Seite 1 von 1

Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 30.01.2025, 17:25
von oldbiker
Hallo,
es ist mal wieder soweit :(
Heinkel springt nicht an, Starterreläs macht nur klack!
Batterie entladen! In der Garage leider kein Stromanschluß!
Jetzt kam ich auf die Idee mir ein Startergerät (Powerbank) anzuschaffen.
Im Netz werden die Dinger mit 40- 230€ angeboten.
Den div. Testseiten und Rezessionen traue ich nicht :twisted:
Wer hat so ein Teil, welche Erfahrung und was sollte ich investieren? (das Teil wird ja nur im Notfall gebraucht), sollte auch noch ggf. irgendwo im Heinkel verstaut werden.
VG
Dietmar

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 00:05
von Lars
Hallo Dietmar,
ich habe mir vor einiger Zeit ein GBX45 von Noco zugelegt - damit habe ich bislang nur positive Erfahrungen gemacht, allerdings nicht am Heinkel (der sprang bislang auch so an), sondern mit dem vierrädrigen KFZ. Gerade neulich konnte ich wieder Starthilfe beim Auto eines Bekannten geben. Auch als Notstromreserve zum Handy aufladen ist es gut zu gebrauchen. Für den Roller tut es wahrscheinlich auch ein kleineres Gerät mit weniger max. Stromstärke.
Viele Grüße
Lars

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 00:11
von manne
Hallo Dietmar,
Ich finde, das ist ein sehr interessantes Thema.
Auf der Suche nach einem solchen Gerät habe ich mich immer gewundert, wieviel Leistung einem in einem Kästchen versprochen wird, das etwas mehr als Handygröße hat. Wider besseres Wissens hatte ich mir so ein Kästchen gekauft (es war wirklich nicht teuer), das nach dem Öffnen einen relativ kleinen LiPo (= Lithium-Polymer-Akku) enthielt, der entsprechend seinem Format nur einen Bruchteil der versprochenen Kapazität hatte.
Also habe ich mir mal einige Gedanken zu solchen Starthilfegeräten gemacht, von denen ich glaube, dass sie hier her passen und Dir vielleicht eine kleine Hilfe sind (es ist jetzt ein bisschen mehr geworden, als ich anfangs gedacht habe...).

Erst mal eine Abschätzung - wieviel Power brauchen wir, um einen Motor zu starten? Und ist das in einem so kleinen Gerät machbar?
Zum Anlasserstrom eines Tourist habe ich leider keine Angaben oder Messungen gefunden. An verschiedenen Stellen im Forum werden 50A bis 60A angenommen. Das halte ich für einen vernünftigen Wert. Wenn wir annehmen, dass wir zum Starten die Dynastart eine Minute lang nudeln lassen müssen (eine Minute erscheint wenig, aber schaut mal auf einen Sekundenzeiger, bis er einmal rum ist...) brauchen wir also 60A für 1/60 Stunde, also nur 1Ah. Es ist also gar nicht so unrealistisch, die Starthilfe in einem so kleinen Format zu verwirklichen. Der Akku muss lediglich in der Lage sein, den hohen Strom zu liefern, ohne dass die Spannung (durch den Innenwiderstand) merkbar einbricht und er überhitzt.

Bei den angebotenen günstigen Geräten werden meist wegen der hohen Leistungsdichte Lithium-Polymer-Akkus verwendet. Eine LiPo-Einzelzelle hat eine Ladeschlussspannung von 4,2V, d.h. es kommen i.A. 3 Zellen in Reihe zum Einsatz (= 12,6V), die dann direkt mit den Starthilfeklemmen verbunden werden. Die Kapazität eines Akkus wird normalerweise bei relativ niedrigen Strömen und oft bis zur niedrigsten Entladespannung von 2,5V gemessen und angegeben, manchmal auch nur bis 3V. Jedenfalls sind diese Spannungen (7,5 bzw. 9V) für eine 12V-Anlage zu niedrig. Der zum Starten nutzbare Bereich wird daher wohl im Bereich von 4,2V bis herunter zur Nennspannung von 3,7V liegen, das wären dann 12,6 bis 11,1V. Das sind dann grob abgeschätzt nur 40% der Nennkapazität. Wir bräuchten also für 1 min Starthilfe einen Akku mit 1Ah/0,4 = 2,5Ah. Bei sehr hohen Entladeströmen sinkt die Kapazität aber auch deutlich, so dass die Abschätzung eher optimistisch ist. Ich lasse sie jedoch mal so stehen.

Nun versprechen die Anzeigen im Netz Kapazitäten von 30Ah bis hin zu fast 100Ah, und das zu Preisen von 30€ bis 40€. Kann das sein? Ich habe einiges an Erfahrung mit LiPos aus dem Flugmodellbau. Hier zählt jedes Gramm bei maximalem Energieinhalt, sprich eine möglichst hohe Energiedichte. Ich habe mal eine gute Handvoll Flugakkus analysiert bezüglich ihres gewichts- und volumenspezifischen Energieinhalts. Die Streuung war relativ gering. So ergab sich ein Gewicht von 61g bis 77g und ein Volumen von 29 bis 37 cm³ pro Ah Kapazität. Im Mittel sind das also ca. 68g und 33cm³ pro Ah. Und das bei ca. 7€ pro Ah (alle Werte für einen 3 Zellen-Akku). Und wie gesagt, handelt es sich um hochwertige, gewichts- und volumenoptimierte, also eher teure Akkus.

Wenn nun ein Gerät mit beispielsweise 14,3*7,9*1,5cm = 169cm³ angeboten wird und mit 30000 mAh (also 30Ah!) beworben wird ist das m.E. eine unverschämte Übertreibung um das mindestens 6-fache, da ja in dem Volumen noch viel Raum für das Gehäuse und die Ladeelektronik benötigt wird. Nimmt man einen 40%-Bedarf für Gehäuse und Elektronik an, können in diesem Gehäuse nur ca. 3 Ah verbaut sein, also nur 1/10 des beworbenen Wertes. Damit wäre der Preis dann auch wieder im Rahmen meiner kleinen Statistik. Und in dem von mir gekauften Gerät war dies dann auch so.

D.h aber nicht, dass damit eine Starthilfe nicht möglich wäre (s.o.). Vorausgesetzt, die Akkus können den Strom von 60A liefern, hat man damit durchaus die Chance, den Roller wieder zum Leben zu erwecken.

Aber auch bzgl. des angegebenen Maximalstroms wird viel Schindluder getrieben. Ich lese teils Ströme von mehreren Tausend Ampere. Mal davon abgesehen, dass kein Mensch 6000 A zum Anlassen eines Fahrzeugs benötigen wird (LKW-Fahrer werden sich wohl eher nicht mit solchen kleinen Starthilfen versuchen), gibt es nur wenige Akkus, die mehr als 100C, d.h. 100 x Nennkapazität hergeben. Und 100C-Akkus sind schon relativ teuer. Ein guter (!) 3Ah-Akku liefert dann kurzzeitig maximal 300A - für einen Touristen mehr als ausreichend, für den Akku allerdings eine Belastung bzgl. Lebensdauer.

Apropos Lebensdauer: LiPos sollten bei Nichtgebrauch bei ca. 60% der Maximalspannung gelagert werden, d.h. die verfügbare Spannung wäre dann für unsere Zwecke bereits an der unteren Grenze (ca. 11V). Bei höherer Lagerspannung besteht die Gefahr, dass sie ausgasen, d.h. sie bekommen dicke Backen. Da sie gasdicht verschweißt sind und der Vorgang irreversibel ist, bedeutet das das schnelle Ende eines LiPos (mir sind tatsächlich schon viele Akkus auf diese Weise kaputt gegangen). Als ständig voll geladener, einsatzbereiter Begleiter im Roller wird so ein Gerät daher sicher nicht alt. Richtige Lagerung und Aufladen kurz vor der Starthilfe würde die Lebensdauer erheblich erhöhen. Aber ist das das gewünschte Einsatzszenario?

Mein Fazit:
- Man sollte sich durch die Werbe-Angaben nicht blenden lassen. Die Abmessungen sind meist angegeben. Mit 60% des angegebenen Volumens geteilt durch 33 cm³/Ah kann man grob die "echte" Kapazität abschätzen.
- Geräte im niedrigen zweistelligen €-Bereich lohnen sich m.E. nicht. Wenig Power und geringe Lebensdauer.
- Geräte über 100€ hatten in meinem kurzen Vergleich eher realistischere Leistungs-Angaben.
- Super wäre ein Gerät mit Lithium-Eisen-Phosphat (LiFePo)-Akkus. Diese habe eine flachere Spannungskurve und eine deutlich höhere Lebensdauer. Und sie sind nicht empfindlich, was die Lagerspannung angeht. Dafür sind sie teurer. Ich habe vereinzelt Geräte gesehen (ab ca. 100€), die diesen Akkutyp verwenden. Bei den günstigeren Geräten vermute ich zwar ähnliche Übertreibungen wie bei den LiPos, dennoch würde ich wegen der besser geeigneten Akkutechnologie eher zu einem günstigen LiFePo-Gerät als zu einem hochpreisigen Gerät mit LiPos greifen.

Ich hoffe, das war nicht zu ausführlich und ich konnte ein bisschen zur Entscheidungsfindung beitragen.
Beste Grüße,
Manfred

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 07:36
von Liqui-dambar
Hallo Oldbiker!
oldbiker hat geschrieben: 30.01.2025, 17:25 Batterie entladen! In der Garage leider kein Stromanschluß!
Warum zusätzliche Gerätschaften kaufen,pflegen und mitschleppen?
Einmal tief in den Geldbeutel greifen und eine ordentliche Batterie kaufen.
Keine Pflege.Keine Wartung.Kein Ladegerät.Äußerst lange Lebensdauer.
Und im Winter wird sie auch nicht ausgebaut!
20240321_181727.jpg

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 11:37
von oldbiker
Hallo Lars, Manfred, Wolfgang,
danke für die schnelle und vor allem sehr informativen Infos!
Manfred hat mich überzeugt, dass solche Geräte unter €100 nichts bringen!
Ich werde mir eine"Shido LiFePo4" mit 5Ah zulegen ca. 110€, zumal ich für andere Lithiumaccus schon ein spezielles Ladegerät habe.
Der große Vorteil u.A. dieser Li- accus ist ja das erstaunlich geringe Gewicht.
VG
Dietmar

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 15:56
von velorex350
Hallo Dietmar
Meine low Butget Lösung:
vor 5...6 Jahren hab ich beim Pollin Yuasa NP7-12L 7Ah 12V Bleiakku / AGM NP 7-12L für einen 10er gekauft. Wurde dann abwechselnd in Heinkel und Cezeta gefahren. Absolut problemlos und mit den originalen Reglern. Erst 24 hab ich dann eine zweite Batterie dazugekauft, young Generation fährt mit :wink:
Hatte nie damit Startprobleme, auch die zickige Cezeta, die schon mal etliche Umdrehungen mehr braucht als der Heinkel springt problemlos an.
Und das Ding passt in die originale Halterung. Ehrlich gesagt stand die lange Zeit hochkant auf der Stirnseite im Heinkel.
Aber die von Dir ausgesuchte hat natürlich mehr Reserven.

Re: Starthilfe mit Powerbank?

Verfasst: 31.01.2025, 17:04
von heinkel-bernd
Mit solchen Gel-Akkus 12V, 7 Ah,(parallel x2=14 Ah) die turnusgemäß immer aus Notstromanlagen durch Neue ersetzt werden, hatte ich im Tourist nie
Probleme und die hielten noch erstaunlich lang :) Die wurden in den Anlagen ja auch kaum belastet, nur immer voll gehalten.
12V Gel-Akkus in Halter .JPG
Die Firma in der mein Bekannter tätig war und mir solche Akkus, die in Massen zum Recycling anfallen,vermitteln konnte,
wurde von einem ausländischen Investor übernommen, seitdem kommt man an dieses "Abfallprodukt" nicht mehr ran :cry: