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Motorüberholung

Verfasst: 19.04.2012, 18:16
von verbert
Liebe Heinkelfreunde,

so genau weiß ich es nicht, aber es müssen etliche tausend Kilometer sein, die mein Heinkel 103-A0 mit mir anstandslos zurückgelegt hat. Natürlich gab es immer mal Kleinigkeiten zu richten, aber jetzt drängt es mich dazu, mit dem Gefummel aufzuhören und die Maschine von Grund auf zu überholen.

Die Gründe dafür sind:
1. Der Motor ölt stark – besonders nach langen Fahrten.
2. Der Motor braucht 500ml Öl auf 1000km.
3. Der Motor hat nur noch 6,5 bar Kompression.
4. Das Zündkerzenbild ist ölig-schwarz.
5. Läuft der Motor lange im Stand, kommt blauer Rauch aus dem Auspuff.
6. Bei 85km/h ist Sense – Leistungsverslust.

Nun die Fragen an die Experten.
Ich gehe davon aus, dass die Ventilführungen verschlissen sind (Diagnose aufgrund Punkt 5). Ist es hier am sinnvollsten, den Kopf vom Club überholen zu lassen?

Meine weitere Diagnose aufgrund Punkt 3 ist, dass wohl auch die Kolbenringe fällig sind. Was muss ich da machen? Schicke ich den Zylinder zum Club und sage, ich brauche einen neuen Mahle-Kolben mit Kolbenringen dazu. Hont der Club mir dann den Zylinder und ich kann Zylinder und Kolben so wie ich sie wieder bekomme ohne weitere Bearbeitung einbauen?

Was die Dichtigkeit anbelangt: Ich habe vor, mich an die Anleitung von Ekkhard zu halten. In der Hoffnung, dass meine Bemühungen dann auch von Dichtheit gekrönt werden sein. :-)

Gibt es noch weitere Tipps, die Ihr mir mit auf den Weg geben wollt? Nur so viel, ich habe das ganze Spezialwerkzeug in meiner Werkstatt und habe auch schon viel am Heinkel gemacht, Kupplung überholt, Kohlen gewechselt, Steini-Zündung verbaut und vieles mehr. Vollständig zerlegt habe ich den Motor aber noch nie – habe aber keine Angst davor...
Denn es gibt für alles ein erstes Mal.

Freue mich auf konstruktive Hinweise, Euer volker

Re: Motorüberholung

Verfasst: 19.04.2012, 19:18
von Wolfgang56
Hallo Volker,
Deinen Beschreibungen nach ist der Motor reif für eine Grundüberholung. Ich kann Dir auf jeden Fall ein Telefongespräch mit dem Typenreferenten SÜD, Gerd Schnieders (Ingolstadt) empfehlen; er kann Dir schon am Telefon so viele Details berichten, welche zu einer Grundrevision gehören, bzw. Auskunft darüber geben, was Du bei einer Eigenüberholung machen musst usw. Er macht das schon über 40 Jahre!
Über ihn habe ich z.B.meinen Zyl.Kopf auf Bleifrei umrüsten/überholen lassen, samt Zylinder und Kolben, parallel dazu Dynastarter überholen lassen und vieles mehr. Anschliessend wurde der Motor auf dem Teststand überprüft. Ich habe zwar auch einiges an Spezialwerkzeug, aber bestimmte Dinge konnte ich nicht in Eigenregie machen (mangels fehlender Werkzeuge für diesen Motor und mangels Teilesituation).
Grüße
Wolfgang

Re: Motorüberholung

Verfasst: 21.04.2012, 00:19
von heinkel-bernd
Servus Volker,
Du bist aber recht "bald" d`ran mit Deiner Motorüberholung ! :?
Ich fahre selbst einen A-0, der schon geschätzte 60.000 auf dem Motor hat und habe ausser Zylinder,
und Kolben noch nichts erneuert (sonstige Verschleißteile ausgenommen).
Den Zylinderkopf habe ich überholt, wozu man allerdings zum Ventilsitzfräsen, Ventile Abdrehen und
Einschleifen spezielle Werkzeuge benötigt !
Zu Beachten: Spannung und Höhe der Ventilfedern kontrollieren, Länge der herausragenden Ventil-
schäfte mittels Distanzscheiben ausgleichen !

Den hohen Ölverbrauch müssen nicht unbedingt die Ventilführungen verursachen !
Den Grund dafür sehe ich eher in einem verschlissenen Kolben und dessen Ringe in Verbindung mit einem
ausgeleiertem Zylinder ! :cry:
Einen neuen Kolben komplett mit Ringen und Bolzen (leider nicht mehr MAHLE) und einen dazu passend
geschliffenen Zylinder (im Tausch) bekommst Du beim Club.
Zu Beachten: Die Zylinderkopfdichtung mit Kupfer-Brennsteg verwende ich nicht mehr, da sich der schmale
Brennsteg in die Dichtfläche des Alu-Kopfes eindrückt. Stattdessen lasse ich den Kopf und den Zylinder
planfräsen und montiere sie "trocken" mit einer weichgeglühten Kuferdichtung 0,4mm dick ( Eigenbau).
Ich verwende auch die alte Fußdichtung ( Einbaulage merken), beidseitig mit Dichtmasse bestrichen,
dann erübrigt sich das nachziehen des Zylinderkopfes nach ca 300 km, da sich keine Dichtung mehr
setzen kann ! :D Ein weiterer großer Vorteil einer metallischen Kopfdichtung besteht darin, daß Kupfer
und Aluminium sehr gute Wärmeleiter sind und dadurch die Wärme des Zylinderkopfes schnell und
gleichmäßig auf den "gekühlten" Zylinder abgeben ! :idea:

Wenn das Kurbelgehäuse an der Trennfuge noch dicht ist, das Getriebe noch gut zu schalten geht, das
Lager der Antriebswelle noch in Ordnung ist und das Pleuellager auf der Kurbelwelle noch kein Spiel hat,
sehe ich keinen Grund dafür, den Motor komplett zu zerlegen !
Die Lauffächen der Schlepphebel und der Nockenwelle kann man bei demontiertem Zylinder durch den
Stösselschacht begutachten( mit einem Draht die Schlepphebel anheben)

Den abgelagerten Ölschlamm bekommt man bei ausgebauter Kupplung zum größten Teil
mit Kaltreiniger und einer gebogenen Flaschenbürste heraus.
Kurbelgehäuse  Kuppl. aussen kompr..jpg
Kurbelghäuse Kuppl. innen kompr..jpg
Wenn die Bronzelager des Schwingarmes noch nicht eingelaufen sind, würde ich nur die beiden
Gummi-O-Ringe erneuern.
Kupplungsbeläge und Federn würde ich auf jeden Fall erneuern und gleich dementsprechende Scheiben
unter die Federn legen. Innen- und Endlamellen prüfen !

Bei der Lichtmaschine empfehle ich Kohlenbegrenzer einzulöten (wurde hier im Forum schon mal behandelt)
Alle anderen Verschleißteile wie Radialdichtringe, Primär- und Antriebskette, usw. sind natürlich auch
gegebenenfalls zu tauschen !

Gute Ratschläge und Montageanleitungen gibt es neuerdings auch auf der Club-Homepage unter:
FAHRZEUGE - TECHNIK

Nun viel Erfolg und Spaß beim Schrauben und anschließend pannen- und unfallfreie Fahrt ! :wink: