102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Motor-Vergaser-Antrieb
ullchen
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102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von ullchen »

Hallo Heinkler,

hab mich gerade frisch im Forum angemeldet und will mich kurz vorstellen: Mein Name ist Ulrich Klein und bin eine originale berliner Pflanze mit 37 Jahren. Seit Jahren bin ich süchtig nach Altmetall mit Rädern dran.
Vor einigen Jahren lief mir auf der Veterama Mannheim ein Heinkelroller über den Weg, den ich mit nach hause brachte.
Voller Elan ging ich dann an die Wiederbelebung, doch gelangte dieses Projekt wieder in Vergessenheit. Irgendwie traten beim Basteln immer mehr Probleme auf, dass der Kram letztendlich in der Ecke liegen blieb. Seit Jahren bin ich also Mitglied im Heinkelclub, nur das Fahren mit dem Heinkel hat noch nicht geklappt.
Beim Aufräumen des Kellers bin ich vor einigen Wochen wieder auf den zerpflückten Roller aufmerksam geworden. Der muss endlich wieder zusammen gebaut werden! Mit dem Beistand hier im Forum hoffe ich, das diesmal hin zu bekommen.
Ich würde gerne die erfahrenen "alten oder auch jungen Hasen" unter Euch mit Fragen löchern :-)
Kurz zum Stand der Dinge:
Der Roller ist nahezu komplett. Die Motorüberholung ist fast durchgestanden. Mit dem Zukauf eines ordentlichen Zylinderkopfes ist nun auch das letzte größere Motorproblem aus der Welt - doch wenn da nicht die vielen Fragen wären: Der Kopf wurde bereits geplant und ich weiß nicht, wieviel da schon fehlt. Gibt es irgendeinen Abstand zwischen Kolben (im oberen Totpunkt) und Zylinderkopf, der nicht unterschritten werden darf? Dass der nicht anstoßen soll ist natürlich klar. Ab wann muss man dickere Fußdichtungen verwenden?
Dann ist da noch der Armaturenträger von Tacho und Uhr. Ein langer Riss will ausgebessert und an den Verschraubungen wollen einzelne Bruchstücke ergänzt werden. Hat jemand Erfahrung mit diesem Material in Bezug auf die Schweißbarkeit?
So, das soll für's erste reichen.

Grüße aus Berlin,

Ulrich
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Nur ölich ist der Ulli fröhlich
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Werner
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von Werner »

Hallo und herzlich willkommen im Forum,
zu deinen Fragen:
1: Das Maß eines neuen Zylinderkopfes gemessen am Steg zwischen den Ventilen bis zur plangeschliffenen Dichtfläche beträgt 19,5 mm. Wenn ein geringeres Maß gemessen wird mußt du eine entsprechend dickere Zylinderfußdichtung montieren. Die gibts beim Club in verschiedenen Stärken
2: Das Armaturengehäuse ist etwas schwierig zu bearbeiten. Ob man es schweißen kann glaube ich nicht. Auch lackieren läßt es sich nicht gut. Wenn man keine spezielle Grundierung für Alu verwendet dann kommen nach einigen Monaten kleine Bläschen hoch und mit der Zeit platzt der Lack ab.Ich würd mal beim Club anrufen und nach einem gebrauchten Teil fragen. Auch beim großen Auktionshaus kann man die Dinger immer mal wieder ersteigern, aber vorsicht, die Vorgändermodelle hatten auch diese Armaturenträger aber ohne Öffnung für den Sicherungskasten. Es ist doch der Typ 103A0 auf dem Foto oder?
Gruß aus dem Münsterland Werner
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Bernd Hünten
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo Ulrich,
wenn Du den Zylinderfuß stärker unterfüttern mußt, um auf das notwendige Maß zu kommen, solltest Du vom Club die Metalldichtung zusätzlich nehmen. Nach meinen Erfahrungen setzt sich bei normalen Dichtungen ab 1,5 mm die Dichtung, so daß man den Kopf mehrfach nachziehen muss. Bei meinem Roller stimmte dann das Ventilspiel nicht.

Gruß
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
ullchen
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von ullchen »

Hallo und vielen Dank,
das ist ja fast schöner, als ich zu träumen wagte :-) Ihr seid wirklich schnell.
Den Abstand im Zylinderkopf werde ich gleich nachmessen.
Der abgebildete Roller ist genau der 102-A1, um den es geht. Das Bild entstand vor seiner Zerlegung.
Das Armaturengehäuse werde ich morgen mit zur Arbeit nehmen. Die Schweißer sind ziemlich fit. Aus anderer Quelle habe ich auch schon erfahren, dass es mit dem Schweißen verschiedener Teile am Heinkel ziemlich schwierig ist. Mal sehen, ob es damit noch was wird. Eine Aussparung für den Sicherungskasten hat dieses Gehäusejedenfalls nicht, der Kasten ist rundum geschlossen. So leicht ist der glaube ich nicht zu beschaffen.
Ich werde weiter berichten.
Gestern haber ich am Rahmen herumgepolkt. Ohne die dicke Kruste aus Dreck und Öl sieht der ganz anders aus. Leider sind die hinteren Halter der Bodenplatte angebrochen und schon einmal unfachmännisch geschweißt worden. Die Aufnahme für den Hauptständer ist auch total ausgeschlackert. Der Ständer ist krumm und nimmt beim Aufbocken eine viel zu starke Schräglage ein. Wenn der Schnee weg ist, wird das Schweißgerät angeschmissen.
Grüße,

Ulrich
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ullchen
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Abstand Brennraum/Planfläche

Beitrag von ullchen »

Hallo,
der Abstand zwischen Oberkante Brennraum und der Planfläche beträgt bei dem Zylinderkopf 19,15 Millimeter. Eine etwas dickere Fußdichtung werde ich mal spendieren. Der Tip mit der Metalldichtung ist super, schließlich soll sich das Ventilspiel im Betrieb (sofern es den mal geben wird :? ) durch Setzen der Dichtung nicht zu kleineren Werten verschieben.
Winterliche Grüße,

Ulrich
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ullchen
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Bauteile am Heinkel aus Magnesium!!

Beitrag von ullchen »

Hallo,
der Tachoträger ist aus reinem Magnesium. Wir haben heute ein Stück abgezwackt und in die Flamme vom Bunsenbrenner gehalten. Es war für uns wie eine regelrechte Erleuchtung, als der Schnipsel mit greller Flamme brannte. Übrig bleiben weiße Krümel. Wegen des Magnesiums kann man dem blanken Tachoträger fast beim Korrodieren zusehen. Er ist besonders leicht, hart aber auch spröde und lässt sich schwer beschichten. Magnesium-Gussteile sind bekannt aus dem Flugzeugbau. Diese kleinen Überraschungen und Eigenheiten liebe ich an einem Oldtimer. Beim Heinkel gibt es diverse eigenwillige, geniale und ebenso haltbare Konstruktionsdetails zu bestaunen. Sogar die Wahl der Materialien scheint an diesem alten Roller ungewöhnlich zu sein. Ich bin begeistert!
Morgen wird geschweißt. Ein Blech aus Magnesium zum Anbrutzeln ist angepasst und die zu schweißenden Stellen sind ordentlich gesäubert. Als Zusatzwerkstoff werden wir eine Magnesium/Aluminium-Legierung verwenden. Ich berichte dann, ob es geklappt hat.
Grüße aus Berlin und vielen Dank für den Beistand,

Ulrich
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Bernd Hünten
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von Bernd Hünten »

Hallo Ulrich,
zur Kompression und Kopfschleifen lies bitte einmal unter http://www.pteng.de nach. Im Bereich Tuning müsste etwas über Verdichtung erhöhen stehen. Mit höherer Verdichtung läuft der Motor im Klang härter.
Gruss
Bernd
Dieser Heinkel war 1966 mit mir auf dem Mulhacen (Spanien 3481 m). Inzwischen über 150 000 Heinkelkilometer.
ullchen
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von ullchen »

Hallo Bernd,

die Informationen der Pteng-Seite habe ich studiert. Mein Motor scheint nach dem Verschleißzustand zu urteilen reichlich Kilometer drauf zu haben. Ich werde keine Tuning-Maßnahme durchführen, sondern froh sein, wenn das alte Metall brav seine Arbeit leistet. Lieber langsam aber dafür sicher ans Ziel.

Das Schweißen des Tachoträgers hat zum Teil geklappt. Eine Befestigungslasche ist perfekt wieder dran. Probleme gab es bei dem Riss. In diesem steckte noch so viel Dreck der vergamgenen Jahrzehnte, dass in der Schmelze reichlich Blasen entstanden sind. Geschweißt wurde mit einem gepulsten WIG Schweißverfahren. Der Schweißdraht wird dabei von Hand zugeführt. Der Zusatzwerkstoff war eine Magnesium/Aluminium-Legierung. Etwas spannend war es schon, beim Absetzen fing eine Ecke plötzlich an zu brennen. So spektakulär wie ein antikes Magnesium-Blitzlicht muss man sich das nicht vorstellen, sondern eher wie eine bengalische Fackel. Problematisch sind nur Späne mit ihrer großen Oberfläche.

Mit dem Dremel habe ich die Blasen und Einschlüsse ausgefräst und Montag bekommt der Riss seine zweite Behandlung.
Bei dem Reparieren der Risse im Magnesium ist es wichtig, gute Vorarbeit zu leisten, dass an sauberen Oberflächen geschweißt werden kann. Beispielsweise kann man mit einem dünnen Schnitt entlang des Risses den darin befindlichen Dreck ausschleifen. Keine Angst, die Schmelze verläuft schön und man bekommt Alles wieder zu.

Winterliche Grüße,

Ulrich
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102-A1 Kleine Fortschritte

Beitrag von ullchen »

Hier die Fortschritte des Wochenendes:

Die Lieferung mit den Reifen ist gekommen, Der 102-A1 hat ja noch Reifen der Größe 4.00-8. Erfreut war ich, dass es den klassischen Reifen von Conti noch gibt - den mit Blockprofil und seitlichem Rillenprofil.
Dabei habe ich mich den rostigen Felgen zugewandt. Von der ehemaligen Verchromung waren unter der Schicht aus Dreck und Rost nur noch wenige Reste vorhanden. Also runter damit. Leider ging der meist unterwanderte Chrom nicht überall gleich gut runter und es war eine mächtige Schrubberei. Bei dem Zustand bleibt leider nur noch das Lackieren.

Hat jemand Informationen über den Regler? Der Widerstand an der Unterseite ist von der Korrosion total zerfressen. Weiß jemand die Widerstandswerte? Es müssten nach meiner Einschätzung zwei Widerstände in einem Gehäuse für die Ansteuerung der Feldspule sein. Um es schonmal vorweg zu nehmen, einen Umbau auf einen elektronischen Regler habe ich nicht vor - die haben schließlich tausendfach auch mechanisch funktioniert.

Wie immer danke schonmal.

Ulrich
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103a11959
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Re: 102-A1 wieder vorgeholt, Wiederbelebung

Beitrag von 103a11959 »

Hallo
Ja mit dem Regeler ist so eine Sache . Die alten Siba Regler arbeiten mit 2 Stromrelais und den Wiederständen . Die Werte weiß ich auch nicht aber schlimmer ist die Siba selber mit dem Papier umwickelden Spulen . Falls dir beim Regler keiner weiter helfen kann gibt es hier im Forum auch eien günstige alternative mit einen Bosch Autolichtmaschienen Regler . Habe meien alten Siba Regler auch so umgebaut und der Funzt sehr gut .
Gruß Wolfgang
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