mich erinnern, dass hier im Forum vor längerer Zeit mal jemand über die Büchsen für beschädigte Kerzengewinde geschrieben hat, dass er diese von innen, also vom Brennraum aus, eingeschraubt hat.
Das große Risiko dabei ist natürlich, dass Du beim Hereinschrauben der Kerze die Büchse löst.
Die müsste also duch Kerben o.ä. so gesichert sein, dass ein Herausdrehen unmöglich ist.
Auf der anderen Seite kann man natürlich im Brennraum den Platz für den Kragen schön herausfräsen.
Risiko, aber vielleicht eine Anregung.
Schöne Grüße aus Rheinbach, Klaus