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Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 07.04.2008, 23:44
von Tapir62
Liebe Leute,
mein spezielles Heinkel-Problem hat durch den Ausfall des Forums (bei dem alle bisherigen Antworten verlorengingen) leider nochmal eine Verlängerung erfahren. Bitte nicht böse sein, wenn ich also die gleichen Fragen nochmal stelle. Ich habe nämlich blöderweise auch versäumt, mir eine Kopie der Antworten zu machen.
Mein A2 läuft, seit ich ihn habe, maximal 75 km/h - und auch die nicht immer. Lediglich hinter LKWs schwingt er sich schon mal zu 90 km/h auf. Habe die Ideal-Scheibe montiert. Trotzdem liefen frühere Roller, die ich hatte, auch mit Scheibe wenigstens 90 km/h.
Zündung ist optimal mit Stroboskop eingestellt. Verstellung funktioniert.
Auf Veränderungen der Vergasereinstellung reagiert der Roller kaum - zumindest, was die Leistung im oberen Drehzahlbereich betrifft. Einen sauberen Leerlauf mit unverzögerter Gasannahme nach ein oder zwei Minuten Standgas kriege ich aber auch nicht hin. Es qualmt (eher schwarz als blau).
Jetzt habe ich gehört, dass bei der Ventileinstellung eine Rolle spielt, welchen OT man als Markierung verwendet (den Zündungs- oder den Auslass-OT). Ich hatte eigentlich gedacht, dass das egal ist, lasse mich da aber gerne von der Mehrheitsmeinung belehren. Was stimmt also?
Wenn dies aber keine Rolle spielen sollte oder keine Abhilfe bringt, könnte die Nockenwelle eingelaufen sein. Wie sind hier die maximalen Toleranzmaße und wo misst man die am besten (oben an der Stößelstange)?
Und die letzte Frage: Wechsel der Nockenwelle ist wohl nur mit kompletter Motor-Demontage möglich, oder?
Vielen Dank für Eure Antworten! Dem Forum wünsche ich eine störungsfreie Zukunft!
Gruß aus Mainz,
Stefan

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 07.04.2008, 23:58
von 64krokodil
Hallo Stefan,natürlich kann es daran liegen,das Du den falschen OT erwischt hast.Es müssen beide Ventile geschlossen sein,dann das Spiel einstellen.Mach doch mal einen Kompressionstest,dann siehst Du schon ob es daran liegt.Hast Du eine Reparaturanleitung ? Die ist sehr hilfreich.Gruß,Jürgen.

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 08.04.2008, 07:06
von Olinger123
Hallo Stefan!

Kennst du die Seite von Pteng? Schau dort einmal nach. Meiner Meinung nach sind dort eine Menge an Tipps für den Fahrbetrieb des Heinkel untergebracht.

http://www.pteng.de/heinkel/heinkel.htm

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 08.04.2008, 08:54
von Hauke
Hallo Stefan,

zum Thema Ventile einstellen gibt es hier im Forum auch schon einige Beiträge.

Gruß

Hauke

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 19.04.2008, 20:48
von Tapir62
Hallo,
danke für die bisherigen Antworten erstmal. Kompressionstest hatte ich machen lassen. War sehr gut (ich glaube, 11:1 oder so). Also kann´s die Ventilspieleinstellung nicht sein. Wird wohl doch eher die Nockenwelle sein.
Heute bin ich nochmal BAB Bonn-Köln-Bonn gefahren. Aus dem Mittel von hin und zurück errechnen sich genau 75 km/h. Mehr geht nicht.
Mal angenommen, die Nockenwelle muss raus: Kennt jemand eine Werkstatt im Köln/Bonner oder alternativ Mainzer Raum, wo ich mein gutes Stück mal hinbringen könnte?
Gruß,
Stefan

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 19.04.2008, 20:56
von 64krokodil
Hallo Stefan,Du schreibst 11 : 1 .Was ist das für eine Angabe ? Der Kompressionsdruck wird in Bar gemessen.Dieser soll beim Heinkel bei 9 Bar bei voll geöffnetem Vergaser und warmen Motor liegen.Wären 11 Bar vorhanden ,wäre das eindeutig zu viel.Hast Du eine Bestätigung über die Messung bekommen ? Gruß,Jürgen.

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 20.04.2008, 07:14
von Stephan Tödt
Hallo Stefan,
erst mal dein Problem hat nichts mit der Scheibe zu tun.

Dann ist dein Vergaser zu fett, daher der schwarze Qualm beim anfahren. Ist aber nicht dass Problem.

Der OT zum einstellen der Ventile ist nicht egal. Du musst den Kompressionshub nehmen. Wenn Du den Motor am Lüfterrad von Hand drehst, dann geht irgendwann das Einlassventil (Vergaserseite) zu. Drehst Du weiter, dann wird es schwer und es zischt, wenn du weiterdrehst. Dies ist der Kompressionshub. Das Zischen kommt von entweichen der Luft bei den Kolbenringen. Wenn du jetzt bis zur Markierung OT am Lüftergehäuse drehst bist du richtig. Hier die Ventile einstellen. Einlass 0,15 mm, Auslass 0,20 mm.

Mit der Kompression kann man nicht prüfen ob Du den richtigen OT für das Ventilspiel genommen hast. Die Kompression dürfte zwar etwas geringer ausfallen, aber man braucht dafür zumindest einen Vergleichswert um eine Aussage machen zu können.
Ein Kompression von 11 Bar ist zu viel, dass mag die Kurbelwelle nicht, vor allem nicht, wenn sie schon älter ist. Noch mal Prüfen, die Aussage ist zweifelhaft.

Bis die Nockenwelle Deinen Roller auf 75km/h zwingt, dürfte man langsam nicht mehr von einer Nockenwelle sprechen können. Die müsste um mindestens 1,5mm abgenutzt sein. So etwas habe ich noch nicht gesehen oder gehört. Ich Prüfe sie immer im ausgebauten Zustand. Man könnte sie auch eventuell oben bei den Stößelstangen prüfen, ich weiß nur nicht wo Du ansetzen willst. Sicher ist es aber nicht. Da musst du erst mal eine Vorrichtung für bauen. Der Hub muss genau 5mm betragen.

Ich kenne jemand, der hat eine Stroboskoplampe mit Verstellung. Damit hat er leider die Zündung zu früh eingestellt. Das brachte zwar eine gute Leistung, aber nur für eine gewisse Zeit. Dann gab es einen Schaden am Kolben durch Überhitzung.
Ich stelle die Zündung nur mit Prüflampe ein, das geht ebenso genau wie mit Stroboskoplampe und ist sicherer. Dann überprüfe ich den Fliehkraftregler mit der Stroboskoplampe auf Funktion. Der Fliehkraftregler muss sich nicht nur bewegen, dass tut er auch mit nur einer Feder, sondern er muss sich gleichmäßig über den gesamten Bereich von SP bis FP bewegen.

Da der Roller schon immer nur so "schnell" lief, gibt es auch die Möglichkeit, dass die Steuerräder nicht auf Markierung eingebaut wurden und daher die Steuerzeiten der Ventile nicht stimmen.

Tut mir Leid, aber bei der Angabe der Kompression traue ich der Zündeinstellung auch nicht sehr.

Ich habe dass gleiche Problem bei einem Heinkel der nur bis 81km/h fährt (mit neuer Nockenwelle). Bei mir bleibt eigentlich nur noch der Fliehkraftregler, der eventuell hakt. Hab bloß im Moment keine Zeit dafür.
Kannst ja mal unter „Nockenwelle“ suchen.
Bei Dir könnte es auch unter anderem noch die Kompression sein, da die Angabe etwas zweifelhaft ist. Wir brauchen klare Aussagen um eine Diagnose stellen zu können.

Es hört sich so an, als wenn Du die Einstellungen und Messungen machen lassen hast. Es kommt da leicht zu Übermittlungfehlern. Es ist häufig besser wenn ein Leihe die arbeiten durchführt und diese beschreibt, dann lassen sich leichter Fehler entlarven, soweit dieser ehrlich Rede und Antwort steht. Es lässt sich leichter drauf eingehen.
Wenn man zwischen Besitzer und Werkstatt steht, ist es schwierig und die wissen manchmal auch nicht Bescheid. Des Weiteren sollte Jeder gewissen Wartungsarbeiten selbst durchführen können.

Gruß Stephan

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 20.04.2008, 10:28
von Tapir62
Hallo Stephan
vielen Dank für die ausführliche Antwort - obwohl wir anscheinend ein gemeinsames Problem haben, nämlich: wenig Zeit. Deswegen komme ich auch nur Stück für Stück weiter.
Habe gestern mal die Schiebernadel tiefer gehängt - also auf oberste Position. Hat aber in punkto Vmax nichts gebracht. Nur hat sich das Anfahrverhalten verschlechtert und die Gasnannahme verzögert. Außerdem ging der Gasgriff extrem schwergängig. Also habe ich die alte Situation wieder hergestellt.

Da der Roller schon immer nur so "schnell" lief, gibt es auch die Möglichkeit, dass die Steuerräder nicht auf Markierung eingebaut wurden und daher die Steuerzeiten der Ventile nicht stimmen. Ich nehme an, die Steuerzeiten lassen sich nur in ausgebautem Zustand überprüfen, oder?

Die Zündung habe ich erst mit Prüflampe, dann mit Stroboskop eingestellt. Fliehkraftversteller funktioniert und der Roller geht mit Drehzahl auf FP. Gucke da aber nochmal nach - vor allem wegen Gleichmäßigkeit. Da kann man ja vielleicht sogar ein kleines Video von machen...

Was ich noch mal checken muss, ist die Einstellung der Ventile. Das kann ich aber frühestens in zwei Wochen machen, weil der Roller in Bonn steht und ich in der Woche in Frankfurt arbeite.

Stefan

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 04.05.2008, 17:23
von Tapir62
So, jetzt habe ich die Zündung kontrolliert (stand leicht auf "spät") und erst statisch, dann noch mal dynamisch eingestellt. Dann eine neue Zündkerze eingebaut, die Ventile kontrolliert im Kompressions-OT (Auslassventil hatte minimal zu viel Spiel) und alles wieder zusammengebaut. Der Roller hing eindeutig besser am Gas als vorher, aber mit Vmax war immer noch Essig. Also die Düsennadel in die zweite Kerbe on oben gehängt und tatsächlich: Nach einigen Kilometern Fahrt bei schönstem Wetter ließ der Roller sich tatsächlich ach mal auf 80 km/h schwingen. Und die Gasannahme wirklich deutlich verbessert.
Habe dann in Bad Neuenahr wieder kehrt gemacht und zurück Richtung Bonn. Auf der A 565 kurz vor Meckenheim dann sogar Tacho 90 km/h - na also, geht doch. Ich bin also nicht runter in Meckenheim-Merl, sondern noch eine Ausfahrt weiter, um das neue Erlebnis auszukosten. Und tatsächlich hielt der Roller sich bis BN-Hardtberg immer bei 80 km/h und mehr. Aber als ich in Hardtberg rausfuhr merkte ich an der Ampel, dass der Roller komisch klang, irgendwie metallisch. Und an der Ampel ging er aus. Sprang aber sofort wieder an. Also wieder auf die Autobahn um nach Hause zu fahren. Beschleunigung war aber nur noch im dritten Gang möglich, also bin ich langsam - Böses ahnend - auf der rechten Spur mit 60 km/h im Vierten. Als das nicht mehr ging, nach wenigen hundert Metern, mit 50 km/h im Dritten. Und auch das ging nur wenige hundert Meter, denn plötzlich ging der Roller aus und dann ging gar nichts mehr. Abschleppdienst und 150 € abgedrückt. :cry: Klassischer Kolbenfresser. Lässt sich nicht mehr drehen, der Motor. :cry: :cry:
Irgendwie habe ich jetzt langsam wirklich die Nase voll und überlege mir ernsthaft, einen neuen Motor zu kaufen um endlich mal - nach Jahren! - ungetrübten Fahrgenuss zu erleben.

Re: Bei 75 km/h Ende der Fahnenstange

Verfasst: 04.05.2008, 19:34
von Stephan Tödt
Hallo Stefan,
dass hört man aber nicht gerne. Ob es ein Kolbenfresser ist möchte ich noch anzweifeln, aber definittief der Motor muss ganz auseinander. Lässt sich der Motor nur nicht mehr mit dem Anlasser drehen oder auch nicht per Hand?
Wenn es nur per Anlasser nicht geht, dann kann es auch das Kurbelwellenlager auf der Lichtmaschinenseite sein. Dann hängt die Lichtmaschine etwas runter kommt ans Gehäuse, geht dadurch schwerer und die Kohlen liegen unter Umständen nicht mehr richtig an. Den Leistungsabfall würde es auch erklären.
Wenn der Anlasser noch drehen würde, würde ich auf Zylinderkopfdichtung tippen.

Aber wie man es dreht und wendet, wenn wieder Fahrspaß haben willst, dann kommst Du um eine Komplettüberholung nicht drumherum. So wie ich es einschätze ist der Motor schon sehr alt und hat es verdient.
Kopf hoch, wird schon wieder.

Gruß Stephan