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Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 02:23
von AxelRe
Hallo in die Heinkel-Gemeinschaft,
wir - die (Montags-)Schrauberrunde der Spessarträuber im Aschaffenburger Raum - haben an (m)einem Motor weitgehend zerlegten Motor festgestellt, dass sich die beiden Messinglagerbuchsen der Nockenwelle im Gehäuse drehen lassen (erste Idee war: mit Loctite 638 oder 648 einkleben). Sie haben aber zudem innen einiges mehr an Spiel als wir das bisher erlebt haben (Nockenwelle 'kippelt' jeweils auf einer Seite eingesteckt ziemlich) - nur: was bedeutet das?
Nun ist guter Rat gefragt

... Wir sind keine gelernten Metall-, Motorenbauer oder etwas in dieser Richtung, wir haben uns aber mit Unterstützung von Rainer und Klaus (Heinkel-Werkstatt bei Frankfurt) und Lutz (mittlerweile nahe des Bodensees ansässig), in vielen Gesprächen (Treffen, Touristik etc.) und Studium dieses Forums im letzten Jahr Grundwissen und Praxis 'draufgeschafft' was den 'Kernbereich' unserer Heinkel-Motoren betrifft (z.B. Lagertausch, Nockenwellen- und Schlepphebeltausch, Getriebebegutachtung). Zu den Gleitlagern des Getriebes haben wir sowas gehört wie: sind meistens ok, selten kaputt. So war's auch bei drei unserer Motoren ... nun haben wir wohl eine Ausnahme vor uns liegen. Ich war einige Stunden mit der Suchfunktion hier im Forum unterwegs, und komme zur Schluß: Beurteilung und ggf. Austausch der Gleitlager im Kern des Motors könnte ein (bisher nicht eingehender behandeltes) Thema von Interesse sein (wenn ich da doch was übersehen habe - bin für jeden Tipp dankbar).

Daher starte ich nun dieses Thema hier im Forum.
Uns stellen sich (heute erst einmal diese) Fragen zu den Gleitlagern, speziell denen der Nockenwelle:
- Wo liegt die 'Toleranzgrenze' beim Gleitlagerspiel, wie beurteilen oder messen wir die?
- Wie sind die (Soll- und Toleranz-)Maße der (Gehäuse-)Bohrungen, der Buchsen, der Wellen? Gibt es Infoquellen dazu?
- Lassen sich im Gehäuse drehende Buchsen erfolgreich einkleben? (Sofern Innenmaß ok)
- Bei den von Club/GmbH lieferbaren Buchsen (Nockenwelle) ist angemerkt: Bearbeitung innen und außen (mit Fachkenntnissen) erforderlich. Wie stellen wir (oder wahrscheinlich eher der Spezialist) die richtigen Passungen her?
Bitte ergänzt gerne präziser formulierte oder weitere Fragen.
Wir freuen uns über alle 'sachdienlichen Hinweise'

, Tipps oder Anleitungen - und wir nehmen gerne auch längere und/oder komplexe(re) Antworten
Axel
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 07:28
von GvO
Hallo,
ohne die Erfahrung und das passende Werkzeug wird das nichts. Drehbank, Abzieher, Innenmikrometer, ...
Klar gibt es Tabellen mit allen Toleranzen und Anwendungsfällen, aber das wird euch nicht weiter helfen.
Nach dem Einpressen wird z.B. der Innendurchmesser kleiner und das muss man einkalkulieren.
Ohne eine Drehbank und spezielle Abzieher wird das schwierig.
Bei so filigranen Buchsen muss man die Buchsen oft auch eingepresst auf der Drehbank bearbeiten, da das Futter schon das Lager stark verformt.
Einkleben ist möglich, aber der nächste der das Lager bearbeiten muss wird euch verfluchen.
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 08:14
von HPD71665
Guten Morgen,
GvO… hat die fachliche Herausforderung sehr ausführlich beschrieben und hat damit recht. Das in einer Fachwerkstatt machen zu lassen ist nicht ganz billig, Die Alternative wäre, ein gutes gebrauchtes Kurbelgehäuse zu verwenden. Die werden immer wieder preisgünstig angeboten. Ich würde auch im Heinkel Shop mal anfragen. Die haben einige davon auf Lager.
Gruß Peter
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 10:01
von GvO
Hallo,
was ich vergessen hatte zu erwähnen. Wenn sich die Buchse drehen konnte, muss man wahrscheinlich auch den Sitz bearbeiten.
Dann brauchst du vielleicht eine CNC Fräse, passende Reibahlen und musst das Lager dann gleich aus dem Vollen drehen.
Wenn man alles in der Werkstatt hat, ist das eine Sache von 30 Minuten bis einer Stunde.
Guido
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 14:30
von Bernd Hünten
Die Buchse gibt es im Übermaß:
https://shop.heinkel-club.de/Nockenwell ... ss/21.1812
Vielleicht habt ihr Glück und sie passt, kann eingeklebt oder sie muss noch leicht abgedreht werden. Das Gehäuse erwärmen, Buchse in den Gerfrierschrank legen, prüfen. Das Innere wird an Hand der Nockenwelle ausgerieben.
Bernd
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 04.02.2025, 16:58
von Werner
Ich habe das schon einmal gemacht. Man benötigt als Spezialwerkzeug eine passende verstellbare Reibahle. Wenn die Buchsen sich im Gehäuse drehen lassen aber noch nicht viel Spiel im Gehäuse haben kann man sie Mit Loctite einkleben, das hält. Der Blechdeckel an der Limaseite muss entfernt werden. Dann die Gehäuse ohne Innereien zusammenschrauben und die beiden Buchsen mit der Reibahle passend aufreiben. So eine Reibahle hat ja 2 Konen mit denen man die Ahle zentriert und dafür sorgt dass beide Buchsen parallel aufgerieben werden. Zu den Maßtoleranzen kann ich nichts sagen, ich hab mich da auf main Gefühl verlassen. Hinterher den Deckel wieder mit 2 K Kleber einsetzen. Das wars. Ist kein Hexenwerk.
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 05.02.2025, 02:08
von AxelRe
Schon wieder so spät am Abend ...
Erst einmal tausend Dank für eure prompten Antworten, Einschätzungen und Hinweise.
Was lese ich raus:
- Wie wir schon vermutet haben, bei der Instandsetzung dieser Gleitlagerbuchsen bewegen wir uns in den meisten Fällen jenseits der Möglichkeiten einer Schrauberrunde die nicht über geeignete Spezialwerkzeuge (Drehbank, Fräsen, Reibahlen etc.) und Werkzeugmacher-/Motorenbauer-Erfahrung (oder Vergleichbares) verfügt. Dann ist externe Unterstützung angesagt, aber wahrscheinlich kostenintensiv.
- Allenfalls die Variante mit der Reibahle durch beide Buchsen innen ausreiben scheint mir 'schrauberrundentauglich', ALLERDINGS nur wenn sich neue Buchsen (von der GmbH) 'zufällig' fest in das Gehäuse einsetzen lassen (sprich analog Lagereinbau bei Gehäuse warm reinflutschen, bei Gehäuse kalt fest sitzen), ggf. unter Zuhilfenahme von Loctite fest einkleben lassen (in der Hoffnung nie wieder diese Lager tauschen zu müssen, oder dann ggf. das Gehäuse aufzugeben), und eine entsprechende Reibahle vorhanden ist, und die nötige Erfahrung, Feinfühligkeit und Geduld damit ...
- Der pragmatische, wahrscheinlich (heute noch) kostengünstige Ansatz für die 'normale' Schrauberrunde ist wohl der Gehäusetausch (ich habe parallel zu den Forumseinträgen bereits von zwei Seiten Gehäuseangebote bekommen - das finde ich eine tolle Gemeinschaft
).
Wir werden bei unserem nächsten Treffen diskutieren, wie wir weiter vorgehen werden (und ich habe läuten hören, dass es ein Unterstützungs-Angebot gibt

).
Zwei Fragen in diesem Themenkreis bewegen mich jetzt aber noch (und wahrscheinlich nicht nur mich):
- Klar ist, die Gleitlagerbuchsen dürfen sich nicht im Gehäuse drehen. Aber wie sieht es mit dem 'inneren Spiel' aus (also Buchse zur Welle), was ist da 'normal', was ist da die Verschleißgrenze, wie äußert sich die, wie prüft die 'normale' Schrauberrunde ob 'noch ok' oder 'instandzusetzen'. Habt ihr dazu Tipps?
- Wenn 'instandzusetzen' entschieden ist und extrene Unterstützung die Lösung sein soll, hilft dann (mit neuen Buchsen von der GmbH ausgerüstet) der Gang zum nächsten Motorenbauer (also einen ohne Heinkel-Erfahrung), oder braucht es den Spezialisten mit Heinkel-Erfahrung? Gibt es da praktische Erfahrungen aus unserer Gemeinschaft? Was raten 'unsere eigenen' Spezialisten? Und ganz gewagte Frage: Gibt es unter letzteren jemanden, der sagt, sprecht mich an im Fall der Fälle, wenn ich gut drauf bin und Zeit habe mache ich sowas (für Geld)?
Grüße Axel
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 05.02.2025, 11:57
von GvO
Hallo, ich habe gerade an einem Motor mit Mikrometer nach gemessen, der zerlegt auf der Werkbank liegt.
Die gebrauchte Buchse im Gehäuse hat ca. 14,05mm
Die neue Kurbelwelle 13.96mm
=> Spiel 0,045mm
Da die Buchse kurz ist, fühlt sich das relativ "locker" an. Dazu habe ich die Empfehlungen eines Gleitlager Herstellers in einen Rechner eingegeben:
H7 - e8 => Spiel 0.032mm bis 0.077mm
Wenn man ganz korrekt sein will, erhitzt man die Teile im Backofen auf 80 Grad und misst noch mal wie sich das verändert.
In der Garage hat es leider gerade -5 Grad
Aus dem Bauch raus hätte ich auch drei Hunderstel gesagt, würde die Buchse aber einfach innen auf 14:00 bearbeiten.
Ist natürlich auf eine neue Kurbelwelle bezogen. Wenn deine eingelaufen ist, muss man das berücksichtigen.
Guido
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 08.02.2025, 22:05
von Jungheinkler
Servus,
Ich muss jetzt mal meinen Senf dazu geben!
Mich und mein Projekt stelle ich später an geeigneter Stelle vor.
Aber:
Du schreibst von der Kurbelwelle, aber hier geht es um die Lagerung der Nockenwelle.
Angenommen du meinst die Nockenwelle, dann hast du das Spiel irgendwie falsch kalkuliert. Nockenwelle:13,96 und Buchse: 14,05 ergibt in meinem Kopf ein Spiel von 0,09. Damit wäre meines Erachtens mindestens deine Empfehlung für die Passung hinfällig...
Re: Gleitlagerbuchsen Nockenwelle/Getriebe beurteilen, ggf. austauschen
Verfasst: 09.02.2025, 09:31
von Gundolf 5530
Moin
Analog gerechnet, nicht im Kopf.
Also wie früher mit Bleistift auf Zettel....bei mir kommt raus 14,05 mm -13,96 mm = 0,09 mm
Gruß Gundolf