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Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 11:45
von HenningW
Hallo Hans,
zu meinen Erfahrungen mit sogenannten Helicoil-Gewinde-Einsätzen.
Die von Tapir62 erwähnten Komplettsätze (Ebay) sind aus China und gehen für sehr untergeordnete Anwendungen, z.B. wenn eine M6-Schraube irgendein Blech halten soll. Die Stahlqualität ist einfach schlechter als Böllhoff.
Aber für einen hochbelasteten Zuganker, der dauerhaft pulsierende Drücke dicht halten muss, nehme ich Böllhoff. Der Mehrpreis steht in keinem Verhältnis zu dem Mehraufwand, wenn es nicht klappt = die Zylinderkopfdichtung rauspfeift.
Noch eine Anmerklung: Ich fahre auch noch XT 600. Da zieht es ab und an das Gewinde im Zylinder heraus, welches den Zylinderkopf auf dem Zylinder hält (andere Konstruktion als bei Heinkel!). Das haben wir (an 3 Mopeds für eine Mongolei-Reise) mit Time-Sert repariert. Das ist Profi-Zeug von Würth, nur da kaufbar, oder in USA. Die Time-Sert-Büchsen haben sich durch die pulsierende Belastung des Verbrennungsdrucks gelockert und irgendwann war die Zylinderkopfdichtung durch.
Warum: Weil Helicoil "flexibel" (über die Spirale) ist und so die Spannung = Belastung des Gewindes in der gesamten Gewindelänge verteilt, d.h. es tragen nicht nur die oberen Gewindegänge, sondern deutlich mehr.
War das verständlich? Ich hoffe ja.
Fazit: Beim beschriebenen Fall würde ich 2,50 Mark mehr investieren in Anbetracht der Arbeit. UNd eine möglichst lange Heli-Coil-Spirale nehmen, siehe oben das mit dem Verteilen der Spannungen.
P.S.: Das mit der Schablone geht auch, aber man muss "sauber" arbeiten.

Gruß

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 13:28
von Hans
Hallo Henning,
welche Stahlsorte ist den bei den Chinacoils verwendet und welche bei Böllhoff?
Gruß
Hans

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 13:40
von HenningW
Hallo Hans,

woher soll ich das wissen? Bei Böllhoff ist das sicherlich Betriebsgeheimnis, bei China ist das bekannt (nicht so gute Qualität!). Ich habe eine Hebebühne aus China, die jetzt kaputt ist. Das ist so mieser Stahl, unglaublich. Aus diesem Grund schließe ich darauf, dass die Heli-Coil aus China nicht die Qualität haben, wie das Original. Bei dem Preis, kann das ja auch nicht anders sein! Aber eigentlich ist es egal: Entweder man kauft "Geiz ist geil" und bezahlt dann mehrfach, oder gleich Qualität und es funktioniert.

Ich habe ein Prinzip: Ich hasse Pfusch. Deshalb mache ich es Richtig! Es gibt viele Heinkel-Roller, die teilweise sehr verpfuscht sind.

Gruß Henning

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 15:22
von Hans
Hallo Henning,
"Hebebühne", da habe ich eine aus Deutschland, die war sehr schnell kaputt, weil prinzipiell falsch konstruiert. Die Parallelogrammbewegung konnte so nicht funktionieren. Darum fahre jetzt ein französisches Auto. :wink:
Gruß
Hans

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 22:40
von Tapir62
Hallo Zusammen,
bin heute Abend ein bisschen weitergekommen.
Man sieht auf den Bildern ziemlich gut, dass es vorne abgeblasen hat. Kein Wunder, wenn da kein Zug mehr drauf war. Ich denke, die Fußdichtung kann ich nochmal verwenden. Die Kopfdichtung ist eine Kupferdichtung. Kann ich die auch nochmal nehmen oder würdet Ihr da eine andere nehmen?
Ich denke mal, dass ich mir dann zwei Stehbolzen neu vom Club hole.
Die Idee mit der Schablone erscheint mir immer sympathischer. Spricht eigentlich was dagegen, ein Brett als Schablone zu nehmen?
Morgen geht`s erstmal in Urlaub - an Karneval geht´s dann weiter.
Schönen Gruß aus Bonn und schon mal vielen Dank für die Tipps hier.
Stefan
Zylinderkopfdichtung.jpg
Zylinderkopf_1.jpg
Kolben.jpg
Fussdichtung.jpg

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 21.02.2019, 23:11
von Tapir62
https://www.amazon.de/gp/huc/view.html? ... 51dc4d%2C1

Das wäre doch der passende Helicoil-Satz, richtig?

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 22.02.2019, 01:25
von heinkel-bernd
Servus Stefan,

Leider finde ich den Beitrag nicht mehr, greife aber nochmals die Idee mit der Blechschablone auf :
Die Führungslöcher für den Bohrer würden sich in einem Holzbrett sehr schnell seitlich ausreiben :(
Die Bohrschablone würde ich aus mind. 2 mm dickem Stahlblech (eher dicker) fertigen.
die vier Bohrungen kannst Du natürlich von einer neuen Kopfdichtung übertragen.
Die hinteren Bohrungen nur so groß wie der Durchm. des Zugankers ist (8,0 mm),
die vorderen (zu reparierenden) so groß, wie der Bohrer im Reparatursatz.
Die Bohrschablone würde ich mit Distanzen (größeren Muttern, Scheiben, Hülsen und dergl.) in
einer Höhe über der Dichtfläche befestigen, sodass Du mit der Bohrerspitze noch das Ende des
vorhandenen Sacklochs erreichst, bevor das Bohrfutter aufsitzt.

Ich habe Dir schnell mal eine Skizze gekritzelt, damit verstehst Du diese Anleitung bestimmt auch besser :
Skizze für Bohrshablone Zylinder.jpg
.
Die alte Fußdichtung solltest Du wiederverwenden, damit der Zylinder wieder in die gleiche Position kommt,
in der er schon einige km eingefahren ist.
Dabei ist aber darauf zu achten, dass die Dichtung anhand des Abdruckes (Zylinder/Kurbelgeh.) wieder in der
gleichen Lage aufgelegt wird. Außerdem ist die Dichtung beidseitig und die Dichtfläche am Gehäuse und Zylinder
zu entfetten und beidseitig mit Dichtmittel zu montieren !

Anhand des Fotos vermute ich, dass es sich bei der Kopfdichtung um eine Art "Sandwich"-Werkstoff handelt,
bei der eine weiche Dichtung beitseitig mit Kupferfolie beschichtet ist. Von dieser Art Kopfdichtung halte ich
gar nichts und Du solltest sie auch nicht wieder verwenden !
Eine Massiv-Kupferdichtung, wie ich sie am Zylinderkopf verwende, kann wieder weichgeglüht werden und
mehrmals wieder montiert werden :wink: Dazu müssen aber beide Dichtflächen exakt plan geschliffen werden !
Hast Du die Möglichkeit des Planschleifens (Maschine) nicht, würde ich zu einer Dichtung mit Kupferbrennsteg
greifen.

Wenn Du mit Reißnadel und Stahlbürste die Gewinde der Zuganker von dem anhaftenden Aluminium befreist,
solltest Du sie wieder verwenden (das Ende mit dem kurzen Gewinde in`s Gehäuse) !
Es gibt i.d.R. nichts besseres als das Original :wink:

Dein link öffnet leider nur einen leeren Einkaufswagen bei Amazon :(

Schönen Urlaub und danach viel Erfolg bei der Reparatur :D

Noch kurz off topic:
Wen Du die Fotos nich so sehr komprimierst, kann man sie im Forum noch vergrößern und sie bleiben etwas schärfer :wink:
Ich komprimiere immer mit "Office Picture Manager" auf "Dokumente" (ca. 150 bis 200 KB)

Mann......, jetzt ist das schon wieder so ein langer Beitrag geworden :shock:

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 22.02.2019, 11:16
von Tapir62
Hallo Bernd,

ganz herzlichen Dank für den langen Beitrag und die Skizze. So werde ich es machen. Hier nochmal der Link:

https://www.amazon.de/Gewindereparaturs ... elicoil+m8

Passt das vom Preis her? Weil da steht: Abbildung ähnlich wie Original. Aber müsste ja dann wirklich HeliCoil sein...

Schönen Gruß

Stefan

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 22.02.2019, 15:52
von heinkel-bernd
Servus Stefan,

in der Beschreibung steht ein paar mal "Helicoil", der Koffer und die Anleitung
sehen aus wie von Helicoil, dann wird es schon Helicoil sein :wink:

Vom Preis bin ich angenehm überrascht :D

Die Coil-Länge, die Du für diese Sackgewinde brauchst, kannst Du der Tabelle im Set entnehmen.
Bedenke; Die Gewindegänge des Coils werden beim Eindrehen etwas auseinander gezogen.
Der Coil wird in der Bohrung also etwas länger ! (Darf ja keinesfalls herausragen !)

Was ich in meiner Anleitung zur Bohrschablone noch vergessen habe:
Diese Schablone musst Du natürlich auch zum Einschneiden der Gewinde verwenden !
Da aber der Gewindebohrer im Schneidebereich dicker ist, musst Du evtl. die Schablone nochmals
entfernen, den Gewindebohrer von unten in die Schablone einfüren und diese in der passenden
Höhe wieder an den Zugankern fixieren :wink:
Eine Verlängerung für den Gewindebohrer wäre natürlich auch vorteilhaft.
Vielleicht passt ja die Verlängerung aus einem 1/4"- oder 3/8" Nusskasten :?
Zum Bohren und Gewindeschneiden dünnflüssiges Öl verwenden (Petroleum, Kriechöl oder dergl.)
und Werkzeuge ab und zu heraus drehen und ab-/ausblasen.

Jetzt sollte die Reparatur aber klappen :D

Viel Erfolg und

Re: Stehbolzen - kein schöner Anblick

Verfasst: 22.02.2019, 18:19
von HenningW
Hallo Bernd,
perfekte Beschreibung!
Gruß Henning