Guten Tag, liebe Nibbi-Vergaser-Gemeinde,
kurz vor einem "längeren" Ausritt mit meinem 103-A1 habe ich Ende Juni einen 24er NIBBI montiert (jaja, RISIKO....) und - wie in den seinerzeitigen Beiträgen benannt - die 100er Hauptdüse und die 34er Leerlaufdüse montiert, ebenso einen 8cm-Luftfilter.
Die weiteren Teile nahm ich mit auf die Reise.
Nach nunmehr fast 7.000 km mit diesem Vergaser möchte ich gern meine Erfahrungen der letzten vier Wochen mitteilen, weil ich glauibe, dass kaum jemand bisher so viele Kilometer damit zurückgelegt hat - auch nicht so lange Einzeletappen am Stück (d.h. bis zu 300km bei mehr oder minder voller Leistungsabnahme, auf jedem Fall aber warmem Motor).
Auch denke ich, dass man einen Vergaser nicht wirklich fein einstellen kann, indem man mit geänderter Konfiguration mal kurz um die Ecke oder gerade 30 km fährt, um dann zu beurteilen, wie das Ding so geht. Das Verhalten zeigt sich erst so richtig "auf Strecke", wenn man an langen leichten oder heftigen Steigungen, bei heißem Motor, mit richtig Last und vor allem nach längerer Beobachtung unter unterschiedlichen Bedingungen über Stunden mit seinem Motor in den Dialog tritt.
Etwas zur Grundkonfiguration meines Heinkel:
- Der Motor ist ziemlich neu überholt (vor zwei Jahren Kopf / Original-Ventile / Nockenwelle mit 5mm Hub / Kupplung, Dichtungen u.a. - nicht aber Kolben/Zylinder) und seitdem bis zu der Tour rd. 2.000 km gelaufen
- Original-Ansaug- und Auspuffkrümmer (d.h. 20mm Einlassquerschnitt)
- NIBBI PE24mit 25er-Silikon-Turboschlauch aufgesetzt (mit etwas Mühe bekommt man den auch auf dem Stutzen des NIBBI
- Area1 Universal-Luftfilter
- der an sich intakte und nicht verschlissene Bing-Vergaser war OK, sorgte aber dennoch immer für Probleme, z.B. wg. Temperatur, Leerlauf, Verbrauch, ...
Wie von anderen berichtet lief der Roller sofort deutlich besser - stabilerer Leerlauf, etwas problematisch beim Anlassen, da man eigentlich drei Hände braucht (eine für den Choke, der von allein zurückschnappt, eine für den Anlasser und eine für's Gas).
Ja, der Wille zum Hochdrehen war dem Motor auf einmal anzumerken, aber auf Strecke fehlte dann immer etwas Mumm (Ruckeln bei 3/4-Gas und darüber, Einbruch an Steigungen), und ich habe nach vielen Anschauungs- und Versuchskilometern, zahlreichen Umkonfigurationen usw. zunächst die 102er, mittlerweile die 105er Hauptdüse eingebaut (ich probiere auch noch einmal die 108er aus, hatte bisher noch keine Veranlassung dazu).
Mit der Düsennadel bin ich eine Stufe unter die Mitte gegangen (d.h. etwas magerer), da er sonst bei kleinem Gasweg etwas zu fett wurde und "stuckerte" bzw. im Schiebebetrieb leicht absoff.
Es ist erstaunlich, wie stark die Veränderung des Verhaltens allein aufgrund einer Stufe an der Düsennadel ist - man braucht aber wirklich Gefühl für "Mager-Ruckeln", "Überfettungs-Stottern / -Spotzen" und dem Loch wegen "zuwenig Sprit in der Luft".
Das anfangs deutlich verspürbare Loch beim (Voll-)Gasgeben ist komplett weg! Der Motor nimmt in allen (!) Drehzahlen Vollgas an und zieht los - trotz des eigentlich nicht zum Ansaugkrümmer passenden Querschnitts.
Auch das Magrerruckeln im Teillastbetrieb ist weg.
Das zeigt sich auch im Kerzenbild - anfangs war die Kerze eher (hell)grau, nun geht sie ins bräunliche. Bei zu hoch hängender Düsennadel wird sie im längeren Teillast-Betrieb (z.B. Stadtverkehr) eher dunkel, deshalb habe ich die Nadel tiefer gehängt.
Der Verbrauch liegt gegenwärtig bei oben genannter Einstellung bei knapp 3,3 Litern / 100 km - das ist deutlich weniger als zuvor mit dem Bing (3,6 - 3,9 l/100 km) bei deutlich besseren Fahrleistungen. Ich hatte auch Etappen mit weniger als 3 l/100km.
Wie gesagt: Ich habe die vielen Kilometer mit rund 50 kg zusätzlichem Gepäck auf z.T. recht steilen Passstraßen zurückgelegt und erkannte meinen Motor nicht wieder.
Mittlerweile ist das Anlassen auch kein großes Problem mehr. Den Choke brauche ich selten - einfach Anlassen bei geschlossenem Gasgriff, bei erfolgender Zündung ganz (!!) vorsichtig ein wenig Gas geben, und der Motor läuft. Das klappt zumindest bei den gegenwärtigen Temperaturen bestens.
Fazit:
- Ich bin total begeistert von dem Vergaser, mit etwas Gefühl und Geduld kann man damit seinen Motor optimal mit Gemisch versorgen. Jeder Motor mag anders sein und ggf. andere Konfigiuration benötigen, etwas unwohl wäre mir allerdings die bisher propagierte Bestückung mit der 100er Hauptdüse - das dürfte bei längeren Vollgasfahrten bei jedem Motor zu weißer Kerze führen - damit zu Überhitztung und ggf. fatalem Schaden.
- Mehr Luft (infolge größeren Querschnitts) benötigt auch mehr Sprit - das ist eine Lehre.
Die andere, dass dies nicht unbedingt Mehrverbrauch bedeutet. Denn wenn der Motor optimal versorgt wird (d.h. weder zu mager noch zu fett), dann bringt er auch optimal seine Leistung, was sich in guten Verbrauchswerten niederschlägt.
- Ein Problem tauchte bei mir allerdings auf der langen Strecke auf:
Infolge der lange gefahrenen höheren Drehzahlen und Leistung stieg der Motorinnendruck so sehr an, dass insbesondere am (neuen!!) Öleinfülldeckel viel Öl austrat, trotz intakter Entlüftung mit vergrößertem Querschnitt und wirklich sonst sehr gut abgedichtetem Motor.
Das lag wohl am Blow-by - ein Indiz, dass auch Kolben und Zylinder mal überholt werden sollten.
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