Hallo Gerhard,
als erstes schlage ich vor, Du prüfst den Tachoantrieb unten an der Vorderradnabe. Dazu baust Du am besten den Tacho aus, bockst den Roller so auf, dass das Vorderrad frei ist und drehst am Vorderrad. Dreht sich jetzt die Welle oben am Tachoanschluss? Falls ja, ist hier wirklich alles in Ordnung. Falls nein besteht eine gute Chance, dass der Mitnehmer an der Vorderradnabe defekt ist (er kann z.B. aus der Führung springen, wenn die Montage nicht korrekt oder der Mitnehmer sehr abgenutzt ist).
Falls die Antwort auf die Frage aber "ja" ist, wird es schon etwas schwieriger. Im Tacho kann meiner Meinung nach eigentlich nur wenig derart brechen, dass gleichzeitig weder Tachonadel noch Kilometerzähler arbeiten. Es könnte die Feder an der Tachonadel sein - aber das ist es wohl nicht, weil dann wenigstens der Kilometerzähler funktionieren müsste. Es könnte sich im Tacho der Blechbügel, der die gesamte Mechanik auf der Glocke hält gelöst haben:

- Tacho Detail
Aber auch das ist nicht sehr wahrscheinlich. Die Verbindungen dieses Bügels sind zwar nur verpresst, aber so ohne weiteres lösen sich die nicht. Und wenn, dann wird vermutlich (erst einmal) nur eine der vier Verbindungen locker - der Tacho funktioniert dann aber noch (bei meinem Tacho ist z.B. eine dieser Verbindungen "grenzwertig", der Funktion tut das aber noch keinen Abbruch).
Was sein kann ist, dass durch Korrosion der sich drehende Teil in der Glocke so verschmutzt und "unrund" ist, dass er durch den durch die Tachowelle angetriebenen Magneten nicht mehr mitgenommen wird. Auf dem Bild von meinem zerlegten Tacho, den ich letztes Jahr überarbeitet habe, kannst Du sehen, dass es hier zu Rost kommen kann, der dann in der Glocke schleift:

- Tacho Detail 2
Wenn das der Grund ist, dann solltest Du das aber schon vor dem Ausfall bemerkt haben. Ich habe meinen Tacho deshalb zerlegt, weil er bei bestimmten Geschwindigkeiten "flatterte" und alles mögliche zwischen 30 und 80 km/h anzeigte. Nach der Überarbeitung läuft er jetzt wieder ganz ruhig und "sauber".
Schließlich könnte noch die Welle des Magneten gebrochen sein.

- Welle des Magnetantriebs
Aber auch das halte ich für eher unwahrscheinlich (die Welle ist vergleichsweise "kräftig").
Eine letzte Möglichkeit: das obere, viereckige Ende der Tachowelle greift in das untere Ende der Welle des Magnetantriebs. Dieser "Sitz" kann ausgedreht sein, so dass die sich drehende Tachowelle den Magneten nicht mehr antreibt. Das kannst Du prüfen, indem Du versuchst, ein passendes Stück (z.B. einen konisch zugeschliffenen Nagel) in den Tachowellenanschluss am (ausgebauten) Tacho zu stecken. Diesen "Nagel" dann mit einem Akkuschrauber antreiben und den Tacho beobachten - rührt er sich, wenn Du etwas Druck auf den "Nagel" ausübst? Dann spricht einiges für einen ausgedrehten Tachowellensitz in der Welle des Magneten. Aber bei dieser Prüfung extrem vorsichtig sein - dabei kann man versehentlich etwas kaputt machen (zumal, wenn der viereckige Sitz für die Tachowelle bereits Macken hat)! Also diese Prüfung bitte "auf eigene Gefahr", OK? Und falls es das sein sollte, rate ich auf jeden Fall dazu, den Tacho zu öffnen, zu zerlegen, gründlich zu reinigen und die beweglichen Teile frisch zu schmieren - der Sitz geht nicht "von selbst" kaputt, sondern höchstens dann, wenn die beweglichen Teile im Tacho durch Verschmutzung bereits sehr schwergängig sind.
Generell ist die Überholung des Heinkel-Tachos übrigens keine Raketenwissenschaft. Ein bisserl feinmechanisches Gespür sollte man haben (für reine Grobmotoriker ist das eher nichts) - aber es ist machbar. Und wenn Du die Beiträge hier im Forum zum Thema Tacho schon gelesen hast, dann weißt Du auch, dass das schwierigste daran die Entfernung und das Wieder-Aufbördeln des Chromrings ist. Wenn man hier aber mit Feingefühl und Geduld vorgeht, ist es durchaus möglich, den Ring zerstörungsfrei zu entfernen und nach der Tachoreparatur wiederzuverwenden.
Wenn Du überhaupt keine andere Möglichkeit findest, kann ich gerne versuchen, Deinen Tacho für Dich zu überholen. Allerdings ohne Erfolgsgarantie (und damit besser nur als "ultima ratio"). Ich bin kein Uhrmacher und ich habe das auch erst einmal gemacht - aber wenigstens war ich bei meinem Tacho erfolgreich.
Aber vielleicht es es ja tatsächlich nur der Mitnehmer an der Nabe - ich wünsche es Dir jedenfalls.
Viele Grüße,
Bernd