Vergaser

Motor-Vergaser-Antrieb
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BerndSt
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Re: Vergaser

Beitrag von BerndSt »

Servus HaJue,

Du hast sehr wahrscheinlich recht - das klingt schon alles nach einem Problem mit dem Vergaser.

Der Reihe nach: wenn die Ventile gut sind, dann ist das eine Sorge weniger. Haken dran, vergessen. :wink:

Kerze und Zündanlage tauschen kann zwar nichts schaden. Der Einfachheit halber würde ich an Deiner Stelle aber erst einmal nur Kerze und evtl. Kerzenstecker und Zündkabel austauschen - das macht kaum Arbeit und schadet so oder so nicht (wie Du schreibst, zieht der Motor in den oberen Drehzahlen ja gut, ein grundlegendes Problem an der Zündung ist also eher unwahrscheinlich - lass die Elektro-Zündung drin und hebe Dir das für "Plan B" auf, wäre mein Rat).

Nach meinem Verständnis sind für den Leerlauf vor allem die Leerlaufdüse und die dazu gehörigen Luftkanäle verantwortlich. Der Leerlauf ist gut, also kannst Du bis auf Weiteres davon ausgehen, dass an den für den Leerlauf verantwortlichen Teilen nichts fehlt. Ab Dreiviertelgas bis zu Höchstdrehzahl ist in erster Linie die Hauptdüse für Spritversorgung und Motorlauf zuständig. Das funktioniert ebenfalls, also würde ich erst einmal annehmen, dass hier auch alles OK ist.

Für das Herausbeschleunigen ist - wie ich das sehe - in erster Linie die Beschleunigerpumpe zuständig und für die mittleren Drehzahlen die Vergasernadel in und mit ihrem ganzen "Drumherum". Hier würde ich "die üblichen Verdächtigen" suchen. Was Du beschreibst klingt so, als würde der Motor beim Beschleunigen und beim Gas-Wegnehmen zuviel Sprit bekommen (Nadel auf Kerbe 1 deutet auch in diese Richtung). Es gilt jetzt heraus zu finden, wo dieses Übermaß an Sprit resp. das zu fette Gemisch herkommt. Führe doch mal (falls noch nicht geschehen) alle Prüfarbeiten durch, auf die heinkel-bernd in seiner Antwort verlinkt hat. Und falls Du die Möglichkeit dazu hast, könntest Du es auch mal mit einer neuen Vergasernadel versuchen. Vielleicht kann Dir ein Kamerad aus Deiner Umgebung da mit einer Leihgabe helfen?
Perfekt wäre es, wenn Du Dir irgendwo einen kompletten Vergaser leihen könntest. Damit könntest Du "auf einen Schlag" alle anderen denkbaren Ursachen ausschließen und könntest ein Gefühl dafür bekommen, ob sich die Investition in einen neuen Vergaser überhaupt lohnt. Wäre ja schon extrem ärgerlich, wenn Du einen neuen Vergaser kaufst und die Probleme danach immer noch da sind...

Viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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heinkel-bernd
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Re: Vergaser

Beitrag von heinkel-bernd »

Servus HaJue,

Für den HEINKEL Tourist gab es 3 verschiedene BING-Vergasertypen, sehen auf dem ersten Blick alle
gleich aus ! Den Unterschied sieht man an der Ausführung der Leerlaufluftdüse ( Rot eingekreist )
Beim 1/20/46er und ...51er eingeschraubt, beim ....55er fest vergossen !
versch. BING-Vergasertypen kompr..JPG
Der Vergasertyp steht auf der Vorderseite des Gehäuses an der Aufnahme der Leerlaufdüse ( Grüner Pfeil )
Beim ....55er muß dementsprechend die Luftregulierschraube ca. 3 mm länger sein als die des...46ers und ...51ers
versch. Luftregulierschrauben kompr..jpg
Einen Unterschied gibt es noch bei den Düsennadeln:
Laut Vergasertabelle gehört in den ....46er und ....55er eine Düsennadel 15 X 1,95 AE (stumpfes Ende)
und in den ....51er eine Düsennadel 20 X 1,65 AE (schlankes Ende)
Düsennadeln-Nadeldüse kompr.jpg
Ich würde den Vergaser dementsprechend überprüfen, vielleicht ist hier irgendwo "der Hund begraben"
Wie BerndSt auch schon erkannte, läuft Dein Motor im Teillastbereich evtl. zu fett und wenn Deine
Düsennadel schon ganz unten hängt, hilft vielleicht eine stumpfe (15 X 1,95 AE)
Beim Club mit der Nr. 21.1843 Düsennadel (46-925) Kabine !

Viel Erfolg und
Viele heinkelige Grüße
BERND aus Bayreuth
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hajueeich
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[gelöst]:nicht der Vergaser

Beitrag von hajueeich »

Hallo hilfreiche Bernd´s,

diese Zeilen schreibe ich direkt nach der ersten Probefahrt im stehen aus der Werkstatt . . . :mrgreen:

Der Alte läuft, wie in seinen besten Tagen !!!
Ich habe meinen Vergaser kontrolliert,es ist ein 1-20-51 mit korrektem Zubehör.
Dann habe ich die fabrikneue aber > 10 Jahre alte Bosch W5BC gegen eine fabrikneue NGK B6HS getauscht und die Zündung wieder auf Kontakt/Kondensator umgebaut.
Die 88 er Düse mit Nadelauf 1 (unten) ist noch drin.
Aber er verschluckt sich nicht mehr und läuft, wie gesagt, wie ein Uhrwerk.
Auch heiß springt er an und verschluckt sich nach langem Ampelstopp nicht, wenn er aus dem Standgas beschleunigt wird.
Hat in 50 Km auch nur ein einziges Mal geknallt, als es länger bergab ging - ist gegen früher garnichts.
50 Km/h im 4. ohne Ruckeln. 100 Sachen macht er wieder auf Anhieb, habe aber keine Dauervollast getestet, nur so ad hoc :D
50 Kilometer in gemäßigtem Tempo abgespult. Ich fange irgendwann mal an, die Fehlerquelle genauer zu lokalisieren, nach dem TÜV.

Bis dahin (ich werde berichten) vieeelen Dank an Euch alle, ich war ja schon der Verzweiflung sehr, sher nahe und kurz davor, das gesamte Aggregat noch einmal zu zerlegen, um die Ventilsteuerzeiten zu kontrollieren . . . kann ich gut drauf verzichten!

Einen ganz lieben Gruß von HaJue
Wenn ich zulange, paßt es immer. Irgendwie.
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BerndSt
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Re: Vergaser

Beitrag von BerndSt »

Hallo HaJue,

das freut mich sehr für Dich! :lol:

Die Idee mit der Zündkerze war ja eigentlich mehr so ein "Verzweiflungsgedanke", klang doch alles aus Deiner Fehlerbeschreibung nach einem Vergaserfehler. Da kann man mal sehen!

Ich erkläre mir das so, dass das Gemisch bei Dir in den mittleren Drehzahlen etwas (oder auch sehr) fett ist und durch die miese Zündkerze nicht mehr richtig verbrannt wurde. An Deiner Stelle würde ich jetzt auf jeden Fall das Kerzenbild nach einer mind. 15km langen Fahrt mit Halbgas ansehen. Dabei (am besten auf der Autobahn) die Gasgriffstellung für die gesamte Strecke möglichst nicht verändern (wütende LKW-Fahrer dabei einfach ignorieren, ggf. auf den Standstreifen ausweichen :wink: ). Den Motor nach den 15km sofort (am besten noch beim Ausrollen) abstellen. Und dann die Kerze prüfen. Würde mich nicht wundern, wenn sie etwas schwarz wäre. Ist dies der Fall, die Vergasernadel wieder "umhängen" und den Test und die Änderung der Nadelstellung so oft wiederholen, bis das Kerzenbild passt. Aber Du kennst diese Vorgehnsweise ja vermutlich, oder?

Viel Spaß mit dem nun wieder laufenden Gefährt und viele Grüße,
Bernd
SNAFU!
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hajueeich
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Auflösung: Vergaser war es nicht

Beitrag von hajueeich »

OK, Leute.
Kommen wir dann mal zur Auflösung dieses kleinen Ratespiels . . .

Der Verursacher des Problems ist (kleiner Trommelwirbel :mrgreen: )

Die Transistorzündung !!!

Ich habe selbstverständlich neue U-Kontakte eingesetzt und diese noch mit Muttis Nagelfeile unt TRI bearbeitet, das ist es sicherlich nicht - auch beim Anschluß bin ich nicht auf das rote Kabel hereingefallen (das ja NICHT Plus führt, sondern die Impulse zur Spule bringt) sondern habe von Anfang an alles korrekt verkabelt - sollte einem Fernmeldeelektroniker aber auch kein Problem bereiten :P
Das Ding ist ganz einfach fritte !
Schön, so lernt man den 103A2 mal ganz genau kennen, und die verzogene Pumpe wäre ja auch nie ans Licht gekommen, genau wie die Infos zu verschiedenen Vergasern. Genug gelernt bei dieser Aktion, letztendlich läuft er ja nun auch besser, als je zuvor!

Jaja, so kann es gehen, oder SNAFU! wie der Bernd ja so gerne schreibt!

So, nun kann es auch mal warm und trocken werden, damit das Heinkeln auch wieder mehr Spass macht, oder?

Euer HaJue
Wenn ich zulange, paßt es immer. Irgendwie.
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Werner
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Re: Vergaser

Beitrag von Werner »

NA da hat sich meine Skepsis gegenueber der Transistorzuendanlage mal wieder bestaetigt. Gruesse aus dem sonnigen !!! England
Wir sehen uns beim hoffentlich Regenfreien Jahrestreffen
barmbrun
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Re: Vergaser

Beitrag von barmbrun »

Hallo HaeJu vom 24.5.13,
ich hoffe, dass Du Deine "Vergaser"-Probleme inzwischen im Griff hast. Aber wie kamst Du - als begnadeter Schrauber - denn auf die Schnapsidee mit der 88er Hauptdüse? Die ist doch wirklich nur für Volllast zuständig und keinesfalls für Deine Patschprobleme.
Da vermute ich aufgrund meiner eigenen Probleme eher auf die Zündung und da speziell auf die Unterbrecherkontakte. Nach peniblem Säubern mit TRI oder Alkohol waren meine Patschprobleme jedenfalls gelöst. Das gilt besonders, wenn man sie mit nur geringstem Stromfluss wie bei der Elektron. Kontaktzündung betreibt. Die funktioniert zwar in der Regel einwandfrei, aber gegen zu viel Fett unter der Pertinax-Platte des Hammers ist sie zickig.
Nebenluft kommt zwar auch infrage, allerdings eher selten. Berichte bitte mal, wie es ausgegangen ist.
Gruß barmbrun
barmbrun
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Unsteter Leerluf

Beitrag von barmbrun »

Hi Jungs,
mein überholter 103 A2 läuft inzwischen prima, hatte aber bis gestern das Problem, dass der Leerlauf völlig unstet war (mal raste er los, dann starb er mit gleicher Stellschraubeneinstellung unvermittelt ab). Alle Einstellerei half nichts.
Natürlich hat der Vergaserkolben (1/20/55) ein gewisses Spiel (sichtbar) und verkantet womöglich auch abwechselnd.
Da glaube ich jetzt den Grund und eine Lösung gefunden zu haben: Das im Kolben außermittig ziehende Gaskabel mit der ca. 4 cm langen dünnen Druckfeder verkantet mit mehr Spiel im Laufe der Jahre immer mehr. Dem habe ich jetzt durch Einbau einer relativ kleinen Druckfeder mit ca. 12-14 mm Durchmesser und 20 mm Länge sowie ca. 0,8 mm Drahtstärke Abhilfe geschafft, durch die die werksmäßige Druckfeder hindurch geführt wird. Sie verteilt jetzt die Zug- und Druckkräfte eher mittig und vermindert zumindest das Kippen des Kolbens im Vergaser. Im Moment gibt mir der Erfolg Recht.
Vielleicht versucht Ihr es mal, Gru0 barmbrun
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