Hey Joel,
schön, dass Ihr Euch um den 102A1 kümmert. Schauen wir mal, ob ich Euch helfen kann. Also zunächst einmal die gute Nachricht: Die Lichtmaschine des Heinkels besteht im Prinzip aus zwei Teilen, dem Stator (Das ist das Spulenpaket, dass am Roller verschraubt ist) und dem Rotor (Das ist dieses kuppelförmige Ding, das über den Stator gestülpt wird und sich mit dem Motor dreht). Wenn dieser Rotor kaputt ist, dann wird es extrem ärgerlich, denn Ersatz ist rar und eine Reparatur gelingt nicht immer. Da aber der Anlasser funktioniert, ist der Rotor mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in Ordnung. Alle anderen Bauteile der Lichtmaschine kriegt man schon irgendwie ersetzt oder repariert. Von daher: Keine Panik aufkommen lassen, das wird schon wieder.
Aber: Klar, Eure Lichtmaschine funktioniert nicht, da ist also was faul. Ihr sagt, dass Ihr die ungeregelte Spannung gemessen habt und diese, sobald der Motor läuft, bei 0V läge. Das bedeutet: Eure LiMa ist defekt. Dass Ihr beim Anlassen um die 12V messt, ist kein Wunder, da messt Ihr im Prinzip die Akkuspannung, die Ihr auf die LiMa gebt, weil sie beim Anlassen als E-Motor läuft.
Erste Vermutung: Ihr habt ein Problem mit dem Stator.
Nun zu Deinen anderen Schilderungen. Zunächst zu der händischen Bedienung des Rückstromschalters. Vergleiche dazu Bild 1. Wenn Du den Rückstromschalter von Hand schließt, passiert genau das, was er eigentlich verhindern soll. Nämlich, dass der Strom aus dem Akku zur LiMa fließt. Wenn Du das jetzt mit dem Schraubenzieher erzwingst, dann fließt der Strom aus dem Akku in die LiMa, da dann irgendwie gegen Masse. Was auch passiert: Die Ladekontrolllampe geht aus, denn die wird vom Rückstromschalter gebrückt (siehe Bild 1). Ergo: Ihr habt das Gefühl, dass die LiMa den Akku lädt, tut sie aber nicht. Stattdessen entladet Ihr den Akku über die defekte LiMa.

- Bild 1: roter Rahmen - Rückstromschalter, G - LiMa, FS - Feldspule, R - Widerstand, LK - Ladekontrolllampe
Den Satz, dass der Laderegler bei hoher Drehzahl zuverlässig funktioniert, verstehe ich nicht, denn die LiMa liefert ja keine Spannung (habt Ihr ja mit dem Messen der ungeregelten Spannung gezeigt).
Deine Frage, ob der Fehler aus der Kombination SIBA/Bosch entstehen könnte, kann mit „Nein“ beantwortet werden. Die Regler machen exakt das Gleiche.
Deine Vermutung, dass etwas mit der Isolierung der Kohlen nicht stimmt, kann nahezu ausgeschlossen werden. Zwar passiert es leicht, dass die Pluskohlen Durchgang zu Masse haben, wenn man nicht peinlichst genau darauf achtet, die Pertinax-Scheiben und -Röhrchen korrekt zu verbauen, aber dann würde auch der Anlasser nicht funktionieren.
Der Fehler liegt wahrscheinlich woanders. Vermutlich ist eben der Stator defekt.
Da gibt es jetzt zwei klassische Fehlerbilder. Es kann sein, dass Du einen Masseschluss über eine kaputte Isolierung einer Feldspule hast. Dann können die Feldspulen meist kein Feld mehr aufbauen und Du bekommst keine Spannung aus der LiMa. Das kannst Du einfach mit einem Ohmmeter prüfen.
Der Stator hat zwölf Spulen, davon sind sechs Anlasserspulen und sechs Feldspulen, die das Magnetfeld erzeugen, das notwendig ist, damit die LiMa als Generator funktioniert. Beide Spulenarten sind alternierend angeordnet. Ihr könnt sie an ihrer Form unterscheiden siehe dazu Bild 2. Die sechs Spulen auf dem Rotor, die etwas keilförmig sind, sind die Feldspulen. Die eckigen sind die Anlasserspulen.

- Bild 2: Stator vorne und hinten
Aus dem Stator kommen drei Kabel: ganz dick – A: Anlasserkabel, mitteldick – D+ Ausgang LiMa, dünn – DF Feldspulen.
Messt nun folgendes:
A zu Masse – unendlich
D+ zu Masse – unendlich
DF zu Masse – rund 3 Ohm.
A zu D+ - 0 Ohm
A zu DF – rund 3 Ohm
D+ zu DF – rund 3 Ohm
Wenn hier die Werte abweichen, insbesondere die „unendlich“-Werte, liegt ein Massenschluss vor. Dann heißt es: Mal optisch untersuchen, ob man irgendwo eine schadhafte Isolierung sieht. Wenn nicht, kann man die einzelnen Feldspulen voneinander elektrisch trennen, an der Unterseite sind sie miteinander verlötet. Dann kann man Spule für Spule durchmessen, ob sie Durchgang zu Masse hat. Habt Ihr die schadhafte Spule oder die schadhaften Spulen gefunden, dann ist das schon mal gut, die muss dann raus und gewechselt werden bzw. neu isoliert werden. Dazu später mehr.
Habt Ihr KEINEN Masseschluss, also sind die Werte so, wie oben angegeben. Dann messt Ihr vielleicht (wirklich nur vielleicht) einen etwas geringeren Widerstand von DF zu Masse. Vielleicht 2 Ohm oder 1,5 Ohm, aber das wird jetzt sehr vage. Also, wenn kein Masseschluss vorliegt, dann habt Ihr Windungsschlüsse in den Feldspulen. Das bedeutet, dass die Windungen untereinander Kontakt haben. Im Grenzfall wird so eine Spule zu einem Kupferblock, der kein Magnetfeld aufbauen kann. So richtig messen könnt Ihr das wahrscheinlich nicht, da geht es nicht um ohmsche Widerstände, sondern um Induktivitäten bzw. Impedanzen, also Wechselstromwiderstände. Das kann man auch messen, aber nur über einen Schwingkreis. Wahrscheinlich habt Ihr dazu nicht die Möglichkeit.
Aber was nun, wenn „The Nightmare Comes True” und die Feldspulen Windungsschlüsse haben? Tja, schwierig. Dann müssen die Feldspulen ersetzt werden, wobei eben nicht klar ist, welche… Da kann man dann die Dienste des Clubs in Anspruch nehmen. Müsstet Ihr Euch mal schlau machen.
Nun ist es so: Ich habe mal eine Maschine gebaut, mit der man diese Spulen wickeln kann.
Könnt Ihr hier gucken:
https://www.youtube.com/watch?v=Ha0v_FASm7o
Ich habe diese gewickelten Spulen durchgemessen, sie erfüllen die Werte der Originalspulen. Allerdings: Ich habe noch nie einen Stator mit meinen Spulen ausgerüstet, weil ich zu ziemlich von allem zu viel habe, nur vom kostbarsten aller Güter nicht: Zeit.
Aber falls die Notwendigkeit bei Euch gegeben ist, die Feldspulen zu tauschen, dann kann ich Euch welche geben. Ihr seid dann sozusagen Beta-Tester.

Ich kann da keine Garantie geben, aber wenn Ihr es probieren wollt, meldet Euch.
Nun aber erstmal Ruhe bewahren, vielleicht ist es ja nur ein sichtbarer Masseschluss, dann ist es mit ein bisschen Isolierarbeit alles wieder gut.
ACHTUNG! Dazu noch einen Hinweis: Falls Ihr die Spulen vom Spulenkörper abnehmt, die Schrauben sind verstemmt und gewöhnlich extrem fest angezogen, Manchmal nur mit einem Schlagschrauber zu lösen. Ich hatte schon den Fall, dass sie beim Lösen abreißen. Aber das ist alles nicht schlimm, das bekommt man hin. Bei der Montage beachten: Diese Schrauben müssen fest sitzen und gesichert werden. Nehmt 8.8 Schrauben oder sogar 10.9. Wenn die sich im Betrieb lösen, ist die ganze LiMa hin und zwar vollständig - und das tut dann richtig weh.
Soweit erstmal und bonne chance.
Euer Volker aus Wiesbaden