Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Motor-Vergaser-Antrieb
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ThomasD
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Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von ThomasD »

Hallo erstmal an alle die es lesen,
mein Name ist Thomas ich 50 Jhre alt und ich wohne in Berlin.
Ich habe einen 103A2, den ich von meinem Vater geeerbt habe.

Das gute Stück stand nun gute 12 Jahre im Gartenhaus und ist von mir vor ein paar Wochen wieder auf die Straße geholt worden. Ich fahre seit 34 Jahren Motorrad, aktuell eine Moto Guzzi LeMans 2, die nun auch schon seit 25 Jahren. Ein Heinkel war mein erstes 1'er Motorrad (Roller), den ich hatte. Ich habe ihn als zuverlässigen, problemlosen Roller im Gedächtnis. Den Ersten Heinkel habe ich nachdem ich mir größeres Motorrad leisten konnte meinem Vater geschenkt. Der Gute wurde von mir dadurch mit einem Heinkel Virus infiziert, der darin endete, das er zwischenzeitlich bis zu 3 Roller hatte, die er aufbaute. Der letzte aus dieser Reihe ist nun der den ich habe. Er sieht aus wie neu und ist seit der Überholung gerade mal 234Km gelaufen, denke ich.

Das es nicht leicht sein würde das Teilchen nach 12 Jahren Gartenhaus wieder zu reaktivieren war klar.
Nachdem ich ihn in meiner Werkstatt hatte, gings erstmal ganz optimistisch zur Sache. Neues Öl (SAE30 Castrol), neue Batterie (Umgebaut auf eine 12V Batterie ist er bereits), Tank entrostet und von irgendwelchen Teerschleim befreit.
Dann ein bischen ohne Kerze drehen lassen, das sich das Öl schön verteilt, Kerze rein, Benzin dazu und ....., das Rollerchen springt doch tatsächlich sofort an und läuft einwandfrei im Leerlauf. Alle Gänge lassen sich durchschalten. Er raucht ein bischen aber das liegt wohl an der langen Standzeit, dachte ich.
Also dann neue Reifen bestellt und montiert um ihn zum TÜV zu fahren und anschl. zuzulassen.

Bei der Reifenmontage bemerke ich ein merkliches Spiel am Hinterrad (nicht TÜV tauglich), nach mehrmaligem Ein- und Ausbau, komme ich endlich drauf das da eine Stahlbuchse in der Alunabe eingegossen ist, die nicht mehr fest ist. Also Nabe auf die Fräse und vier Senkkopfschrauben M4x30mm lang gesetzt, mit Loctite eingeklebt und Köpfe übergefräst.
Hinterrad hat kein Spiel mehr. Also ab zum TÜV, war auch kein Problem. Auf dem Wege zum TÜV, fällt auf, das der Tageskilometerzähler am Tacho stur bei 234Km bleibt. Also Tacho ausgebaut geöffnet und die Antriebsmechanik vom Aluminiumoxid befreit. Alles wieder zusammen gebaut und geölt,... funktioniert auch wieder einwandfrei.
Dann fällt auf, daß das Teilchen immer mehr qualmt (Öl), also doch mal den Zylinder runter. Alles durch gemessen.
Kolbenringstoßspiel 0,8mm. Zylinder leichte Riefen, Kolben hatte auch schon gelitten. Also da ich Roller benutzen möchte habe ich gleich in einen Austauschzylinder (Ø61,5mm) mit Mahle Kolben und neuen Ringen investiert.
Alles von Herrn Kress, ich denke der dürfte hier bekannt sein.
Die Teile kamen prompt, schnell alles eingebaut und los gings. Qualmt immer noch! Also nochmal alles auseinander. Der Ölabstreifring war falsch montiert. Alles wieder zusammen gebaut und .... qualmt immer noch.

Wieder alles auseinander und den Zylinderkopf überprüft, hätte ich ja auch gleich machen können, kam aber bei den anderen offensichtlichen Fehlern nicht gleich darauf. Die Auslassventilführung war ausgeleiert, also schnell mal eine neue gedreht und montiert (eingeschrumpft mit 0,07mm Übermaß), Ventil eingeschliffen, alles zusammen gebaut und .....qualmt immer noch.

Nochmal alles auseinander gerissen, ich lass mich doch nicht weichkochen, dachte ich.
Nachdem ich alles nochmal überprüft habe stelle ich fest, das die neuen Kolbenringe schon mit 0,4mm Stoßspiel an der Verschleißgrenze sind. Teile bei Herrn Kress reklamiert, Austauschringe eingebaut mit 0,3mm Stoßspiel.
Und er qualmt !!!! Oh Mann so langsam macht der mich doch fertig!!!

Aber aufgeben ist nicht. Als nächstes dachte ich bei mir:,, vielleicht müßen sich die Ringe erstmal so richtig einschleifen.''

Rauf auf den Roller und mal eine schöne gemächliche Tour über den Stadring, wäre meine Vorstellung gewesen,
wenn da nicht plötzlich exakt hinter der Stadtgrenze der Vierte Gang rausspringt. Der Motor läuft normal weiter,
nur der Gang ist rausgesprungen, ohne irgendwelche mechanischen Geräusche oder ähnliches.
Blinker gesetzt, rauf auf den Standstreifen zum ausrollen. Bei langsamer Geschwindigkeit lies sich dann wenigstens der dritte Gang wieder einlegen, so das ich die nächste Ausfahrt erreichte.
Man Man Man, dat kostet Nerven.
Fazit nach kurzem Gefummel auf der Landstraße. Zweiter und Dritter gang lassen sich einlegen, Vierter, Erster und Lerrlauf nicht!!! Und er qualmt!!!!!!!!!!!!!
Also im Dritten Gang mit sechzig zurück in die Werkstatt. So da steht er nu.

Nach dem nun alle die dies gelesen haben, sich vom Lachkrampf erholt haben, wäre ich für Rückmeldungen, Komentare und Tips dankbar. Diesmal frage ich vorher mal jemanden der sich mit Heinkel auskennt, bevor ich wieder alles x-mal zerlege, um vielleicht gleich den richtigen Fehler zu beheben.

Ich habe mich schon ein bischen in ,,das rollende Sofa'' verliebt und möchte ihn unbedingt fahren. Da er mir als Alltagstauglich in Erinnerung gebleiben ist, hoffe ich daß das nur ,,leichte '' Startschwierigkeiten sind.

Grüße aus Berlin , Tommy
manfred030

Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von manfred030 »

Moin,

ich verstehe nicht, warum Du nicht zum Stammtisch der Heinkelfreunde Berlin gehts. Da werden Dir mit Sicherheit Wolfgang, Werner, Norbert usw. helfen.
Gruß
Manfred
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Matthias
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von Matthias »

Hallo Tommy, herzlich Willkommen im Forum der Heinkel-Freunde und Heinkel-Schrauber. Wenn du Fragen zu Deinem Heinkel-Fahrzeug hast, egal ob sich um Heinkel-Tourist, Perle oder Kabine handelt, findest Du hier kompetente Hilfe. Wir freuen uns über rege Beteiligung, den davon lebt unser Forum.

Ich gehe mal davon aus, daß es sich bei deinen Problem wirklich nur um Startschwierigkeiten handelt. Es wäre vielleicht ganz gut - so wie das Manfred auch schon angeregt hat - mal direkt mit einem langjährigen Heinkler zu sprechen. Dazu sind ja unsere Regional-Clubs und Stammtische da. Schau mal unter http://www.heinkel-club.de/t3/m-l/club/ ... erlin.html,das sind die Kollegen aus Berlin, die dir sicherlich gerne mit Rat und Tat weiterhelfen.

Grüße nach Berlin, hab selbst in den 90igern in der Nähe des Reichstags gelebt und muß mal unbedingt wieder hin.
Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund

Matthias




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bims
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von bims »

Servus Tommy ,

schön, daß Du hier im Forum gelandet bist ! :lol:

Ich fahre auch erst seit 9 Jahren den Heinkel Tourist, den ich mir damals zu meinem 50sten Geburtstag
gegönnt und restauriert habe. Hatte auch keine Ahnung von der "Heinkel-Technik", die ja im Prinzip recht einfach,
in einigen Bereichen genial aber an manchen Stellen auch mit besonderen Eigenheiten umgesetzt wurde ! :idea:
In dieser Zeit habe ich über dieses Fahrzeug, teils durch Sammeln eigener Erfahrungen aber überwiegend über
das Forum und unseren monatlichen Heinkel-Stammtischen so viel gelernt, daß ich schon vielen anderen
"Artgenossen" mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte.

Wer als "Laie" möglichst alle Wartungs-, Einstellarbeiten und Reparaturen an seinem Heinkel selbst ausführen
will, für den ist ein Heinkel-Regionalclub (Stammtisch) ein absolutes Muß ! :)
Zum Einen spart man sich somit viel Geld, Nerven und manche vermeidbare Panne, zum Zweiten ist das
Erfolgserlebnis unbeschreiblich, wenn die Einstellarbeit, die Reparatur oder sonstige Schraubarbeit
gelungen ist ! :D

In diesem Sinne: Ab zum Berliner Heinkel-Stammtisch !
Viele Grüße aus dem schönen Oberfranken B I M S
Letteo

Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von Letteo »

Hallo Tommy,

ich habe mir auch so ein altes Gerät gekauft, das 1992 wegen eines Todesfalles außer Betrieb ging. Der Motor war auch nur am Qualmen und hatte nur ca. 4 bar Kompression. Nachdem ich den Zylinderkopf und die Alu-Dichtung abgenommen hatte, stellte ich fest, daß der Steg zwischen dem Brennraum und dem Raum für die Ventilstößel eingebrannt war. Der Motor konnte also das Oel dadurch ansaugen und wie ein 2takter qualmen. Außerdem war das Auslaßventil durch die Oelkohle nicht mehr richtig dicht. Nach dem Planschleifen in einer Zylinderschleiferei war das Thema gegessen.

Ich hoffe, ich konnte Dir einen Tipp geben

Viele Erfolg

Bernd
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ThomasD
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von ThomasD »

Hallo Bernd und all die anderen,

danke für die Reaktionen. Also die Sache mit dem Steg zwischen dem Brennraum und dem Stößelkanal kann ich ausschließen.
Kopfdichtung ist O.K. , Kompression hat er auch. Was aber auffällt, wenn der Zylinderkopf runter ist und ich den Motor nur mit dem E-Starter durchdrehen lasse, dann kann zusehen, wie der Kolben Öl in den Brennraum pumpt. Wie gesagt es ist ein neuer Mahlekolben Ø61.5 mit neuen Ringen und frisch gehontem Zylinder von Herrn Kress. Die Teile habe ich jetzt nachvermessen : Stoßspiel 0,3mm, Zylinder Ø61,52- 61,53 also eigentlich alles O.K.. Kann es sein das der Mahlekolben sich gar nicht für den Heinkel eignet ?

Die Idee mit dem Stammtisch hatte ich auch schon, hab den letzten aber verpasst. Werde probieren den nächsten am 06.07.12 zu erwischen.
Falls einer aus Berlin das hier liest, wäre es nett kurz Bescheid zu sagen ob der Stammtisch stattfindet, da hier ja gerade die Ferien angefangen haben.

Gruß Tommy
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heinkel-bernd
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus Tommy ,

Der Mahle-Kolben ist m.E. optimal für den Heinkel, da der Kolbenboden höher gewölbt ist als bei anderen ! :)
Das kommt der Verdichtung zugute die bei 1:7,4 (Weksangabe) für diese "robusten" Motoren relativ niedrig ist !
ThomasD hat geschrieben: dann kann zusehen, wie der Kolben Öl in den Brennraum pumpt
Das klingt nach zu breiten Kolbenring-Nuten oder zu schmalen Kolbenringen ! :(
Bei diesen Neuteilen dürfte das aber nicht der Fall sein, ich würde aber trotzdem mal nachmessen ! :shock:

Wenn Du keine Montageanleitung hast, hier die zulässige Toleranz zwischen Ringnut und Kolbenring:
1. Verdichtungsring (Außenkanten angefast) 0,060 bis 0,090 mm
2. Verdichtungsring (Außenkanten scharf) 0,035 bis 0,070 mm
3. Schlitzring 0,025 bis 0,060 mm

Die Kompression bei neuem Kolben, -ringen und geschliffenem Zylinder sollte mindestens 9 bar betragen ! :wink:

Viel Erfolg und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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ThomasD
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von ThomasD »

Hallo Bernd,

das sind tatsächlich die einzigen Maße, die ich noch nicht kontrolliert habe. Da ich bei Neuteilen nicht auf die Idee gekommen bin.
Ich muß das Teilchen ja sowieso nochmal kurz auseinander schrauben und werde die Maße kontrollieren. Danke erstmal für die Toleranzen.
Rückmeldung kommt , sobald ich den Motor wieder offen habe.

Gruß Tommy
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ThomasD
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von ThomasD »

Schönen Sonntag alle zusammen,

also die Maße am Kolben sind alle O.K., das kann's auchnicht sein.
Habe jetzt beim auseinanderbauen aber bemerkt, das sich Öl im Auslasskanal befindet. Ich fürchte, das das Übermaß zum einpressen der neuen
Ventilführung zu knapp bemessen war (0,05mm) und das die Riefen in Ventilführungsbohrung doch zu tief sind,so das Öl an der Ventilführung vorbei läuft. Also werde ich die Führung nochmal ausbauen, die Passsung nachreiben und eine neue Ventilführung (hat jemand eine Tip, für das korrekte Übermaß zum einpressen?) drehen.

Das Getriebe Problem werde ich nächste Woche angehen. Habe jetzt erstmal im Fundus meines Vaters nach den Spezialwerkzeugen gesucht und alles wiedergefunden.

Beim stöbern viel mir auch ein Krümmer mit nur einer Halteschraube (U-förmige Aufnahme auf 12 Uhr) in die Hände. Weiß jemand zu welchem Roller der gehören könnte? Zu einem 103A2 nun sicher nicht. Ich würde das Teil auch an jemanden abgeben der es brauchen kann.

Grüße aus Berlin Tommy
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ThomasD
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Re: Anfangsschwierigkeiten und andere Kleinigkeiten

Beitrag von ThomasD »

Hallo ,
habe mal ein Foto von dem Krümmer gemacht. Also wenn's jemand erkennt und brauchen kann, dann bitte melden.
DSCI1712.JPG
Bei meinem Getriebeproblem weiss ich jetzt zumindest was kaputt ist. Die Schaltgabel der Antriebswelle ist völlig verbogen und total abgeschliffen.
Das letzte Zahnrad hat sich ca.1,5mm in das Motorgehäuse eingearbeitet. Bin jetzt am Schwinge demontieren um rauszubekommen warum das alles passsiert ist. Wenn jemand das Problem kennt wäre ein Tipp nett.

Grüße aus Berlin Tommy
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