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Heinkel im Deutschen Museum, München

Verfasst: 03.01.2011, 18:18
von anh
Der Titel der aktuellen Sonderausstellung des Deutschen Museums München deutet das Programm schon an: "Geliebte Technik der 1950er Jahre" setzt ganz auf den Charme jener Epoche und lässt sie mit mehr als 200 Exponaten wieder aufleben.

Nierentisch und Tütenlampe gelten als Ikonen der 50er Jahre. Doch in den Wirtschaftswunderträumen der Bundesdeutschen spielten praktische Dinge eine weitaus größere Rolle. Die Objekte der Begierde hießen Kühlschrank und Elektroherd, Waschmaschine und Fernsehgerät. Vor allem aber das Automobil. Sie bildeten das Ferment einer neuen, allen Gesellschaftsschichten gemeinsamen Erlebniswelt. Ihr Szenario waren die eigenen vier Wände – wobei der Pkw die Rolle eines zweiten, fahrbaren Wohnzimmers übernahm......

..... Der Wunsch nach individueller Mobilität war ein weiteres Kennzeichen der Epoche. Das Museum zeigt einige Zweirad-Legenden wie die NSU Quickly und die BMW R 50, dazu elegante Motorroller wie die Zündapp Bella oder die Heinkel Tourist. Ein Mercedes Benz 170 Va oder auch der "Große DKW" blieben dagegen für viele Zeitgenossen nur ein Traum.
Gleich am Eingang der Sonderausstellungshalle ist ein Heinkel Kabinenroller ausgestellt, ein Zwillingsbruder der beliebten Isetta "Knutschkugel". Ein Auto versprach eigentlich Freiraum und Intimität. Doch ob dieses Dreirad mit Dach solch ein Versprechen einlösen konnte, scheint zweifelhaft, wenn man einen Blick in seinen sehr beengten Innenraum wirft. Vielleicht kein schlechtes Symbol für eine Epoche, die Freiheit und Erfüllung hauptsächlich im Privaten suchte und dabei an ihre Grenzen stieß.
Die Nachkriegsgeneration wuchs in diesen Lebensstil hinein, verkörperte ihn und inszenierte ab 1968 seinen Niedergang, der in den Achtzigern mit der Einführung des Privatfernsehens abgeschlossen war. Die "Geliebte Technik der 1950er Jahre" gestattet einen Rückblick in jene ferne nahe Zeit, ähnlich einem Panoptikum oder einem dreidimensionalen Fotoalbum. Und wie alle Alben ist es eigentlich nur lesbar, wenn ein Experte beim Dechiffrieren hilft. In diesem Fall seien den Besuchern außer dem Begleitband zur Ausstellung vor allem Oma und Opa oder andere Menschen in deren Alter empfohlen, die mit ihren Erinnerungen die untergegangene Kultur der Jahrhundertmitte zum Leben erwecken könnten.

Quelle: Donaukurier

Andreas