Hallo Harald,
ja mei (wie der Bayer sagt). Das mit der Originalität ist so eine Sache - und das mit dem Wertzuwachs und dem Investieren in Sachwerte auch...
Ich vermute, dass das eines dieser Themen ist bei dem gilt "4 gefragt, 5 Meinungen bekommen".
Dann gebe ich Dir mal meine Meinung. Und die ist: ein Heinkel-Tourist ist kein Mercedes 300 SL Flügeltürer. Bei letzterem würde ich bzgl. Wertzuwachs und Investieren in Sachwerte den "Daumen hoch" geben (und gleichzeitig den Kopf über den aktuellen Wahnsinn in der Oldtimer-Szene schütteln - ich persönlich bin gespannt, wann diese Blase platzt).
Bei ersterem geht es m.M. nach (

) eher um den Spaß an der Freud. Der Heinkel war ein "Allerweltsfahrzeug" der beginnenden Massenmotorisierung in der Nachkriegszeit (an alle Liebhaber und "Extremisten": bitte nicht böse sein

). Und da wurde bereits in den 50er und 60er Jahren "ge-customized" was das Zeug hielt. Fast jeder Besitzer hat versucht, seinem Heinkel eine persönliche Note mitzugeben, um sich "vom Nachbarn abzuheben". Und sowohl bei Heinkel als auch bei den Händlern wurde alles mögliche zusammengebaut - Teile aus dem Vor-Modelljahr mit Teilen aus dem Folge-Modelljahr (z.B. A2-Kasten auf A1-Rahmen, A2-Hauben auf A1 usw.). Andere Sitzbänke, irgendwelche Seitenwagen, händlerspezifische Sondermodelle - "you name it". Geh mal auf ein Heinkeltreffen und Du wirst sehen: da gibt's nichts, was es nicht gibt.
Hätte man einen vollkommen unverbastelten Heinkel im Originalzustand (d.h., genau so, wie ausgeliefert, nicht nachlackiert, mit Patina und alles - aber wirklich auch alles - "ab Werk"), dann hätte man vielleicht (

) ein Objekt für Investition und Wertzuwachs. Am besten dann noch "erste Serie, minimale Stückzahl, kaum gefahren, mit lückenlosem Herkunftsnachweis, einer interessanten Fahrzeuggeschichte und einem berühmten Vorbesitzer".
Für alles andere gibt's zwar immer (mindestens) einen Liebhaber, dem genau der Roller gefällt, der gerade angeboten wird. Aber was gibt der dann dafür aus? 3000 bis 5000 Euro (für einen A1 oder A2 ohne Beiwagen)? Das sind keine Summen, bei denen Investmentbankern und Spekulanten einer abgeht.
Wenn Du was über den (potentiellen) Wertzuwachs wissen willst: schau mal in der Download-Sektion beim Club die alten Heinkel-Infos durch. Da findet man immer auf den letzten Seiten einen kleinen "Markt". Und da kann man schön nachlesen, um wie viel teurer halbwegs gut erhaltene Heinkel in den letzten Jahren geworden sind. Ergebnis: ja, fahrbereite und gut erhaltene Heinkel sind teurer geworden. Aber gehen die Preise in eine Richtung, die sie als Kapitalanlage interessant machen? Ich finde eher nicht. Da legst Du Deine sauer ersparte Kohle doch besser in Kunst an. Oder in panamesische Schiffsbeteiligungen. Oder in einen Mercedes 300 SL Flügeltürer.
Kurzum (und nur meine Meinung - eine von vielen): kauf Dir einen Heinkel, der Dir gefällt. Fahre ihn, pflege ihn, habe Spaß damit. Und wenn Du ihn nicht mehr magst, verkaufst Du ihn weiter (und wirst dann feststellen, dass zwar das Delta zwischen Deinem ursprünglichen Kaufpreis und dem dann erzielbaren Verkaufspreis positiv ausfällt, Du aber dann besser nicht nachrechnest, wie viel Geld Du in der Zeit mit Deinem Heinkel in Pflege, Ersatzteile, Erhaltung, Lagerung etc. gesteckt hast).
"Geh weida" (sagt erneut der Bayer) - das ist doch keine Kapitalanlage!

Das ist ein altes, sehr feines und immer noch alltagstaugliches Zweirad mit Charme und dem gewissen Etwas, das unheimlich viel Spaß macht und heute noch echten Nutzwert hat. Aber mehr auch nicht.
Du schriebst:
Es geht ja nicht nur ums Heinki fahren.
Doch! Genau darum geht es.

Und um den Spaß am Schrauben. Und um den Erhalt von technischem Kulturgut, falls Dir daran etwas liegt. Und um einen immer noch preiswerten Oldtimer mit hervorragender Ersatzteilversorgung. Und um die Gemeinschaft mit anderen Heinkelfahren. Und, und, und... Aber um eines geht es nur für ganz wenige und eher selten: um Investition und Wertzuwachs.
An alle: nichts für Ungut.
An Dich: frohe Ostern!
Bernd