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neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschieben

Verfasst: 22.08.2013, 23:05
von Gregor.Taflinski
Moin,

habe einen 60er 103A2 neu aufgebaut. Alles funktionierte wie vorgesehen. Kleine Probleme mit einem alten Regler waren nach Unterstützung vom Heinel-Club (Herr Kurz) schnell gelöst.
Alle Voreinstellungen von Zündung und Vergaser waren so gut, dass beim 2. Startversuch der Roller sofort ansprang und fuhr.
Bin nun ca 200 km in mehreren Etappen gefahren, alles war gut und ich war glücklich. Seit gestern habe ich kein Standgas mehr, der Roller geht bei 0-Stellung des Gasgriffs sofort aus, mit E-Starter ist er nicht mehr zu starten, nur durch Anschieben läuft der Motor wieder normal.
Vergaser demontiert, gereinigt, Zündeinstellung überprüft, alles ohne Erfolg. Wenn ich länger den Starter betätige kommt es zu Fehlzündungen im Sinne von explosionsartigen Entladungen über den Auspuff. Tanke kein E10, nur normales Superbenzin.
Wo liegt der Haken, kann mir jemand helfen?

Gregor-TS

die üblichen Verdächtigen mal prüfen

Verfasst: 23.08.2013, 08:56
von hajueeich
Hallo Gregor,

gibt es denn einen Zündfunken? Was ist denn "normal", wenn du ihn anschiebst, läuft er dann etwa im Standgas?

Nebenbei, ich kenne das so ähnlich:
http://www.heinkel-club.de/forum/viewto ... f=3&t=1852

Meine Vorgehensweise wäre wie folgt:

Zündung abblitzen (also mit Stroboskop prüfen, geht ohne Kerze im Kopf auch gut über den E-Starter)
Die Kerze dann aber gegen Masse legen und Funken kontrollieren.
Kompression mindestens 9 Bar ?
Kondensator tauschen, Masseverbindung des Kondensatorgehäuses prüfen
Unterbrecherkontakt abklemmen und Durchgang sowie Isolation (noch wichtiger!) prüfen
Zündspule und Kabel - Kerzenstecker habe ich auch auf Verdacht getauscht, wenn die Dinger 50 Jahre auf dem Buckel haben, ist das sicher auch nicht falsch - und preiswert.

Ja, dann lott jonn - mehr Ideen habe ich für den Anfang erstmal nicht, Gruß und viel Erfolg, HaJue

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 23.08.2013, 10:32
von barmbrun
Hallo Gregor-TS,
man braucht wohl noch mehr Informationen:
1. welche Zündung ist eingebaut (1. normale Unterbrecher oder 2. unterstützt von Transistoranlage oder 3. reine elektr. Zündung?) Bei 2. kommt die Sache mit dem Entfetten der Unterbrecher infrage.
2. Generell, wenn der Roller durch Anschieben anspringt, könnte das auch auf eine zu schwache Batterie hindeuten. Da braucht die ihren Saft für das Anlassen und zum Zünden bleibt nicht mehr genug übrig.
3. Dann wäre natürlich noch die Frage nach dem Kerzenbild (aber erst in letzter Linie).
Viel Glück barmbrun

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 23.08.2013, 11:50
von bims
Servus Gregor,

die gleichen Prüfungen wie HaJue aufgezählt hat, wollte ich Dir auch schon mitteilen.
Trotzdem noch eine Ergänzung:
Wenn die Zündung bei Leerlauf-Drehzahl, bzw. Anlasser-Drehzahl auf S.P. eingestellt war und jetzt plötzlich auf F.P. steht, klemmt der Fliehkraftregler !
Wenn Du am Unterbrechernocken im Uhrzeigersinn drehst, spürst Du den Gegendruck der Federn an den
Fliehgewichten. Der U-Nocken muß sich selbsttätig wieder in seine Ausgangsstellung zurück drehen und
sollte hier möglichst kein spürbares "Spiel" aufweisen !

Viel Erfolg bei der Fehlersuche ! :wink:

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 23.08.2013, 13:15
von Gregor.Taflinski
Besten Dank erst einmal für das zahlreiche Feedback.

also, ich zähle mal auf was funktioniert und nicht funktioniert
1. Spritzufuhr ist ok.
2. Zündkontaktabstand ist 0,45 mm
3. Abriss bei SP-Zündung, alles nochmals kontrolliert, aber nichts verändert, denn wichtig zu erwähnen ist m.E., dass der Roller 1a lief und von einem Tag zum anderen diese Symptomatik zeigte. Das spricht nicht für eine Einstellungsangelegenheit, oder?
4. keine elektronische Zündung vorhanden
5. nach dem Anschieben und Gas wegnehmen ist wieder Schluss, hört sich für mich eher wie ein Vergaserfehler an.
6. Vergaser ist ein sehr alter 1/20/55 Bing. Er sieht sehr mitgenommen aus durchverschiedene Wasserpumpenzangen Angriffe.
7. Kontaktdeckel und die Zone darunter ist bereits fettfrei.
8. Kondensator ist alt aber funktioniert, gemessen mit Ohmmeter, zunächst Durchgang dann Anstieg des Widerstandes.
9. Zündspule ist auch alt, aber Zünfunke ist da,
10. Kerzenelektrode hat einen Abstand von 0,6mm.

Ich habe einen neuen Luftfilter drauf, aber ich kann mir auch nicht erklären, warum in den Filter vom Einlass her soviel Sprit eingeschossen wird bei jedem Hub.
Habe eben nach wiederholter Demontage festgestellt, dass die Sechskantschraube die die Leerlaufdüse verschließt, doll dreht. Darurch ist auch der Vergaser im unteren Bereich vollgesuppt mit Sprit. Vermute da kann nun ein neuer Vergaser her.
Was meint ihr?


Gregor TS

Vergaser

Verfasst: 23.08.2013, 14:40
von hajueeich
Hallo nochmal,
es sit richtig, dass der Vergaser bei jedem Hub Sprit fördert (Beschleunigerpumpe), allerdings sollte man die Einbaulage der Mischkammer mal kontrollieren, ob die vielleicht falsch herum drin ist (geht aber normalerweise nicht, da sie eine Rastnase oder so hat)

Die Verschluß der Leerlaufdüse macht mir da schon mehr Gedanken, die muss schon dicht sein.
Infos dazu im Technikbereich der Hauptseite

http://www.heinkel-club.de/t3/m-l/vehic ... html#c1184

und hier:

http://www.heinkel-club.de/forum/viewto ... t=versager

Zudem sind dazu schon drei Filme veröffentlicht:

http://www.youtube.com/user/Heinkelclub

und weiter gehts . . .

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 23.08.2013, 18:12
von barmbrun
Hallo,
kann die Leerlaufdüse (nach der letzten Überprüfung und nicht richtig angezogen) herunter gefallen sein?
Dann aber natürlich den Verschlussstopfen abdichten, provisorisch mit Dichtmasse.
Man glaubt ja gar nicht, was einem alles passieren kann (bin gebranntes Kind).
Viel Glück barmbrun

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 23.08.2013, 18:48
von Gregor.Taflinski
Hallo Barmbrun,
Nein da ist nichts runtergefallen. Aber wie gesagt, sind die Symptome nicht nach einer Schrauberei sondern plötzlich gekommen nachdem tagelang alles lief. Die Undichtigkeit and er Schraube für die Leerlaufdüse kann für h Vibrationen entstanden sein, da die Schraube nichtmal handfest anzuziehen war. Und wenn ich die Funktion des Vergasers richtig verstehe wird nichts in den Vergaser reingepumpt sondern reingesogen. Wenn diese Schraube nicht dicht ist und Benzin auslaufen kann Sender Roller nicht läuft, dann ist es für mich nachvollziehbar, dass Luft von außen einfacher angesogen wird als Benzin durch die Düse. Das erklärt dann auch, warum bei Beschleunigung der Roller nach dem anschieben läuft, weil die Leerlaufdüse dann keine Funktion mehr hat. Werde morgen den Vergaser an der Schraube mit Schraubensicherungslack abdichten und mal sehen was passiert.
Allen Helfern bis hierher besten Dank. Ihr habt mir sehr geholfen.

Gregor TS

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 26.08.2013, 10:34
von Gregor.Taflinski
Leider hat das auch nicht geholfen.
Ich habe jetzt festgestellt, dass nicht ein einziger Zündfunke, es gibt sie, wirklich versucht zu einer Zündung zu führen. Kann es vielleicht doch an der Zündspule und dem Kondensator liegen? Wer kennt genaue Widerstandswerte der beiden Komponenten?

Gruß

Gregor TS

Re: neu aufgebaut, alles lief gut, jetzt nur noch mit Anschi

Verfasst: 26.08.2013, 18:40
von BerndSt
Hallo Gregor,

falls Deine Vermutungen/Fehlersuche nun doch in Richtung Zündung gehen, schlage ich folgende Vorgehensweise vor (ich schreibe auch dazu warum :wink: )

1. Neue Zündkerze probieren (das hat oft schon geholfen, auch wenn die derzeit verbaute Kerze neu ist. Eine zweite Kerze hast Du bestimmt im Fundus, das kostet Dich also überhaupt nichts).
2. Zündkerzenstecker austauschen (ist gleich erledigt und Du hast bestimmt ebenfalls noch einen im Ersatzteilfundus).
3. Zündkabel tauschen. Falls Du keins mehr hast und das vorhandene lang genug ist, kannst Du es vorne und hinten um einen Zentimeter kürzen (Begründung: es kann an den Schraubverbindungen zu Kerzenstecker und Zündspule zu Korrosion kommen. Und die Schraubverbindungen können im Laufe der Zeit schlecht/locker werden).
4. Masseverbindung vom Motor zum Rahmen/zur Batterie prüfen und ggf. (provisiorisch) verbessern.
5. Kondensator austauschen (kostet fast nichts und wahrscheinlich hast Du da auch noch einen im Fundus. Falls nicht: einkaufen - sollte man eh dabei haben :wink:). Du hast ja geschrieben, dass Du den Kondensator durchgemessen hast. Deine Messergebnisse sehen auch gut aus, aber mit dem Ohmmeter kannst Du die tatsächliche Kapazität des Kondensators nicht bestimmen - trotz scheinbar korrektem Verhalten bei der Widerstandsmessung könnte er also durchaus kaputt sein.
6. Masseverbindung des Kondensatorgehäuses prüfen und ggf. verbessern.
7. Noch einmal Unterbrecherkontakt prüfen, falls möglich austauschen (HaJue hat ja schon auf mögliche Probleme mit Durchgang und Isolation hingewiesen - ich würde an Deiner Stelle den Unterbrecher "auf Verdacht" gegen einen anderen tauschen).

Die ersten 6 Schritte sind gleich gemacht und ziemlich billig, der 7. Schritt kostet auch nicht die Welt (weder zeitlich noch finanziell).

8. Wenn das noch nicht geholfen hat würde ich als nächstes die Zündspule tauschen. Vermutlich hast Du davon keine zweite im Fundus - vielleicht leiht Dir ein Heinkelfreund aber eine Ersatzspule zum testen (eine neue Zündspule kostet 39€ - wenn Du Dir eine ausleihen kannst, dann kannst Du dieses Geld vielleicht sparen).
9. Unter der Annahme, dass die Lima OK ist, bleibt jetzt eigentlich nur noch der Regler übrig (ich halte den zwar nicht für die Ursache, aber man kann ja nie wissen...). Auch hier würde ich dazu raten, erst einmal von einem Heinkelfreund leihweise einen anderen Regler zu versuchen (ein neuer Regler ist wirklich teuer - den würde ich nur tauschen, wenn er tatsächlich der Übeltäter ist).
10. Bevor Du den Regler tauschst, solltest Du noch einige Verbindungskabel prüfen und ggf. durch provisorische zusätzliche Überbrückungen sicherstellen, dass der Strom überall dort ankommt, wo er hin soll. Ich denke da besonders an die Leitung von KL15 (Zündschloss) zu KL15 (Zündspule). Und von KL1 (Zündspule) zum Unterbrecher.

Und wenn das alles nicht geholfen hat, dann war es doch der Vergaser... :roll:

Ich vermute, ich habe Dir nichts geschrieben, was Du noch nicht weißt (oder auch schon gemacht hast). Aber vielleicht hilft Dir die vorgeschlagene (systematische) Reihenfolge der Prüfschritte weiter. Und denke immer daran: es können natürlich auch mehrere Komponenten gleichzeitig hinüber sein! Also während der Diagnose die getauschten (Neu-)Teile nicht zurück-tauschen, bevor der Fehler nicht behoben ist.

Ich wünsche Dir viel Erfolg,
Bernd