Moin,
wenn sonst keiner will...dann mal los:
Die Stahlbuchse der Abtriebswellen-Lagerung mit Loctite 638/648 einkleben*.
Die Bronzebuchsen der Schwingenlagerung mit Loctite 638/648 einkleben*.
* Vorher peinlich genau reinigen und entfetten, danach gaaanz leicht mit 220er bis 280er Schleifpapier reinigen/anrauhen und nochmal mit Aceton
o. ä. säubern.
Buchsen und Bohrung dann mit Loctite benetzen, montieren und leicht mit einer Schraubzwinge an den Bund der Bohrung drücken.
Dadurch bekommst Du auch eine sauber fluchtende Lagerung.
Die Bronzebuchse würde ich auch axial am Bund großzügig mit Loctite benetzen, stützt zusätzlich ab und ist dann sicher Öldicht.
Vorher den Bund am Getriebe anschauen, nicht daß der Hügel oder Macken hat…Schrauber und Hammer halt
Hierbei die Schwinge vor Endmontage incl. Lüftergehäuse noch einmal montieren und die Spaltmaße Buchsen / Lagerhülsen überprüfen.
Diese sind wichtig, weil sie das axiale Spiel der Schwinge festlegen und dabei gleichzeitig die ausreichende Verpressung der Dichtringe zwischen Buchse und Lagerhülse sicherstellen….sonst kann das ölen.
Ich fertige meine Buchsen passend aus RG7 (CuSn7) auf Maß selbst an.
Die Originalbuchsen sind aus CuSn7Pb15, welche sehr ähnliche Werte (etwas bessere Trockenlauf-Eigenschaften) haben, jedoch als Halbzeug nicht zu bekommen sind.
Das axiale Spaltmaß stelle ich dabei immer nahe 0 (max. 0,05mm) ein, um eine spielfreie, axiale Schwingenlagerung zu erhalten, die furztrocken ist und bleibt.
Bei mir sieht man also optisch keinen Spalt.
Falls Du große Spaltmaße hast, hilft evtl. eine 2te Dichtung unter eine Lagerhülse an der Schwinge zu legen….nicht der Königsweg, aber funktioniert.
Später, vor Endmontage der Schwinge die Buchsen und Lagerhülsen großzügig einölen.
Tip: Original-O-Ringe wegschmeißen und X-Ringe verwenden.
Diese halten viel länger, dichten deutlich besser/sicherer und können sich nicht verdrehen.
Die X-Ringe (O-Ringe auch) vor der Montage an den Dichtflächen mit Fett benetzen.
Wenn Du nicht weißt welchen X-Ring, brauche ich die Nutabmessung deiner Buchsen, dann kann ich dir ´n passenden raussuchen….gibt´s auch in
der Bucht.
Der Kolbenfresser:
Ist kein Weltuntergang, da hier der Bereich der Kolbenringe/Feuersteg (noch) nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Ist er nur einseitig an der Druckseite (nach hinten zeigend) und vorne nichts?
Wenn ja, handelt es sich um Mangelschmierung.
Bedeutet entweder falsches/minderwertiges Öl, zu geringer Ölstand, deutlich zu fettes Gemisch oder partielle Überhitzung der hinteren Zylinderfläche mit Versagen des Ölfilms.
Kolben-Reparatur:
Nie mit Schmirgelpapier!, sondern mit einer feinen Feile die Fressspuren vorsichtig entfernen.
(Es lösen sich immer Schleifpartikel aus dem Träger, welche sich im weichen Aluminium festsetzen können und ggf. weitere Schäden/hohen Verschleiß verursachen können.)
Feilrichtung quer oder in 45° der Kolbenachse, so hält er das Öl besser.
Nicht zu viel wegnehmen, immer mit einem Haarlineal o. ä. im Lichtspalt ständig kontrollieren!
Kontrolle, ob der Ölabstreifring in dem Schadensbereich noch „frei läuft“.
Kontrolle sämtlicher Ringe mit der Lupe, ob da evtl. ein Schaden vorliegt.
Zylinder-Reparatur:
Wenn Alu vom Kolben auf die Lauffläche übertragen wurde, auf keinen Fall mit Schmirgel, Schaber, Feile oder ähnlichem dran gehen.
(Fressspuren sind meist im oberen Zylinderteil und da müssen auch die Kolbenringe drüber.
Nimmt man dort Material weg, mögen das die Ringe überhaupt nicht, es kann durchblasen und/oder zu deutlich erhöhtem Verschleiß führen und der nächste Schaden ist in Sicht.)
Mit Natriumhydroxid (NaOH) eine konzentrierte Lauge anrühren (20ml Wasser mit 5-10g Natriumhydroxid)….NaOH gibt’s/gabs in der Apotheke oder in der Bucht.
Oft geht auch Abflussreiniger, der meist viel Natriumhydroxid enthält.
Die starke Lauge zersetzt das Aluminium (und die Finger, also Vorsicht!), ohne den Guss anzugreifen.
Da ich aber die Legierung deines A0-Zylinders nicht kenne und manchmal Pferde vor der Apotheke kotzen, sicherheitshalber vorher an einer metallisch blanken, entfetteten Stelle (angeschliffene Kühlrippe) testen….ggf. auftretende Verfärbungen sind egal.
Zylinderlauffläche innen nun reinigen und im Bereich der Fressspuren entfetten.
Mit einem Wattestäbchen die Lauge auf das Aluminium in der Zylinderlauffläche geben.
Je nach Menge des Aluminiums an der Zylinderlauffläche kann der Vorgang einige Stunden dauern bis die Lauffläche vollständig vom Aluminium befreit ist.
Gelegentliches putzen der Schadstelle und aufbringen neuer Lösung beschleunigt den Alu-Abtrag.
Das Ganze wiederholt man so lange bis die Zylinderlauffläche wieder einwandfrei ist.
Die Lauffläche des Zylinders anschließend reinigen und sofort mit Motoröl einölen, da NaOH extrem stark entfettet= Rost.
Am Schluss noch:
Vor der Montage der Motorhälften checken, ob das Fenster unten im KW-Raum der einen Motorhälfte (zumindest A1 / A2) keine Gusshäute o. ä. hat (hab ich schon gesehen) und dieses ggf. mit einer Feile "öffnen" oder ETWAS erweitern - der Durchlass regelt die Ölmenge, die von der drehenden KW verteilt wird.
Motor nach Montage mit passendem/ordentlichem Öl füllen und die ersten 200km schonend fahren, falls sich da noch was einsalpetern muß.
Ölstand möglichst nicht unter Mitte der 2 Peilstab-Markierungen fallen lassen, bei einigen Peilstäben (da scheint es Unterschiede zu geben) erscheint mir die Minimum-Markierung als zu niedrig oder zumindest streng grenzwertig.
Dann langsam steigern, wie beim Einfahren.
Soweit meine 5 Pfennig dazu, ich hoffe es kam verständlich rüber, sonst einfach fragen.
Gruß & gutes Gelingen
Wolfram