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Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 03.12.2008, 17:20
von Nansen
Hallo zusammen,
ich denke das Folgende ist nicht Kabinen-Typisch, auch wenn es sich um den 200er handelt - so poste ich mal hier.

Ich habe mir den Thread: "Motor braucht Öl, Kerze kokt zu." gut durchgelesen.

Vorgeschichte:
Ich hatte ursprünglich den Pallas, der war aber von Anfang an verhunzt, mit Ersatzteilen sah es schlecht aus und so war ich froh hier in Schweden einen gebrauchten 22er Bing zu bekommen um meine ersten Kabinen-Testkilometer zu sammeln.
Nach sorgfältigem Zerlegen und Säubern, einem neuen Schieber, Düsennadel, eine Tüte voller Tauschdüsen etc... kam ich zu einem, für's erste, ganz zufriedenstellendem Resultat.
Hervorragendes Startverhalten, sehr guter Durchzug im unteren Lastbereich.
Nur wenn es auf der Geraden etwas schneller gehen sollte.. nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich schön. Irgendwie immer mal ein wenig Ruckel, so ganz leicht, ansatzweise spürbar. Das mit dem Vollgas konnte mich nicht überzeugen.
Da an dem vorhandenen Vergaser die Beschleunigerpumpe arg vermackt war und die Nadeldüse auch schon Schlimmes erlebt haben muss, endschied ich mich gleich für den Neukauf der Club-Ersatzvergasers (B21.1398_1/22/135_Alternative) - bei 85Euro nur für die Beschleunigerpume rechnet sich das, zumal ich an dem alten Bing noch (mangels Originalteil) einen alten Kraftstoffflansch aus der Grabbelkiste montiert hatte, den ich nie 100%ig dicht bekam.
Hier im Forum hatte ich von den 115er Düsenbestückungen gelesen - da ich die Düsen<100 habe, fragte ich gleich nach, ob denn da nun auch (oder noch) eine 115er drinne sei, und man möge mir dann noch je eine 105er und 110er dazu packen.

Gestern Abend war der Vergaser da - ohne weitere Düsen.
Heute Morgen dann, in der Dunkelheit gleich in die Werkstatt und weil ich hier gelesen hatte:
"Die neuen Vergaser werden vom Lager grundeingestellt und auf dem Lagertestroller gefahren, bevor sie ausgeliefert werden. "
Habe ich nichts weiter daran gemacht und ihn einfach so getauscht.
Er lief gleich über und nach der Demontage war zu sehen, daß der Schwimmer nichteinmal in seiner Kerbe auf der Schwimmernadel eingeraster war. Soviel zur "Grundeinstellung" ab Lager.
Bei der Demontage viel mir noch auf, dass auf der Schraube vom Benzinflansch gar kein Filter sass. Die anderen Bing's dieser(!) Bauert, die ich in der Schublade habe, sind alle mit Filter versehen - nu ja, egal: Passt ja ineinander. Trotzdem irgendwie schade.

Also wieder montiert - ein leichter Druck auf den Starter und er schnurrt. Schön. Kurze Voreinstellung am Schieberanschlag, eine Mail an den Club (wegen der Düsen) und auf geht die Fahrt. Solange der Motor noch nicht heiss war, ging das auch sehr schön - aber wehe. Auf der schnellen Geraden angekommen, war das Ruckeln schlimmer als mit dem alten Vergaser - damit hatte ich nicht gerechnet und wäre am liebsten wieder nach Hause, aber es galt einige Erledigungen. Nach 20Km wollte ich mir doch mal die Kerze anschauen und es lachte mich ein total zugekokeltes Ding an, dem ich nie zugetraut hätte, dass es überhaupt noch funkt. Naja - wir schleppten uns so durch die Landschaft und wieder daheim kam die Kabine gleich zum Schneeabtropfen in die Werkstatt - bis Morgen, dachte ich.

Dann hatte ich Antwort vom Heinkelklublager: Die Bedüsung des Vergasers für die Kabine sei anders als die des alternativen Rollervergasers und nur bei Letzterem könne man die Bedüsung ändern.
Hä?

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Hä?

Also - Holz auf's Feuer und wieder in die Arbeitklamotten, runter zur Werkstatt,den Vergaser raus und auf den Tisch: Es ist eine 85er Düse drinne.

Nun blicke ich überhaupt nicht mehr durch.
Klar: In der Tabelle steht 22er - 85er Düse (hatte ich auch vorher)
Hier laß ich: 115er oder 110er im Alternativ Vergaser (zumindest für die 20er), ist aber zuviel, probieren und kleiner.
Nun habe ich mal eine 100er reingeschraubt und hoffe, dass es morgen nicht schneit (sonst kommen wir nicht mehr heim).

Frage:
Sollte man nicht annehmen, dass bei einem 200cm² Motor mit 22er Bing eine grössere Düse gebräuchlich sei?

Frage:
Ich vermute das meine Kolbenabdichtung schlecht, und weiss dass meine Ventilführungen übel sind (kommt noch) aber vorher hatte ich keine verkokelten Kerzen - manchmal ne kernige Ölwolke, aber mehr nicht.

Frage:
Was soll die absonderliche Aussage, die Bedüsung sei nicht änderbar?

Grüsse, Ralf

PS: Benzinhahn etc. vorher durchgeblasen.
PPS: Der (betriebswarme) Motor war jetzt auch im mittleren Bereich träger, Drehzahlunwilliger.

Edit 04.12.08
Wow!
Mit der 100er die erste Probefahrt:
Viel runderer Lauf, klasse Drehmoment, aber im oberen Teillastbereich immer noch Ruckeln.
Jedoch viel Drehfreudiger. Also: Richtig Anlauf genommen und siehe da, plötzlich, ab einer bestimmten Drehzahl, schaltet sich der Turbo ein. Nur kam ich im normalen Betrieb selten auf diese Drehzahl.
Klare Sache: Unten gut, oben gut - kann ja nur die Düsennadelstellung sein.

Also (ich hatte sie vorher zum testen tiefer) die Nadel in die zweite Kerbe, was aber zu meiner Überraschung keine Besserung brachte.

Im Detail:
Motor warm, Asphalt geradeaus, kaum Wind, Dritter Gang (ist besser so):
Vorzügliche Beschleunigung, ruhiger Lauf von ganz unten aus dem Keller bis knapp über 40km/h. Dann fängt das Ruckeln an. Zäh und unangenehm beschleunigt es weiter bis Punktgenau auf die 50k/mh Markierung. Dann setzt eine gefühlter Turbolader ein, Schlagartig verändert sich alles, die Kabine schiesst los auf 60km/h - tja - und dann müsste man leider mal schalten und das ganze beginnt von vorne.

Dennoch haben wir heute die Schallmauer von 80km/h erstmal durchbrochen (geht aber nur dann, wenn das "Loch" zufällig mit einer leichten Senke zusammentrifft, ist dann die Drehzahl ersteinmal hochgenug und der Motor schnurrt wieder wie er soll, ist es die reine Freude (bis zum nächsten Berg, Kurve, Elch...).

Nun stehe ich vor einem Rätsel.
Ach ja: Wenn ich innerhalb des "Loches" pumpe - passiert garnichts.
Was mag das sein - so extrem?
Grüsse Ralf

Edit 05.12.08:

Um möglichst viele Ursachen auszuschließen, habe ich heute morgen die 1000er Inspektion etwas vorgezogen.
Kipphebel raus und Kopfschrauben nachgezogen.
Durch's Kerzenloch gepeilt und; der Kolben schaut nicht übel aus.

Aber der Fehler reproduziert sich Haargenau (Tachostrichgenau) wie gehabt.

Ich weiß, daß sich ein möglicher Kondensatorfehler oftmals erst bei bestimmten Drehzahlen (unter Belastung) bemerkbar macht, aber dann ist normal ja auch das Ende der Fahnenstange erreicht.
Vielleicht sollte ich ihn doch mal tauschen auch wenn dann eigentlich die Kontakte schon hinüber sein müssten - mir fällt halt nix mehr ein.
Grüsse Ralf

Edit 06.12.08

Sicherheitshalber alles Benzin im Tank ausgetauscht (man weiss ja nie...)

Wenn ich nun die Düsenadel (mit der 100er) auf Kerbe 4 setze, zeigt sich folgendes Symptom:
Das Ruckelloch schiebt sich ein paar Drehzahlen nach unten; es beginnt also bei etwa 36km/h und reicht bis 46km/h.
Sehr präzise messbar.

Re: Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 09.12.2008, 11:51
von Nansen
So, keiner weiss Rat, ich hab' wohl alles durch.
Werkstatt auf, Kondenswassermaschine rein, Lappen drüber um'se nich dauernd zu sehn, Türe zu.
Wie meine Oma sagte: Vielleicht is ja das Benzin alle oder am Motor is wat kaputt. Und bevor mir nicht im Traume eine Lichtgestalt erscheint und mich schlau macht, warte ich bis es vom Club einen Diagnosestecker zum nachrüsten gibt.

Re: Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 09.12.2008, 17:07
von Bernd Hünten
Hallo Nansen,
wie aus Deinen Beitrag entnehme, spielt sich dieses Ruckeln im oberen Teillastbereich ab. Hier ist aber für die Gemischbildung noch die Pumpennadeldüse zuständig. In der Vergasertabelle im Downloadbereich steht Dein Vergaser nicht drin, also kann man die genaue Größe nicht entnehmen. Vielleicht ist einfach die falsche Pumpennadeldüse drin? Ich hatte in einem original verpackten Kolbenkarton auch schon einmal einen kleineren Kolben drin und hatte den vertrauensvoll eingebaut!
Gruß
Bernd

Nachtrag: In der neuesten Heinkelinfo steht ein Beitrag über den Clubvergaser

Re: Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 16.12.2008, 17:49
von Nansen
Hallo Bernd,
danke für die Antwort.

Vielleicht hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen.
Gleich zu Anfang hatte ich ja danach geschaut, aber nur an die Nadel selber gedacht - nicht an die Düse.
Später dann, hatte ich den Düsenstock natürlich genauer unter die Lupe genommen; Ventilfunktion & Leichtgängigkeit des Pumpenzylinders überprüft und nach Graten gesucht. Dabei laß ich (wie bei dem vorherigen Vergaser) 2,66 auf der Düse. Da die Tabelle keinen 22er-Bing (in Typ145) mit anderer Düsennummer nannte, hielt ich das für unverwechselbar.
Angeregt durch Deinen Beitrag schaute ich eben nochmal nach und bin mir nun nicht mehr sicher; es könne auch 2,68 da stehen. Die fand ich dann auch, allerdings für 18-erBing/Typ101A-0. Ich kann es nicht sicher entziffern. Lehrdorne habe ich hier nicht (vielleicht drehe ich mir dieser Tage welche), aber mit dem Messchieber komme ich bei der alten Düse 2,66 auf 2,67-2,68, bei der neuen Düse eher auf 2,64. Aber die Messmethode ist zweifelhaft.

Mehrere Tests der vergangenen Tage, mit Kerzen der unterschiedlichsten Wärmewerte und einem Versuch mit ausgebautem Pumpenkolben, ergaben keine Änderungen.

Aber verbindliche Angaben über die Werte liegen ja, wie Du ganz richtig sagst (mein Verweiss auf die Tabelle bezog sich nur auf die Kombination 22er Bing im allgemeinen in Typ 145) nicht vor - da hilft auch das schönste Messwerkzeug nichts.
Also werfe ich nun alle Anhaltspunkte über den Haufen und alle "irgendwie" passenden Vergaserteile auf den selben - alles was ich in den Schubladen finde an Düsen, Nadeln, Schiebern &Co und fange mit der Try and Error Methode wieder ganz von vorne an.

Hoffentlich hält das Wetter noch ein wenig... Die Trojan läuft ansonsten so schön und ich würde mich gerne dem Fahrwerksproblem und dem nächsten Motor zuwenden.

Die letzte Heinkel Info hat Schweden wohl noch nicht erreicht.

Grüsse Ralf

Re: Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 26.01.2009, 20:18
von kabinenroller
Hallo Ralf Die von dir beschriebenen Probleme kenne ich sehr gut!!!!!
Bei meiner Kabine habe ich auch sehr lange nach der Erklärung für dieses Motorverhalten gesucht.Angefangen hat die Suche wie bei dir im Ansaugtrackt, Vergaser Luftfilter usw. Hier hatte ich auch einen Ursache gefunden welche aber nur zum Teil wirkte. Ich hatte einen sehr feinen Benzinfilter liegend in der Benzinleitung eingebaut( heute weiss ich dieser muß immer im fallenden Teil der Leitung verbaut werden) montiert. Beim fahren im oberen Drehzahlbereich magerte der Motor ab und fing das stottern an.Filter demontiert und voller Hoffnung gefahren, die Probleme waren die selben. Nach langem Suchen und voller Wut :evil: Habe ich den Motor demontiert und das Lüftergehäuse demontiert, Auf den Rotor der Lichtmaschine habe ich einen Mikrometer aufgesetzt und den Motor gedreht. Hiebei zeigte sich eine Unwucht von 4-5 hunderstell mm in der Aufnahme für den Fliehkraftversteller. Nun wollte ich es genau wissen und habe die Kurbelwelle ausgebaut, diese war neu überholt worden. Gemessene Unwucht 1hunderstell mm, innerhalb der Tolleranz und in Ordung. Den Motor habe ich wieder komplett montiert und habe eine andere Lichtmaschine montiert, gemessene Unwucht nun 1-2 hunderstell mm. Kabine zusammengeschraubt Probefahrt und siehe da keinerlei Ruckeln mehr. :lol: Meine Erklärung hierzu: die Lichtmaschine hat in einem ganz bestimmten Drehzahlbereich soviel Schlag das die Zündung nicht einwandfrei arbeitet, ab einer höheren Drehzahl läuft der Rotor wieder rund und die Fehlzündungen hören auf. Sollte dass bei deiner Kabine auch die Ursache sein, müßten die Fehlzündungen immer bei der gleichen Drehzahl zu hören oder spüren sein. Am besten ist dies zu testen bei einer Fahrt Bergauf wenn der Motor Leistung abgeben muß.Ich hoffe ich konnte dir helfen schönen Gruß aus StephanshausenAchim Kreis

Re: Ruckeln nur zwischen 40-50km/h (3.Gang)

Verfasst: 28.01.2009, 07:02
von Nansen
Hallo Kabinenroller
Phantastischer Lösungsansatz - Danke!

Der Gedanke an den Fliehkraftversteller war mir ja auch zeitig gekommen - liegt ja auf der Hand.
Überprufungen mit dem Stoboskop ergaben jedoch nichts Erkennbares, ausserdem suchte ich die Ursache im Versteller selber und der ist technisch in einwandfreiem Zustande - an das "dahinter" hatte ich nicht gedacht.

Ich plane ja sowieso den anderen Rumpfmotor für die Kabine aufzubauen. So etwa in 2 Wochen werde ich hoffentlich mit den Waldarbeiten (Da liegt hier um diese Jahreszeit immer was an) fertig sein und beide Motoren nebeneinadner auf der Werkbank haben. Das wird spannend. Es war mir zuvor ein Greul, mit dem 2.Motor zu arbeiten ohne zuvor die Probleme mit dem 1. behoben oder wenigstens erkannt zu haben. Das sehe ich jetzt deutlich optimistischer und ich bin gespannt in wieweit das Micrometer ausschlagen wird.

Vielen Dank für die Hilfe
Ralf