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Zylinderkopfdichtung hinüber?

Verfasst: 31.05.2024, 18:19
von Chrisou
Hallo Kollegen,
bitte um ein paar schnelle Tipps für einen Neuling: diese Sauerei am Zylinder muss von einer defekten Kopfdichtung stammen, oder? Ich fahre den Roller 103A2 seit 3 Jahren und ich hatte immer das Gefühl dass der Motor nach dem Fahren extrem heiss ist. Vor kurzem hat dann gröberer Ölverlust angefangen. Er hat knappe 80.000 km am Tacho und ich weiss nicht was an ihm schon gemacht wurde...
IMG_8AAF3E187A43-1.jpeg
Dank der tollen Schrauberfibeln habe ich jetzt mal den Kopf demontiert: die Ventildeckeldichtung war steinhart und ist zerbröselt beim Rausnehmen. Aber die Kopfdichtung sieht eigentlich gar nicht so übel aus. Aber trotzdem muss sie schuld sein, oder?

[attachment=1]IMG_8AAF3E187A43-1.jpeg[/attachment

Ich nehme an ich sollte den Motor jetzt weiter zerlegen um mir Kolben und Zylinder anzusehen, korrekt?

Vielen Dank für euer Rat und auch an die fleissigen Leute die Fibeln schreiben, Homepages programmieren, Videos drehen, im Forum posten, Ersatzteile verkaufen und den Club managen :-) Und was noch alles nötig ist um diese tollen Fahrzeuge am Leben zu erhalten!

Liebe Grüße aus Linz an der Donau, Chris

Re: Zylinderkopfdichtung hinüber?

Verfasst: 31.05.2024, 18:38
von Stephan
Hi,
solcher Ölverlust dürfte eher über die Stehbolzen entstehen, d.h. über die Schraubengewinde herunterlaufen.
Das ist fast immer so.
Es gibt im Downloadbereich eine ausführliche Dokumentation dazu.
Natürlich kannst Du dir jetzt auch den Zylinder/Kolben ansehen.
Vor dem Zusammenbau den Zylinderkopf auf Dichtheit prüfen, evtl. Ventile einschleifen und den Kopf evtl. planen. Dann eine ausgeglühte Kupferdichtung verwenden., das ist m.E. die beste Wahl, Wiederverwendbar und brennt nicht durch.
Ansonsten mal Zylinderkopfdichtung, Ölverlust in die Suche eingeben..
Viel Erfolg.
Grüße
Stephan

Re: Zylinderkopfdichtung hinüber?

Verfasst: 01.06.2024, 11:29
von Chrisou
Servus Stephan,
Danke für die schnelle Antwort und den Hinweis auf den Download Bereich - das Dokument ist natürlich äußerst hilfreich!
Ohne dich hätte ich es dort nie gefunden - ich werde mal anregen ob man die nicht in die Rubrik "Technik - Tipps und Tricks" verlinken kann...
Dann schau ich mal weiter wie Kolben und Zylinder aussehen und hoffe dass ich keine bösen Überraschungen erlebe. Aber ich bin recht sicher dass die Abdichtung der Stehbolzen das Hauptproblem war - wenn schon die Deckeldichtung so mürbe war wird es bei den Stehbolzen auch nicht besser ausgesehen haben...
LG, Chris

Re: Zylinderkopfdichtung hinüber?

Verfasst: 03.06.2024, 13:13
von heinkel-bernd
Servus Chris,

für übermäßigen Ölbedarf gibt es zwei Begriffe:
1.)Den ÖLVERLUST, bei dem das Motoröl über undichte Verbindungen(Flachdichtungen,O-Ringe, Wellendichtringe usw.) einfach verloren geht,
und sich über leckende Verbindungsbereiche bemerkbar macht :cry: Ölverlust am Heinkel-Motor lässt sich vermeiden, wenn sich der Monteur
alleWege des Öls zu den vielen Schmierstellen vor Augen führt und entsprechende Maßnahmen ergreift :idea:
Vernachlässigen darf er dabei auch nicht den pulsierenden Druck, den der abwärts laufende Kolben im Kurbelgehäuse erzeugt! Dazu kommt auch noch mehr oder weniger der Verbrennungsdruck aus dem Brennraum, verursacht durch verschlissene Kolbenringe, verschlissenen Kolben und eine verschlissene Zylinder-Laufbahn! Gänzlich lassen sich diede "Blowby-Gase" auch bei der Verwendung maßgenauer Ersatzteile nicht verhinden
.Aus diesen o-g. Gründen besitzt jeder Viertaktmotor eine Kurbelgehäuse-Entlüftung, über die dieser Über- aber auch Unterdruck kompensiert werden muss . Auf ausreichenden Querschnitt und eine knickfreie Verlegung vom Anschluss an der höchsten Stelle des Motors bis zur Mündung in`s Freie ist unbedingt zu achten!(untere Bilder als schlechte Beispiele)
KG-Entlüftung 1.JPG
KG-Entlüftung geknickt.JPG
2.)Den ÖLVERBRAUCH, dem jeder Viertaktmotor in gewissem Umfang unterliegt; Aus früheren Zeiten habe ich für Käfer-Motoren noch einen akzeptablen ÖL-VERBRAUCH von1/4 l auf 1.000 km im Kopf, was ich auch für den Tourist-Motor als realistisch erachte :wink:
Bei übermäßigem Ölverbrauch gelangt Motoröl in den Brennraum des Motors und wird zusammen mit dem "Frischgas" (Benzin-Luft-Gemisch) verbrannt(Rußen aus dem Auspuff)
dieser Ölverbrauch wird beeinflusst durchdie verschiedenen Abdichtungen des Olkreislaufs zum Brennraum. Z.B. Öl-Abstreifring am Kolben, Ventilführungen (beim PKW die Ventilschaftabdichtungen) Zylinderkofdichtung am Steg zum Stösselkanal.

Nun zu Deinem Ölverlust: Stephan hat ja aus seiner Erfahrung schon ein paar mögliche Ursachen aufgezeigt,
dazu fällt miraber nochwas ein, das auch an Deinem Ölverlust ursächlich sein dürfte
vor ein paar Jahren habe ich meinen Motor mit viel Sorgfalt komplett abgedichtet und natürlich eine neue
Ventildeckeldichtung unter den plangeschliffenen Deckel (wie immertrocken) montiert.
nach ausgibigen Fahrten blieben die neuralgischen Punkte am Motor zwar dicht aber es tropfte Öl völlig
überrschend an der vorderen Motorseite ab. Nach langem und vergeblichem Suchen habe ich einfach die Ventildeckeldichtung beidseitig mit Gehäusedichtmittel montiert und der Motor blieb dann auch im vorderen Bereich trocken. Die Ursache für dieses Problem ist i.d.R. eine
eingesunkene Dichtfläche am Zylinderkopf unter dem Ventildeckel. Auch beim Plandrehen der
Dichtfläche für die ZK-Dichtung fällt eine deutliche Absenkung (Schrumpfung)des Materials auf, was vermutlich daran liegt, dass im Brennraum im Bereich der Zündkerze die größte Hitze entsteht.
auf dem Bild sind diese Bereiche der Dichtflächen übertrieben dargestellt:
Zylinderkopf Schrumpfzone.JPG
Und weil dieseDichtfläche unter dem Ventildeckel nicht so einfach planzuschleifen geht, verbaue ich jetzt auch neue
Ventildeckeldichtungen prophylaktisch immer beidseitig mit Dichtmittel :idea:

Re: Zylinderkopfdichtung hinüber?

Verfasst: 03.06.2024, 15:46
von GvO
Hallo,
den Effekt des verzogenen Zylinderkopfes hatte ich jetzt auch schon ein paar mal. Selbst eine neue Dichtung und ein perfekt geplanter Deckel haben es nicht dicht bekommen.
Als Lösung habe ich ein CNC-Programm geschrieben, das den Rand des Zylinderkopfes abfährt und plan fräst. Hier reichen ein paar Zehntel mm.
Dafür müssen aber die Stehbolzen für den Deckel raus, was mit etwas Hitze normalerweise gut geht – im Gegensatz zu allen anderen Stehbolzen.
Guido
https://youtube.com/shorts/7dZJoWzPtaE?feature=share
Zylnderkopf.PNG