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Motor nahezu unverwüstlich ?

Verfasst: 25.09.2012, 17:15
von paprotno
Neulich fiel mir wieder ein älterer Artikel in die Hände, nach dem ich mich vor meinem Kabinenkauf richtete und dessen Aussage mir angesichts der Tatsache, dass ich seit Jahren problemlos einen 103A2 fahre, logisch erschien:

"...Da in der Heinkel Kabine ein leicht modifizierter Motor aus dem Heinkel Tourist eingebaut und dieser praktisch unverwüstlich ist, braucht hierauf kein großes Augenmerk gelegt zu werden..."

http://auto.freenet.de/magazin/autolebe ... 56464.html

http://www.heinkel-club.de/t3/m-l/vehic ... abine.html

Dazu eine Geschichte:

nach längerer Suche wurde mir im Herbst 2010 in Bonn eine "komplett restaurierte Kabine, wahrscheinlich eine der besten (?!) in Deutschland" zum Kauf angeboten.

Nach kurzer Probefahrt als Beifahrer sagte ich zu, der Verkäufer (KEIN! Clubmitglied) erklärte und demonstrierte anhand zahlreicher Bilder am PC die "Komplettrestaurierung von Karosserie, Dach, Bremsen, Polster, Verkleidung, Lager usw", der Motor sei ihm von einem Clubmitglied (!) mit den Worten "gut und fahrbereit" überlassen und von ihm eingebaut worden. Im übrigen habe er mittlerweile mehr als 1000 km problemlos zurückgelegt.

Kaum zu Hause vom Hänger abgeladen, begannen nach wenigen gefahrenen km die Probleme. Ich wandte mich an Siegfried Friedrich, Lüneburg (+2011), der unmittelbar nach Anlassen auch gleich wieder ausschaltete und zu einer Komplettrevision riet. Sein Merksatz: "Man kann nicht davon ausgehen, dass ein HEINKEL-Motor gut ist, nur weil er fährt." Der Motorneuaufbau wurde von ihm und Gerhard Rustenbach, Wohltorf durchgeführt und präzise dokumentiert, seit April 2011 verrichtet er nun ohne Mucken seine Arbeit, bisher 3600 km.

Motornr. 482 099, Ergebnis:

Auspuffkrümmer: Übergang zum Schalldämpfer abgebrochen

Pallas-Gasschieberdeckel: Krümmer für Bowdenzug defekt

Auspuff und Auspuffkonsole: Schrauben lose

Luftleitblech(innere Auspuffseite): falsch, stammt vom Roller

abgesetzter zweiter Kolbenring: falsch platziert (auf erster Stufe und verkehrt herum montiert)

Stehbolzen M 8 für Zylinder und Kopf aus dem Gehäuse gerissen, Bolzenende aufgeschweißt und mit Zollgewinde versehen

Kolben: Durchmesser 59,95 aus einem anderen Zylinder

Kurbelwelle: Lagerzapfen rechts durch unsachgemäße Demontage des Kugellagers beschädigt, Längsriefen, Simmering-Verschleiß

Glockenanker: aus zwei einen gemacht (Unwucht), Wicklung mit Bosch-Kollektor, Aufnahme von Siba, Glockenanker hat Masseschluß

Spulensatz: Plus-Kohlen haben Masseschluß

Kupplung total ausgeschlagen

Zugbolzen für Drucklager der Kupplung mit ca. 6mm-Schrauben verschweißt, Bolzen hat keine Führung für Drucklager

Nockenwelle vom A0-Rollermotor, die Schlepphebel vom A1/A2-Rollermotor

Lagerung (Bronzebuchse) der Nockenwelle hat sich im Gehäuse gedreht, Buchse außen mit Weichlot aufgelötet, dicker gemacht, wieder montiert, Buchse hat sich erneut im Gehäuse gedreht

gleicher Vorgang auch für die Bronzebuchse der Vorgelegewelle im Getriebe angewendet worden

Getriebe verbraucht = SCHROTT

Lüfterrad falsch, stammt vom Roller

Bremstrommel und Achse/Hinterrad ausgeschlagen

Hinterrad und Kronenmutter M16x1,5 nicht angezogen, lose

Rückzugfeder für Bremshebel am Hinterrad (Handbremse) falsch, die Feder stammt vom Roller


Merksätze:

1. Kaufe nie einen HEINKEL, ohne dass ein Fachmann neben Dir steht (es sei denn, Du bist selbst Fachmann) !

2. Auch ein HEINKEL-Motor ist nicht unverwüstlich (vgl. Artikelzitat von oben)

Re: Motor nahezu unverwüstlich ?

Verfasst: 30.09.2012, 23:14
von bims
Mein Merksatz lautet:
Kaufe nie ein "toprestauriertes" Fahrzeug, denn das kannst Du nicht bezahlen !

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wenn ich die Arbeitszeit und die Kosten für anständige Ersatzteile rechne,
ist ein solches Fahrzeug unverkäuflich ! :shock:
Oder man wird über den Tisch gezogen ! :mrgreen:

Wenn ich einen Oldtimer fahren will, dann mache ich möglichst alles selbst !
Ich weiß, daß gewissenhaft geschraubt wurde und kann stolz auf mein Fahrzeug sein ! :D