Initiative Brockhaus

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HeinkelMe
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Initiative Brockhaus

Beitrag von HeinkelMe »

Hallo Heinkler,
habe eigentlich für die Club-Zeitschrift eine kleine Kolumne verfasst. Hab sie hingeschickt aber keine Antwort bekommen. Da ich sie nun schon mal geschrieben habe, möchte ich sie auf diesem Wege dem geneigeten Leser zukommen lassen. Also viel Spaß:

Initiative Brockhaus
1983 nahm das renomierte medizinische Wörterbuch Pschyrembel die Steinlaus als fingierten Lexikonartikel (Nihilartikel) ins Nachschlagewerk auf.
Ich bin der Meinung die Steinlaus darf nicht wirklich alleine bleiben. Es ist eine wunderbare Sache, wenn sich die Wissenschaft auch mit Themen beschäftigt, die sie eigentlich nur peripher tangieren. Im Großen Brockhaus meines Schwiegervaters, den er trotz Internet noch besitzt und für den eigens ein Aufbewahrungsmöbel größeren Ausmaßes existiert, habe ich nach folgenden Begriffen vergeblich gesucht. Ich fordere den Heinkel Club und alle Mitglieder dazu auf mich bei meiner Initiative zu unterstützen. Sorgen wir dafür, dass die folgenden Begriffe in den Großen Brockhaus aufgenommen werden.

Heinkeln: Verb, „Lass uns heinkeln!“ Tätigkeit die das glückliche Bewegen des besten motorisierten Zweirades der Welt beschreibt. Heinkeln verbindet die Tätigkeit des Motoradfahrens mit dem unbeschreiblichen Glücksgefühl der Lenker eines wunderschönen, hoch zuverlässigen und doch sehr seltenen Fahrzeuges zu sein. Heinkeln beschert seinem Lenker die bewundernden und aufmerksamen Blicke seiner Umgebung. Begriffe wie suzukien, yamahen oder auch peugotien haben, im Gegensatz zum heinkeln, schon wegen ihrer phonetischen Kompliziertheit keinen Eingang in die Umgangssprache gefunden.
Der Heinkler: Subjekt, Im wahrsten Sinne des Wortes ist der Heinkler ein Subjekt. Ein Mensch mittleren Alters, der oft in größeren Gruppen auftritt. Diese Gruppen werden als Regional Clubs bezeichnet. Als Heinkler tritt der Heinkler nur unter zwei Bedingungen oder Begebenheiten in Erscheinung.
Erstens und vornehmlich dann, wenn er auf seinem Zweirad sitzt und durch die Gegend heinkelt. Bei dieser Gelegenheit ist er zwar als Heinkler identifizierbar, aber aufgrund der gesetzlich erzwungenen Vermummung nicht wirklich erkennbar.
Zweitens, bei Treffen die als: Heinkel-Treffen, Lagertag, Schraubertag, Heinkeltouristik und ähnlich bezeichnet werden. Man erkennt die Heinkler auf diesen Treffen natürlich an ihren Rollern oder Perlen aber auch an ihren T-Shirts, Käppis, sonstigen Devotionalien die sie in Verbindung mit ihrem Fahrzeug bringen oder eben, am glücklichen Gesichtsausdruck, der sie deutlich von anderen Zweiradbesitzern abhebt.
Der Heinkler ist, im Gegensatz zum Suzuki, der eher gedrungen und klein erscheint, kognitiv und motorisch in der Lage in kompliziertesten verkehrstechnischen Situationen durch den optimalen Einsatz von Gas, Bremsen, Kupplung und Schaltung an seinem Zweirad, die für alle Beteiligten beste Lösung der Situation herbeizuführen. Versuchen sie so etwas mal mit dem eben beschriebenen Suzuki auf einem Heinkel Fahrzeug. Der Fahrer wäre hoffnungslos überfordert.
Neben der eben angeführten Bewunderung seiner Umgebung führt dies bei Heinklern zu einer deutlichen Stärkung des Selbstwertgefühls. Dabei kann es dann schon mal zu etwas überzogenen Äußerungen kommen. Aussprüche wie „Unser AAner fährt kann Japaner“ sind in einschlägigen Foren durchaus zu finden. Sehen wir es den Heinklern nach, deren vornehmliche Interesse es ist ihre Fahrzeuge, die sie selbst gern als Legende bezeichnen, am laufen zu halten.

Bakterius Heinkelus: Bakterium, bisher nicht explizit erforscht. Im Gegensatz zur oben erwähnten Steinlaus, für die es im Wörterbuch Pschyrembel auch mikroskopische Fotografien gibt, ist das Bakterius Heinkelus den Wissenschaftlern bis heut verborgen geblieben. Trotz dieses Defizits ist die Wirkungsweise des Befalls mit diesem Bakterium in umfangreichen Feldtests nachgewiesen worden. Die Infektion mit diesem Bakterium, die meistens mit dem Erstkontakt mit einem Heinkel Fahrzeug einhergeht, führt zu einem unmerklichen aber doch rapiden Übergang vom Normalmenschen zum Heinkler. Der allgemeine Zustand und die jeweilige Lebenssituation scheinen sich bei Menschen, die befallen sind, kontinuierlich zu verbessern. Der Mensch fühlt sich insgesamt wohl, wenn er auch von einem scheinbar unbändigen Drang zur Pflege seines Fahrzeuges geplagt zu werden scheint. Dennoch hebt die Infektion deutlich die Stimmung und wirkt extrem verjüngend. Jedenfalls sind mir nur sehr wenige Heinkler begegnet, deren äußeres Erscheinungsbild in Korrespondenz zu ihrem biologischen Alter steht. Sie wirken schwungvoller jünger und scheinen eine nahezu infantile Freude an der Verschönerung ihrer Fahrzeuge zu haben. Ganz im Ernst, man sollte darüber nachdenken ob nicht eine provozierte Infektion bei einigen Arten von Depression oder Lustlosigkeit als Therapie in Betracht zu ziehen wäre.
Doch eins nach dem Anderen. Sorgen wir erst einmal dafür, das Heinkler, heinkeln und die vermeintliche Krankheit Einzug in den Brockhaus finden.
Mit einem Lächeln auf der Seele und einem Grinsen im Gesicht
Markus Alias HeinkelMe #7665
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heinkel-bernd
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Markus,

Ganz toll gemacht ! :lol: Meine Stimme für Dein "Heinklerbegehren" hast Du !

Diese aufschlussreichen Zeilen werde ich zur nächsten Selbsthilfegruppe mitnehmen um meinen Leidensgefährten
aufzuzeigen, daß es mit diesem Infekt :oops: zwar keine Heilungs-Chancen gibt, man damit aber prima leben kann ! :D

Es wundert mich aber, daß Walter Block diese Erörterung nicht in die Heinkel-Info gesetzt hat ! :shock:

Könnte man das als PDF-Datei bekommen um es nicht alles neu schreiben zu müssen ?
Wäre `ne prima Sache ! :wink:
Ich versuche es aber erst mal aus dem Forum abzuspeichern !

Nachtrag:
Das mit dem Speichern hat geklappt ! :wink:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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HeinkelMe
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von HeinkelMe »

Hallo Bernd,
Habe Walter Block vor längerer Zeit über die E-Mail Adresse den Text geschickt. Habe mich dann nicht mehr drum gekümmert und keine Antwort bekommen. Vielleicht war es ja ein Kommunikationsproblem.
Prima, dass du es nochmal versuchst. Danke dafür!
Markus
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BerndSt
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von BerndSt »

Hallo Markus,

ich schließe mich hier heinkel-bernd an. Insb. die wundersame Heilkraft des therapeutischen Heinkelschraubens kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. So mancher Psychiater könnte sich direkt bei der Arbeitsagentur anmelden, falls sich diese Therapieform herumsprechen würde. :lol:

Aber vielleicht läßt sich daraus ja eine Geschäftsidee ableiten? Therapeutische Heinkelwerkstatt! Ein Traum! Schritt 1: Der Betroffene wird mit dem Heinkelvirus (sic! Virus, nicht Bazillus!) infiziert. Schritt 2: Dem Betroffenen wird ein fahrfähiger, aber etwas verbastelter Tourist (bei leichten Fällen: Perle, bei schweren Fällen: Kabine, bei besonders schweren Fällen Kabine in nicht komplettem, aber total zerlegtem Zustand) zum Kauf vermittelt. Schritt 3: der Heinkeltherapeut (am besten ein auf 2-Rad-Mechaniker umgeschulter ehemaliger Psychiater) unterstützt den Infizierten bei der Instandsetzung des Fahrzeugs und hilft ihm gleichzeitig, die Unsinnigkeit seiner Depression angesichts des enormen Spaßpotentials seines Fahrzeugs einzusehen. Schritt 4: vollständige Heilung des Infizierten (nur der Virus verbleibt leider im Metabolismus des Klienten - aber das stört den dann ja nicht mehr).

Therapeutisches Heinkelschrauben scheint besonders indiziert bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Ebenfalls bei mittelschweren Fällen von Midlife-Crisis (bei schweren Fällen hilft hier leider nur eine langbeinige Blondine und ein mindestens 250PS starker Roadster). Ob therapeutisches Heinkelschrauben auch gegen Soziopathie hilft müsste erst geprüft werden - ein entsprechender Feldversuch bietet sich für eine Doktorarbeit geradezu an!

:twisted:

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von heinkel-bernd »

Ich glaube der Schöpfer unserer Fahrmaschinen Ernst Heinkel würde sich über so viel Unsinn,
wenn er es nicht schon wäre, totlachen ! :lol: :lol: :lol:
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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BerndSt
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von BerndSt »

Hallo Bernd,

warum??? (unschuldig dreinschauend - leider kein fertiger Smiley in der Auswahl)

Ich dachte eigentlich bei meinem Beitrag gezielt an die "Therapeutische Rollerschmiede Oberfranken". Du warst nicht zufällig in einem früheren Beruf Psychiater? Nein? Kein Problem! Das kann man ja per Fernkurs nachholen. :mrgreen:

Viele Grüße,
Bernd

P.S.: ich war in einem früheren Beruf übrigens mal Sozialpädagoge (lang, lang ist's her). Müsstest Dich für eine psychiatrische Ausbildung also nicht (sehr) schämen. :twisted: Aber wen Du meine Geschäftsidee nicht umsetzen willst, kann ich auch nichts machen. Hättest reich werden können...
SNAFU!
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HeinkelMe
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von HeinkelMe »

Danke Jungs,

Ist doch irgendwie beruhigend, dass es uns immer wieder gelingt, ernsthafte Themen anzusprechen und auszudiskutieren. Ich glaube, wir sollten uns im Verlaufe der weiteren Diskussion mit folgendem Aspekt noch etwas näher beschäftigen:

Warum um alles in der Welt gibt es diesses Phänomen nur bei unseren Fahrzeugen? Liegt es an der Reife, der Ausgereiftheit, dem unschlagbar klaren Design oder ist es einfach nur Zufall? :roll:
Brave Mädchen kommen in den Himmel, (Heinkel-) Perlen kommen überall hin!
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BerndSt
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Re: Initiative Brockhaus

Beitrag von BerndSt »

Hallo Markus,

ich habe da so eine Theorie: der Heinkel trägt bauartbedingt zur Entschleunigung bei. Dies ist etwas, was in den modernen, hektischen, von permanentem Termindruck geprägten Zeiten höchst selten geworden ist. Tatsächlich bezahlen geplagte Manager gutes Geld für Seminare und Kurse, in denen sie lernen langsamer an Dinge heranzugehen.

Hinzu kommt die vergleichsweise einfache aber doch raffinierte Technik unserer Fahrzeuge, die es auch dem Anfänger erlaubt, schnell zu Erfolgserlebnissen zu kommen. Auch damit verdient sich so mancher Motivationstrainer eine goldene Nase. Nimm nun noch die begrenzten Möglichkeiten des Tunings hinzu und Dir wird klar, warum sich der Heinkelist von anderen 2-Radfahrern unterscheidet. Trifft man z.B. irgendwo auf eine größere Gruppe anderer 2-Radfahrer mit Fahrzeugen ähnlicher Baujahre, drehen sich die Gespräche doch oft um nachzurüstende Duplexbremsen, Leistungssteigerungen, moderne Reifen für noch schneller Kurvengeschwindigkeiten etc. Dem Heinkelisten bleibt hier (ebenfalls bauartbedingt) von vorne herein der Schnabel sauber und er kann sich dadurch mehr auf das angenehme und doch stetioge Gefühl des zuverlässigen Vorwärtskommens konzentrieren. Das bringt Ruhe und Zufriedenheit ins heinkeln - et voilá!

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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